Schluss mit Volleyball, Stebner macht jetzt den Netzer

Ferdinand Stebner hört auf
Ferdinand Stebner hört auf
Foto: WAZ FotoPool

Recklinghausen.. Er ist im besten Volleyballer-Alter. 28. Trotzdem ist Schluss für Ferdinand Stebner. Am Sonntag wird er beim Bundesliga-Spiel der RWE Volleys Bottrop gegen die Titans Bergisches Land verabschiedet.

Nach 21 Jahren Pritschen und Baggern zieht der Recklinghäuser einen Schlussstrich unter seine eindrucksvolle Karriere als Aktiver und wechselt die Seiten. In Zukunft will er im Management des Erstligisten mitarbeiten und Ideen umsetzen, „die ich schon lange im Kopf habe“. Es bleibt nach vielen Jahren der Doppel- und Dreifachbelastung mehr Zeit für Familie und Freundin. Und dann ist da noch der Doktor-Titel, den der Erziehungswissenschaftler und Uni-Dozent auf absehbare Zeit an der Ruhr-Universität Bochum erlangen will. Langeweile kommt da nicht auf.

„Emotional wird es bestimmt am Sonntag werden“, vermutet Stebner, der es in Bottrop spätestens seit dem Aufstiegsjahr 2008 zum Publikumsliebling gebracht hat. Damals führte er das Team als Kapitän, Leistungsträger und Taktgeber eines Trainer-Trios ins Oberhaus. Nach einem schlechten Saisonstart und der Trennung vom Trainer war er es, der dem Management vorschlug, mit einem Spieler-Trio als sportliche Leitung den Weg zur Meisterschaft zu versuchen. „Ich wusste einfach woran es lag und was wir anders machen mussten.“ Es folgten 17 Siege in Serie und der kaum noch für möglich gehaltene Aufstieg. „Das war das absolute Größte, sicher der Höhepunkt meiner Karriere“, erzählt der gebürtige Hertener in der Nachschau.

Schon damals dachte er ans Aufhören („Ich wollte es machen wie Franz Beckenbauer“), hing dann doch noch eine Saison dran. Aber nun geht nichts mehr. Achillessehnenbeschwerden hat er seit seiner dreijährigen Zeit beim Moerser SC zu Beginn seiner Karriere im Spitzensport („damals haben wir zu viel und falsch trainiert“). Dazu häuften sich Probleme mit der rechten Schulter. Und als im Sommer dann noch ein Bandscheibenvorfall dazu kam, stand für Stebner fest: Jetzt ist Schluss. „Ich habe noch zu vieles vor im Leben und möchte ohne Spätfolgen den Sport beenden. Außerdem freue ich mich, weil der Druck wegfällt, immer fit zu sein und zur Verfügung zu stehen.“

Urlaub machen. Richtigen Urlaub, und nicht nur eine Woche zwischen Saison und Vorbereitung. Das steht ganz oben auf seiner Agenda. „So was habe ich noch nie gemacht. Das war einfach nicht möglich, um Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen.“ Alaska ist sein absolutes Traumziel. Und irgendwann möchte er mit einem VW Bulli die Welt erkunden.

Ganz los kommt der Leistungs- und Sympathieträger von seinem Sport und seinem Klub aber nicht. Neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit will er bestreiten. So wird er am Sonntag vor, während und nach dem Bundesliga-Auftaktspiel gemeinsam mit einem Fernsehjournalisten die Zuschauer mit Informationen im Talkformat versorgen. „Ich mach den Netzer und Kai Regnitter den Delling“, sagt er scherzhaft. Das Ziel: „Wir wollen die Leute näher an den Sport und an die Mannschaft bringen.“ Wer könnte das besser als jemand, der weiß wie Volleyball funktioniert, wie ein Team tickt und welche psychologischen Mechanismen auf dem Spielfeld und auf der Tribüne wirken. Da könnte sich die nächste Erfolgsgeschichte anbahnen.

 
 

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