Charlotte Reinhardt zieht positive Bilanz der WM

Trakai..  Auf der Tauschbörse am zweiten Finaltag geht es hoch her. Charlotte Reinhardt sichert sich einen Einteiler aus Italien und einen aus den USA. „Echt cool“, sagt die WM-Debütantin aus Dorsten und tauscht noch Teile ihrer Ausstattung gegen eine Australien-Kappe und einen Rucksack aus Neuseeland. Ein feiner Abschluss der U23-Ruder-Weltmeisterschaft in Litauen, den die 18-Jährige für sich persönlich als ganz großen Gewinn bezeichnet: „Ich habe in den letzten Wochen viel gelernt.“

Deshalb kann sie mit dem siebten Platz gut leben. „Ich war doch zum ersten Mal dabei, das ist doch ganz okay“, meint Reinhardt. Als sie sich das A-Finale auf der Tribüne in Trakai am Lake Galve anschaut, da spendiert sie den Gegnern Lob. „Die waren einfach besser als wir und haben es verdient“, sagt die Dorstenerin: „Wir sind nach dem Vorlauf zwei gute Rennen gefahren, wie wir es uns vorgenommen haben. Wenn die anderen schneller sind, kann man nichts machen.“

Für Reinhardt war es die erste WM-Teilnahme. Sie hat noch drei weitere Jahre in diesem Altersbereich. Lea-Katlen Kühne aus Mainz fühlte etwas anders: Sie wurde 2011 in dieser Bootsklasse U23-Weltmeisterin. Reinhardt: „Ist doch klar, dass es ihr im ersten Moment näher geht als zum Beispiel mir.“ Binnen eines Jahres ist in dieser Bootsklasse die Qualität rasant angestiegen. Einige Nationen hatten im Olympia-Jahr keine komplette Mannschaft geschickt und eher auf den Vierer als auf den Achter gesetzt. Aus Kostengründen. Um mehr Mittel für die Eliteboote zu haben, die jetzt in London an den Start gehen. Kanada, Australien, Russland und Neuseeland ruderten in einer anderen Liga. Dahinter klaffte im Frauen-Vierer „ohne“ eine große Lücke. Eine Situation, die Lea-Katlen Kühne, Anna-Maria Götz, Charlotte Reinhardt und Cathrin Crämer aber schon vor dem Vorlauf bewusst war. Deshalb konnte sie damit im Laufe dieser WM auch so gut damit umgehen. „Unser Teamgeist war super, wir hatten ganz viel Spaß“, berichtet Charlotte Reinhardt.

Binnen fünf Jahren hat es die Schülerin, die im nächsten Jahr am St. Ursula Gymnasium ihr Abitur macht, von der Ruder-Anfängerin bis zur WM-Teilnahme gebracht. Zu Juniorzeiten waren ihre Chancen noch nicht so gut, zumal sie sich 2010/2011 ein Auslandsjahr in Neuseeland gönnte (dort hat sie als Zuschauerin auch die Ruder-WM miterleben dürfen) und es nach ihrer Rückkehr schwer hatte, den Anschluss zu finden. Viel hängt auch davon ab, welche mögliche Zweier-Partnerin sich gerade anbietet. In der U23-Klasse fand sie mit der Essenerin Cathrin Crämer eine erfahrene Mitstreiterin, die bereits 2009 bei der U23-WM in Tschechien dabei war. Ein Zweier, der nicht sofort lief. Geduld war gefragt. „Wir haben ein halbes Jahr gebraucht, um den Zweier ans Laufen zu bringen.“ Der vierte Platz auf der Langstrecke in Leipzig wirkte befreiend. „Ab da lief es und wir haben im Trainingslager noch große Sprünge gemacht“, so Reinhardt.

Dennoch war lange unklar, wie es um die WM-Chancen von Reinhardt/Crämer stand. Einige U23-Ruderinnen bewarben sich um einen Rollsitz im A-Frauenachter. Hätte sich das Flaggschiff nicht für Olympia qualifiziert, hätten sich die Nachwuchsboote noch einmal komplett neu mischen können. Als der Achter dann in Luzern das Ticket für London löste, war die Freude auch bei Reinhardt groß. Denn so war der Weg für sie frei nach Trakai. In Ratzeburg auf der Internationalen Regatta legte sich der Deutsche Ruderverband fest, nominierte die Riemenruderin aus der Lippestadt für den Vierer „ohne“. Rund vier Wochen lang - unterbrochen von den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Essen - trainierte das Quartett in Mainz. „Eine gute Zeit für mich“, sagt sie, „ich durfte viel für mich mitnehmen.“

Richtung Mainz wird sie sich aber künftig nicht orientieren. Im Stützpunkt in Dortmund, wo der Frauenachter seit Jahren gebildet wird, sieht sie da schon eher ihre Zukunft. „Wenn du weiterkommen willst, dann solltest du da vor Ort sein. Möglich, dass ich auch dorthin ziehen werde.“ Die WM in Trakai hat ihren Ehrgeiz weiter angespornt.

 
 

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