„Täglicher Sport steigert enorm die Lebensqualität“

Als gestern Mittag die Dunlop-Senior-Tour auf der Tennisanlage in Bad Laasphe begann, sah der Favorit in der Altersklasse 75+ nur zu. Der Berliner Carsten Keller (75/Bild), der 1972 die deutsche Olympia- Siegermannschaft im Hockey aufs Feld führte, konnte seinen Kopf wegen Nackenproblemen kaum bewegen und ließ den Schläger in der Tasche. Am Rand war er ein begehrter Gesprächspartner – auch für diese Zeitung.

1 Herr Keller, Tennisturniere für Senioren gibt es viele. Was führt Sie nach Bad Laasphe?

Ich kenne die Sabine Gerke-Hochdörffer gut und wollte hier noch Punkte für die deutsche Rangliste holen, in der ich im Moment auf Platz 7 stehe. Aber heute hätte ich gegen niemanden eine Chance.

2 Das klingt, als wären Sie immer noch sehr ehrgeizig.

Ich lebe an einem See mit Laufbahn, trainiere noch jeden Tag und lebe mit meiner Frau vegan. Das alles steigert unsere Lebensqualität enorm. Wenn ich ein paar Tage nichts mache, ist das schon schlecht für mich.

3 Als Kind waren Sie einige Male Balljunge bei Gottfried von Cramm, nach dem hier in der Nähe ein Verein benannt ist. Was können Sie den Erndtebrückern über Ihren Namenspatron erzählen?

Da war ich erst acht und weiß noch, dass er in diesen langen weißen Hosen als Gentlemen aufgetreten ist. Und es waren immer unheimlich viele Zuschauer da. Tennis im Fernsehen gab es ja nicht. Mehr weiß ich nicht mehr, denn ich habe mich darauf konzentriert, ein guter Balljunge zu sein. Das war auch ein gutes Schnelligkeitstraining.

4 Bekannt sind Sie geworden, weil Sie im Hockey Olympia-Gold gewonnen haben. Genau wie Ihre Kinder Andreas, Florian und Natascha. Was war auf olympischer Ebene das Größte für Sie?

Das war, als Natascha in London die Fahne tragen durfte. Sie hätte übrigens auch als Tennisspielerin richtig Geld verdienen können, wollte aber lieber mit ihren Freundinnen beim Hockey bleiben.

5 Bahnen sich in der Keller-Family weitere Medaillen an?

Ich habe sieben Enkel, zwei spielen in der Bundesliga. Ob es für die Nationalmannschaft reicht, müssen wir abwarten. Meine dreijährige Enkelin fängt jetzt gerade an.

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