Motivator von Beruf

. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Der neue Trainer Lars Leese erweist sich als Glücksfall für die SSVg Velbert

Velbert.. Lange überlegen musste Lars Leese nicht, bis er der der SSVg Velbert zugesagt hat. Ein anderthalbstündiges Gespräch im Büro des Vorsitzenden Oliver Kuhn, eine Nacht Schlaf, dann gab Leese am 26. Oktober das Ja-Wort. Eine Entscheidung, die der 42-Jährige zwei Monate später noch keinen Tag bereut hat.

Im Gegenteil. Leese holte 13 von 18 möglichen Punkten, führte den NRW-Ligisten zur Winterpause auf Rang vier. Und es darf davon ausgegangen werden, dass der Drittplazierte, die Reserve des DSC Arminia Bielefeld, nicht aufsteigen darf. Das hieße: Stand heute wäre der Aufstieg in die Regionalliga auf direktem Wege geschafft.

Durch seine offene, seine herzliche Art hat der Trainer rund um die Sonnenblume in Rekordzeit Pluspunkte gesammelt. Er gilt als Motivator und hat diese Tugend sogar zu seinem Beruf gemacht. Leese ist selbstständig, unter anderem schult er Mitarbeiter großer Firmen, schult er Firmenchefs genau in dieser Angelegenheit.

Der Fußballlehrer kennt die große Fußballwelt. Sogar die ganz große. Er stand beim 1.FC Köln und Bayer Leverkusen unter Vertrag. Er spielte beim in der englischen Premier-League wo er Außenseiter FC Barnsley zum Auswärtssieg beim FC Liverpool führte. 1997 war das.

Wirklich bekannt wurde Leese allerdings erst 2002, als er gemeinsam mit dem Sportjournalisten Ronald Reng ein Buch schrieb. „Der Traumhüter: die unglaubliche Geschichte eines Torhüters.“ Darin wird Leeses wechselhafte Karriere erzählt. Der Bestseller bietet hochinteressante Einblicke in das Alltagsgeschäft Profifußball.

Wir können jedes Spiel in der Liga gewinnen

Dass dieser „Traumhüter“ jetzt bei einem Fünftligisten an der Seitenlinie steht, sieht er sogar als Herausforderung. Leese wusste sofort: „Ich übernehme eine Mannschaft, die die Fähigkeit hat, jedes Spiel in der Liga gewinnen zu können.“ Die SSVg war schließlich nicht die große Unbekannte. „Ich glaube, dass ich mit Bergisch-Gladbach in der Sonnenblume noch kein Spiel gewonnen habe“, sagt Leese. Das Umfeld hingegen kannte er nicht. „Ich komme vom Mittelrhein. Mit Kuhn und Konsorten hatte ich bis zum Anruf aus Velbert nichts zu tun.“

Seinem Vorgänger Frank Schulz bescheinigt Leese sehr gute Arbeit, doch eine negative Körpersprache sei ihm gleich bei der ersten Trainingseinheit aufgefallen. Es wurde gemeckert, die Köpfe hingen tief. „Man darf dem Gegner niemals Schwächen signalisieren“, sagt er. Viele Einzelgespräche habe er geführt, sich von jedem Spieler ein Bild gemacht. „Und dann habe ich aus vielen Puzzleteilen das Puzzle zusammengebaut.“

Mit der Spielfreude, mit der Motivation, mit der Stimmung in seiner Mannschaft ist er nach zwei Monaten schon sehr zufrieden.

Doch die Defensive bleibt auch unter Leese das Sorgenkind. „Wir haben unter meiner Regie definitiv zu viele Gegentore bekommen.“ In der Vorbereitung auf die Rückrunde soll daher vor allem an diesem Manko gearbeitet werden, auch Verstärkungen schließt er Trainer nicht aus.

„Wir haben eine historische Chance in diesem Jahr“, stellt Leese fest. „Wann kommt es schon mal vor, dass drei Mannschaften direkt aufsteigen, die Plätze vier bis sieben eine Relegation spielen?“ Der Trainer wird deutlich: „Ich will hoch, meine Spieler wollen hoch. Auch für diesen Verein.“

Sechs Jahre stand er zuvor bei Bergisch Gladbach 09 unter Vertrag, im Sommer verabschiedete sich Leese mit einem guten Gefühl. Er bildete sich weiter, hospitierte unter anderem beim FC Valencia. Gleich im neuen Jahr fliegt Leese in die Türkei. Er hat einen Termin bei Fenerbahce Istanbul, will sich am 4. Januar auch ein Ligaspiel angucken. Dann geht es weiter Richtung Antalya. Hier bereitet sich unter anderem Borussia Mönchengladbach mit einem Trainingslager auf die Rückserie vor. Leese will neue Eindrücke gewinnen. Stillstand ist Rückschritt. Auch in der fünften Liga. Auch in Velbert.

 
 

EURE FAVORITEN