Dorsten

Die sanfte Luft-Formel 1

Dorsten.  . Ja, es ist ein schönes Bild für das „Bodenpersonal“, wenn sich am Samstag ein Segelflugzeug über dem Dorstener Markt in die Höhe schraubt. Aber für den Flieger selbst ist der Flug über Dorsten eigentlich nichts anderes, als eine Art Aufstellung an einer imaginären Start-Linie. Wenn die Flagge fällt, dann findet am Himmel die sanfte Formel 1 statt.

Die Dorstener Segelflieger starten nämlich in der so genannten OLC-Landesliga. Das ist ein dezentraler Wettbewerb, an dem sich Segelflieger aus ganz NRW messen und in den unterschiedlichen Leistungsklassen nach einem verbindlichen Regelwerk um die Wette fliegen. Sorgfältig haben Hendrik Berkel und Sebastian Hater in aller Herrgottsfrühe ihren weißen Luftrenner startbereit gemacht und in den Bordcomputer die Streckenpunkte einprogrammiert: der Duo-Discus mit seinen 22 Metern Spannweite ist ein echter Supergleiter. Aus einem Kilometer Höhe kommt er fast 45 Kilometer weit, ohne Thermik tanken zu müssen.

Vorbei auch die Zeiten, als sich Segelflieger an Bahnlinien und Flüssen orientierten. „Kartennavigation ist heute nur noch aus Sicherheitsgründen nötig, ansonsten fliegen wir nach GPS“, sagt Hendrik Berkel, der seine erste Saison Streckensegelfluges auskostet. Was hat ein Pilot alles zu beachten, wenn er sich auf einen Streckenflug begibt? Zunächst muss das Flugzeug perfekt beherrscht werden, vor allem dann, wenn es um die Landung geht, denn ein Streckensegelflug kann auch schon einmal auf einem Acker enden. Wiesen meiden die Segelflieger in diesem Zusammenhang wie der Teufel das Weihwasser, denn schnell ist ein kleiner Graben oder einer dünner Elektrozaun im Weg und es kann zu einer gefährlichen Situation kommen.

So lange der Flug hingegen dauert, muss der Pilot in erster Linie Entscheidungen treffen, die seiner Maschine die optimale Ausnutzung der Aufwinde ermöglicht, denn die gewonnene Flughöhe wird durch eine Art gelenkten Sturzflug in Strecke verwandelt. Ganz nebenbei ist der Luftraum zu beobachten und die Navigation durchzuführen. „Streckensegelflug ist positiver Stress und erfordert eine gute Kondition“, weiß Sebastian Hater zu berichten, der auch als Fluglehrer aktiv ist. In der aktuellen Tabelle hat sich das Team des Luftsportvereins Dorsten auf den fünften Platz vorgeflogen. Alle Flüge der Piloten können genau nachvollzogen werden, denn ein GPS-Signal wird in einer Blackbox aufgezeichnet, die dann später von einem Auswertungsrechner des Aeroclubs überprüft und ausgewertet wird.

„Das macht die Sache spannend. Man weiß immer genau, was die Gegner machen und ob sie in besseren Wetterlagen fliegen. Wir haben aus dem, was uns der Wettergott bislang geboten hat, das Beste gemacht“, so Sebastian Hater abschließend.

 
 

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