Charlotte Reinhardt ist in der Weltspitze angekommen

Dorsten..  Nach der Bronzefahrt im Achter stellt Charlotte Reinhardt schon wieder die Weichen für die Zukunft. Gestern zog sie mit ihrer Zweier-Partnerin Alex Höffgen in eine Ruder-WG, um noch näher am Stützpunkt in Dortmund zu sein. Dieser Tage beginnt sie auch ihr Praktikum im Dorstener Elisabeth-Krankenhaus, weil die U23-WM-Dritte vom Ruderverein Dorsten im Herbst mit dem Medizinstudium anfangen will. Jetzt sei die richtige Zeit dafür, schließlich wolle sie in spätestens sechs Wochen wieder mit Höffgen im Boot sitzen. Und dafür den Kopf frei haben.

Denn Charlotte Reinhardt hat in Sachen Rudersport noch einiges vor. Diese Bronzemedaille bei der U23-Weltmeisterschaft in Ottensheim in einem qualitativ ganz starken Feld gibt der jungen Dorstenerin Auftrieb. „Vor der Saison habe ich zwar gehofft, eine Medaille zu holen. Aber wirklich rechnen darf man damit nicht. Die anderen Nationen haben doch uns gegenüber physische Vorteile“, sagt die 19-Jährige. Denn dieser dritte Platz fühle sich einfach nach mehr an und mache auch Lust auf mehr. Was haben sie gefeiert im Boot, nach einem taktisch klugen Rennen. Abklatschen. Alle, die man im Boot greifen kann. Vor Freude die Arme ins Wasser drücken. Dann noch einmal in die Höhe. Den deutschen Fans auf der Tribüne zuwinken.

Beim Anlegen kribbelt es gewaltig. Lisa Schmidla aus Krefeld, die soeben die vierte Goldmedaille für die mit elf Medaillen erfolgreichste Nation geholt hatte, wird geehrt. Die Nationalhymne ertönt. Dann endlich dürfen die acht Ruderinnen und ihre Steuerfrau Inga Thöne außerhalb des Bootes ihrer Freude freien Lauf lassen. Lass dich drücken. Einmal, zweimal, dreimal. Axel Müller, der für den Weltruderverband den Steg koordiniert, drückt auf die Tube, weil der Zeitplan für Rennen und Siegerehrung eng ist. Rauf geht’s den Laufsteg Richtung Tribüne, dann weiter an den Fans vorbei zum Zielturm, wo die Volunteers des Weltruderverbandes schon mit Block und Stift warten: Interviews stehen an. Dann aufstellen für die Siegerehrung. Wieder geht’s entlang der klatschenden Zuschauer, dann hinunter auf den Steg.

Momente, die am liebsten gar nicht enden sollen. Momente, die für Charlotte Reinhardt nicht selbstverständlich sind. „Wir sind nun mal nicht die schnellsten am Start“, meint Reinhardt. „Einfach cool bleiben, mitfahren und auf den Moment warten, wenn die anderen ihre Körner verschossen haben.“ So lief der Vorlauf. Der Hoffnungslauf. Und auch das Finale. Nach 1000 Metern sei ihr klar geworden, dass die Bronzemedaille zum Greifen nah ist. „Wir haben uns nach hinten immer weiter abgesetzt, deshalb hatten wir keine Angst mehr. Am Ende ging es noch darum, vielleicht noch einmal Silber anzugreifen. Es hat zwar nicht geklappt, aber wir haben uns natürlich riesig gefreut über Bronze.“ Beifall für den Sieger aus den USA, der zurzeit das Maß aller Dinge ist. Beifall auch für Großbritannien, die sich von den Angriffen der Deutschen nicht aus der Ruhe bringen ließen. Und Beifall auch für die Mannschaft von Trainer Werner Nowak, die im Frauen-Riemenbereich etwas für Aufbruchstimmung sorgen könnte.

Marcus Schwarzrock, der Cheftrainer des Deutschen Ruderverbandes, sah nach dem letzten Olympiazyklus hier im Frauen-Riemenbereich die größte Baustelle im Verband. Umso mehr freute es ihn nun, dass neben dem Achter auch noch der Zweier „ohne“ eine Silbermedaille einfuhr. „Dieser Bereich gehört aus unserer Sicht zu den positiven Überraschungen dieser WM“, sagt der Cheftrainer, spricht von einem guten Neuanfang. Im Frauen-A-Bereich könne man jetzt starke, junge Frauen gut gebrauchen, um mittelfristig wieder mehr aufzubauen. Auch Charlotte Reinhardt und Alex Höffgen gehören zu den Talenten im Verband, die Schwarzrock im Blick hat. Nicht auszuschließen, dass sie schon vor Ablauf ihrer U23-Zeit im A-Bereich gebraucht werden. Die nächsten Tests im Frühjahr 2014 werden es zeigen. „Für mich wäre es eine Ehre, wenn ich oben dabei sein würde“, meinte Reinhardt, „aber viel lieber würde ich noch meine zwei Jahre in der U23-Klasse bleiben.“

Für Charlotte Reinhardt, die in der Juniorinnen-Klasse den Sprung in die Nationalmannschaft nicht geschafft hatte, im ersten U23-Jahr schließlich dabei war und 2012 in Trakai (Litauen) beim Debüt Siebte im Vierer „ohne“ wurde, war der dritte Platz von Ottensheim der bislang größte Erfolg in ihrer noch jungen Karriere. Die Fans aus Dorsten waren natürlich hautnah dabei. Die Eltern. Bruder Christopher, der als Junior erfolgreich unterwegs ist. Ihr Onkel. Ihre Heimtrainer Sebastian Schmelzer und Uli Wyrwoll, die Freitags in Linz eintrafen. „Wir sind so stolz als Verein. Einfach super“, freut sich Uli Wyrwoll. Die Sportler selbst haben nicht viel Zeit für Familie und Verein. Schnell geht’s ins Hotel, dort hatte der Verband alle Teilnehmer zum Empfang mit lckerem Essen geladen. Später aber ist das offizielle WM-Programm vorbei. Die Ersatzleute hatten in einem Club in der City eine Party organisiert. Endlich feiern. Nach den vielen Entbehrungen und mit der Bronzemedaille macht es doppelt Spaß.

 
 

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