Die Vielfalt von Genclikspor

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Recklinghausen..  Anzug statt Trikot, Lackschuhe statt Stollenschuhe und roter Teppich statt Fußballplatz. Es war ein besonderer Sonntagnachmittag für alle Spieler und Verantwortlichen von Genclikspor Recklinghausen. Dieses Mal mussten sie nicht, wie sonst um diese Zeit, selber aktiv werden, sondern durften sich beim Fußballspielen bewundern - und zwar auf der Kinoleinwand. Im Cineworld Recklinghausen wurde der Film „Weltklasse Kreisklasse - eine Saison bei Genclikspor Recklinghausen“ uraufgeführt. Der Dokumentarfilm von Regisseur Daniel Huhn nimmt seine Zuschauer mit in die Welt des Amateurfußballs und zeigt das Vereinsleben rund um Genclikspor. Muharrem Gürbüz, der Geschäftsführer von Genclikspor, ist sich jetzt schon sicher: „Dieser Film ist für die Ewigkeit.“

Mehr als zwei Jahre hat Daniel Huhn in seinen Film investiert. Eine Saison lang war er ständiger Begleiter des Klubs mit Kamera und Mikrofon. Den ersten Kontakt zwischen Huhn und dem Verein gab es im Jahr 2008. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Münster recherchierte Huhn bei Genclikspor.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann die Idee, einen Film zu drehen. Daniel Huhn blieb am Ball und verwirklichte sein Vorhaben. An insgesamt 40 Drehtagen begleitete er die Spieler von Genclikspor Recklinghausen . Es ist sein erster langer Dokumentarfilm. „Dieser Film beruht in erster Linie auf persönlichem Engagement“, erklärt er. „Einen wirtschaftlichen Nutzen gibt es nicht.“ Im März wird der Film erneut im Recklinghäuser Cineworld zu sehen sein, im Anschluss auch in anderen großen deutschen Städten.

„Bei uns geht es nicht nur um Fußball“, erklärt Özcan Ermek, der Trainer von Genclikspor und einer der Hauptprotagonisten im Film. „Das Vereinsleben ist bei Genclikspor sehr vielfältig.“ Der Film unterstützt diese Aussage. Die Zuschauer bekommen den vereinseigenen Nachhilfeunterricht zu sehen, dürfen teilhaben an einer türkischen Hochzeit oder können die Frauenfitnessgruppe des Vereins beim Sport beobachten. Näher dran geht nicht.

Das Thema des Films ist dabei immer im Vordergrund: Integration. „Sport hat eine enorme Kraft, Menschen zu binden“, sagt Wolfgang Pantförder. Der Bürgermeister schlägt in seinen Begrüßungsworten vor Beginn des Films den Bogen zwischen Genclikspor Recklinghausen und der Integration. „Es wird immer unsere Aufgabe sein, Menschen zu integrieren“, so Pantförder. „Dieser Verein ist ein wichtiges Bindeglied.“ Özcan Ermek: „Das macht uns stolz. Der Film zeigt den Leuten, wie es funktionieren kann.“

Natürlich geht es nebenbei auch noch um Fußball. Die Saison 2011/2012 hatte es in sich für Genclikspor. Mit dem Ziel Aufstieg war das Team in die Kreisliga A3 gestartet, um am Ende nur ganz knapp dem Abstieg zu entgehen. Erst im letzten Spiel gegen die Titania aus Erkenschwick konnte der Klassenerhalt gesichert werden.

Für den Dokumentarfilmer Daniel Huhn natürlich ein perfekter Saisonverlauf. „Dramaturgisch hätte es nicht besser laufen können“, freut er sich. Der Film schließt mit einem Happy End und zeigt, wie Integration und sportlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.

Trikot statt Anzug, Stollenschuhe statt Lackschuhe und Fußballplatz statt roter Teppich. Die Filmpremiere war eine willkommene Abwechslung, doch schon bald wird es wieder ernst für die Genclikspor-Fußballer. In zwei Wochen beginnt die Rückrunde der Kreisliga A3. Dann dürfen sie nicht nur zugucken, sondern müssen selbst gegen den Ball treten.

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