Mit 48 Jahren ins Spitzentennis

Anja Pier freut  sich nach Ihrem Sieg mit dem Schwedischen M-55-Meister Goran Sundh.
Anja Pier freut sich nach Ihrem Sieg mit dem Schwedischen M-55-Meister Goran Sundh.
Anja Pier gewinnt bei ihrem ersten ITF-2-Turnier die Nebenrunde

Münster/Langenberg..  45 Jahre alt war Anja Pier gerade geworden, da bekam sie eine Schnupper-Tennis-Stunde geschenkt. Die sportliche Mutter von zwei Kindern zögerte nicht lang, schnappte sich einen Schläger und rannte zu den Anweisungen von Coach Detlef Urban über den Court. „Ich hatte sehr viel Spaß dabei und der Trainer wollte mich danach nicht mehr gehen lassen“, berichtet Anja Pier. Dass sie nur drei Jahre später schon an einem ITF-Turnier der zweithöchsten Kategorie ihrer Altersklasse teilnehmen würde, hatte sich Pier damals allerdings nicht vorgestellt. Erst recht nicht, dass sie bei diesem Wettkampf der Spitzenklasse in der Consolidation – einer Trostrunde – gar den ersten Platz belegen würde. So ist es nun kürzlich bei den Münster Open geschehen.

Spieler aus der ganzen Welt waren angereist, um beim ITF-2-Turnier um den Sieg zu kämpfen. Für die Spielerin des TC Deilbach ging es hingegen in erster Linie darum, zum ersten Mal die Luft eines internationalen Turniers zu atmen – und zu Beginn sah es auch danach aus, als wäre für die 48-jährige Langenbergerin nicht mehr möglich. In der Einzel-Konkurrenz traf sie auf die Nummer zwölf der deutschen Rangliste und musste nachher nüchtern einräumen: „Soweit bin ich einfach noch nicht.“ Beim 1:6 und 1:6 war für sie nichts zu holen.

In der darauffolgenden Nebenrunde sah es für die ITF-Novizin jedoch ungleich besser aus. Fünf Spielerinnen hatten in ihrer Altersklasse für die Consolidation gemeldet. Da ihre Gegnerin wegen einer Verletzung kurzfristig absagen musste, rückte Pier prompt ins Finale vor. Dort traf sie auf die Regionalliga-Spielerin Sabine Borch – zum Vergleich: Anja Pier spielt beim TC Deilbach in der Bezirksliga. Trotz des großen Ligen-Unterschieds entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe und ein echter Krimi. Nachdem die Niederbergerin den ersten Satz mit 5:7 verloren hatte, holte sie sich Durchgang zwei ebenfalls mit 7:5 – der Champions Tie-Break musste die Entscheidung bringen. Den Mangel an Erfahrung machte Anja Pier hier mit Einsatzwillen wett, besiegte Sabine Borch mit 10:6 und holte sich ihren ersten Titel. Damit gelang der ihr der Sprung von DTB-Ranglistenplatz 237 auf 170.

Das Highlight des Tages wartete auf Pier allerdings in der Doppel-Konkurrenz. Hier traf sie mit ihrer Partnerin Birgit Gehde aus Wuppertal auf das russische Team um die Weltranglisten-Vierte Natalya Harina-Beckmann. „Wir hatten natürlich keine Chance, aber das war ein unfassbares Erlebnis gegen solche Leute zu spielen. Wir haben sogar etliche Ballwechsel offen gestaltet und haben viel Lob von unseren Gegnerinnen bekommen.“, berichtet Anja Pier. „Das ich so etwas erleben kann, habe ich vor allem meinem Trainer Detlef Urban zu verdanken. Ohne ihn wäre ich niemals soweit gekommen.“

 

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