Disco ist am Himmel

Die Hälfte seines Lebens wartet ein Segelflieger vergebens und für den Rest der Zeit, hält er sich starbereit. Ein launiger Schüttelreim aus den Kindertagen des Segelfluges, der allerdings den Dorstener Fliegern während ihres Ferienlagers im anhaltinischen Renneritz durchaus zur Durchhalteparole gereichen könnte.

Renneritz..  Die Hälfte seines Lebens wartet ein Segelflieger vergebens und für den Rest der Zeit, hält er sich starbereit. Ein launiger Schüttelreim aus den Kindertagen des Segelfluges, der allerdings den Dorstener Fliegern während ihres Ferienlagers im anhaltinischen Renneritz durchaus zur Durchhalteparole gereichen könnte.

„Nö, die haben gerade keine Zeit, die müssen ihre Maschinen in den Hangar schieben. Es zieht ein Gewitter auf“, sagt der Fluglotse auf dem Tower von Renneritz, als sich die WAZ nach dem Wohlergehen der Dorstener Piloten erkundigen will. Der Wettergott scheint einmal mehr nicht der Reisebegleiter der Dorstener Flieger zu sein, die sich diesen Flugplatz in den neuen Bundesländern bereits zum fünften Male als Feriendomizil ausgesucht haben. Was zieht die 15 Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 2o Jahre in eine Gegend, in der sich Fuchs und Hase eine gute Nacht wünschen?

„Es sind die guten Bedingungen, die hier im Normalfall herrschen. Es ist ein Schleppflugzeug am Platz und wir können sehr ausgiebig Fliegen“, sagt Hendrik Berkel, der bereits zu den Renneritz-Veteranen zählt. Sein Fluglehrer Thomas Hill betreut die Truppe und ist ein Befürworter des Ferienlagers. „Fliegen ist ein Teamsport. Auch wenn man nach der Ausbildung alleine in der Maschine sitzt, muss man sich auf seine Freunde verlassen können, sonst wird das mit dem Fliegen nichts. Da ist so ein Fluglager schon eine tolle Sache“, so Hill. Geschlafen wird in Zelten und die Verpflegung erfolgt zu günstigen Konditionen durch den Luftsportverein Renneritz, der sich nach der Wende aus der am Platz ansässigen „Gesellschaft für Sport und Technik“ entwickelte. Bitterfeld und Wolfen liegen quasi im Landeanflug von Renneritz. Dort war einst der Stolz der mitteldeutschen Chemieindustrie ansässig. Die Region wurde ohne Skrupel bis zu Wende systematisch mit Abfällen verseucht und erst im Laufe der Zeit für sehr viel Geld renaturiert. „Heute ist das hier alles vom Feinsten“, sagt Hendrik Berkel. Er wartet mit seinen Freunden vom Luftsportverein darauf, dass sich die Wetterlage stabilisiert und endlich Überlandflüge gestartet werden können.

Was unternimmt man in Bitterfeld, wenn Segelfliegen wegen Gewitteralarm ausfällt? „Ich bereite mit theoretischen Unterrichsteinheiten ganz locker auf die anspruchsvollen Prüfungen vor. Zum Beispiel im Bereich Navigation und mit ein bisschen Thermik kann man dann die Theorie mit Praxis hinterlegen“, sagt Thomas Hill. Den Flugschülern gefällt das genau so sehr gut. Über facebook informieren sie die Freunde in Dorsten und die Kollegen, die auf Mallorca am Strand liegen. Abenteuerurlaub ist in Renneritz jedenfalls garantiert. Dafür garantiert das etwas antik anmutende Fluggerät der Gastgeber und die Tatsache, dass es reichlich Mäuse gibt, die schon mal als Untermieter in die kleine Zeltstadt der Dorstener einziehen. Allerdings gibt’s dafür im Gegenzug Fliegerromantik pur: Eine Luftaufsichtbaracke, ein altes polnischen Agrarflugzeug mit riesigen Sternmotor, das im Sonnenuntergang von besseren Zeiten träumt. Irgend jemand hat eine Gitarre dabei und es werden Fliegerlieder gesungen. Eine Alternative zu Alkopops, denn ein Trinkgelage können sich die Jugendlichen nicht leisten: Wer am nächsten Tag in die Luft will, der muss einen klaren Kopf haben. Da ist für mehr als ein kleines Bier kein Platz.

Die Gewitterfront hat sich ausgetobt. Die Wilga erwacht mit qualmenden Motor zum Leben und startet zum Wetterflug. Berkel und seine Freunde wissen, warum sie fliegen.

 
 

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