Flugtag Dorsten: Die Rückkehr des Gartenstuhls

Foto: WAZ Dorsten

Dorsten.. . Am 10. und 11. September sind wieder Flugtage auf dem Dorstener Segelflugplatz zu bestaunen. Donnernde Sternmotoren, knatternde Doppeldecker, viele bunte Vögel und ein kurioses Segelflugzeug werden dann den Himmel über Dorsten in einen bunten Luftzirkus verwandeln.

Stiller Star der Flugtage wird allerdings ein kleines, eher abenteuerlich wirkendes Fluggerät sein: Der Schulgleiter SG 38. Den Organisatoren des Flugtages ist es gelungen, eines der letzten noch fliegenden Muster dieses legendären Urahns der heutigen Segelflugzeuge nach Dorsten zu locken. „Dieses Flugzeug ist ein Stück unserer Vereinsgeschichte. 1931 hat unser Verein mit einem „Zögling“, so der Typenname des SG 38, den Flugbetrieb aufgenommen“, weiß Heinz Kleine-Vossbeck, der selbst nicht mehr als Pilot die Ära dieses Oldtimers erleben konnte. Was verbirgt sich hinter diesem Sportgerät, das eher an einen Gartenstuhl als an ein elegantes Segelflugzeug erinnert?

„Nach dem ersten Weltkrieg war das Motorfliegen verboten. Studenten der Uni Darmstadt zogen in die Rhön und machten dort den Segelflug zur Wissenschaft. Dort in der Rhön ist die Wiege unseres Sports und der Schulgleiter ist so etwas wie das Erstgeborene der Epoche“, sagt Vossbeck.

Damals wurden diese Flugzeuge mit einem Gummiseil, das von einer Startmannschaft auf Spannung gezogen wurde, in die Luft katapultiert. So wurden Segelflieger mit der Flüstertüte und Fahnensignalen von den Fluglehrern in die Geheimnisse des motorlosen Fluges eingewiesen. Nicht immer mit Erfolg. „Bruch war an der Tagesordnung“, sagt der Dorstener Robert Dudda, der in den 1940er Jahren in Gelsenkirchen, dort wo heute die Schalke-Arena steht, mit dem Schulgleiter das Fliegen erlernte.

„Ich habe gedacht, ich bin Fallschirmspringer als ich so ein Ding mal geflogen habe. Bevor ich das genießen konnte, war ich wieder unten“, sagt Heinrich Lensing, der vor Jahren auf dem heutigen Verkehrsflugplatz Weeze mit einer britischen Variante des Schulgleiters abhob und feststellen musste, dass die Segeleigenschaften des Schulgleiters wirklich sehr bescheiden sind. Aus 1000 Meter Höhe käme man etwa acht Kilometer weit. Ein Motorflugzeug schafft beim Triebwerkstillstand zwölf Kilometer. Die Schulgleiter wurden meist nach Bauplan von den Fluggruppen selbst gebaut und dann geflogen. „Richtiges Fliegen war das nicht. Es waren eher Luftsprünge“, sagt Kleine Vossbeck.

Mit der Entwicklung moderner Doppelsitzer geriet der Schulgleiter auf die Abstellposition. Etliche Exemplare endeten als Osterfeuer, andere wurden schlicht entsorgt. Das Exemplar, das in Dorsten starten wird, überdauerte die Zeiten in einer Scheune und wurde von Enthusiasten aus Nordhorn liebevoll restauriert.

Um in die Luft zu kommen, braucht der fliegende Gartenstuhl die Hilfe 20 kräftiger Hände: Die müssen das Gummiseil straff ziehen, damit der Veteran abheben kann.

 
 

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