Flugtage: Die Tiger Moth ist Dauergast

Klaus Stewering landet mit seiner „Tiger Moth“ auf dem Dorstener Flugtag. Er hat sie vor fast 20 Jahren erworben und umfangreich restauriert, so dass sie heute fast im Neuzustand und mit allen modernen Funkgeräten ausgestattet zuverlässig fliegt.
Klaus Stewering landet mit seiner „Tiger Moth“ auf dem Dorstener Flugtag. Er hat sie vor fast 20 Jahren erworben und umfangreich restauriert, so dass sie heute fast im Neuzustand und mit allen modernen Funkgeräten ausgestattet zuverlässig fliegt.
Foto: Jo Gernoth

Dorsten..  Flugzeuge haben Geschichte geschrieben. Jeder kennt die berühmte Tante Ju, die Junkers 52 oder den legendären Rosinenbomber, die DC 3, die einst die Berliner Luftbrücke sicher stellte. Der kleine Doppeldecker „Tiger Moth“ ist auch so ein Kultflugzeug, das nach dem Krieg ganz erheblich dazu beigetragen hat, dass in Deutschland der Luftsport wieder flügge wurde. Dabei hat der Knattervogel auch seine Spuren in Dorsten hinterlassen.

„Wir hatten noch keinen eigenen Flugplatz und sind aus diesem Grund immer am Samstag gegen Nachmittag mit der gesamten Ausrüstung nach Borkenberge gefahren. Unser Frontmann war Otto Thybussek und deshalb wurden wir „Cirkus Thybussek“ genannt, wenn wir mit unserem gesamten Gerät dort eintrafen“, erinnert sich Heinz Kleine-Vossbeck, der damals mit dabei war. In den Reihen der Dorstener Flieger gab es etliche erfahrene Motorflieger, die im Krieg Heinkel und Messerschmidt-Flugzeuge geflogen hatte. Die saßen sofort wieder im Cockpit der Tiger Moth, als 1955 der Motorflug wieder erlaubt wurde.

Die ersten Motorflugzeuge waren Tiger Moth-Doppldecker, die in großer Zahl von den Flugschulen der Royal Airforce verschenkt wurden. Allerdings waren die Könner von einst etwas aus der Übung und der Tiger hatte wie alle Doppeldecker seine Tücken. Funkgeräte gab es nicht und so kam es, dass Otto Thybussek eines Tages gleich zwei Tiger Moth ins „Flugzeug-Jenseits“ beförderte: Thybussek war mit einem der beiden Tiger der Borkenberge-Gesellschaft im Landeanflug, als die zweite in die Startbahn rollte und ihn übersah. Das Produkt dieser Luftfahrtkatastrophe war ein doppelter Doppeldecker: Thybussek hatte sanft auf der oberen Tragfläche seines „Kontrahenten“ aufgesetzt. Niemand war zu Schaden gekommen, das, was aus Holz bei den Fliegern war wurde feierlich verbrannt, die Propeller wurden in die Bar gehängt und die Borkenberge-Gesellschaft kaufte eine Piper. „So war das. Für so einen Doppeldecker zahlte man den Gegenwert eines Fahrrades“, sagt Kleine Vossbeck. Erst in den 1970er Jahre, als fast alle Tiger verschwunden waren, erinnerten sich junge Enthusiasten an den schönen Oldie und es kam die Oldtimer-Bewegung in Schwung.

In Hangaren und Scheunen fanden sich Exemplare, die von Tauben und Hühnern bewohnt die Zeit überdauert haben. Rund 300 von etwa 5000 gebauten Motten fliegen derzeit noch. 200 befinden sich im Wiederaufbau und im englischen Lands End werden welche nach alten Plänen für viel Geld neu gebaut. Klaus Stewering hat seine Tiger Moth mit seinen Freunden in den Neuzustand versetzt und die 70 Jahre, die sie in der Luft ist und abertausende Starts absolviert hat, sieht man ihr nicht an.

Diese Tiger Moth und weitere Klassiker der Luftfahrt werden am Wochenende in Dosten landen und an die Zeit erinnern, als dröhnende Flugzeugmotoren kein Fluglärm, sondern noch Zukunftsmusik waren.

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