Mit breiter Brust in die Höhle des Löwen

Auch Hagens Trainer Lars Hepp erwartet ein Spiel auf Augenhöhe.
Auch Hagens Trainer Lars Hepp erwartet ein Spiel auf Augenhöhe.
Foto: Biene Hagel
Es ist alles bereit für das „Spiel des Jahres: Um 20 Uhr wird am Freitagabend in der Enervie-Arena in Hagen das Spitzenspiel der 3. Liga West zwischen dem VfL Eintracht Hagen und dem TuS Ferndorf angepfiffen. Erwartet wird von den beiden mit Abstand stärksten Mannschaften der Liga ein Spiel auf Augenhöhe.

Kreuztal/Hagen..  Nein, ein aufgeregtes Hemd ist Erik Wudtke nicht. „Ich bin nicht nervöser als sonst. Mit Nervosität habe ich es nicht so. Ich gehe die Sache relativ gelassen an“, sagt der Kölner in seinem gewohnt ruhigen Ton. Es ist ein Stück weit rheinische Gelassenheit, die ein Markenzeichen des erfahrenen Trainers des TuS Ferndorf ist und die er auch schon auf seine Mannschaft übertragen hat, im positiven Sinne versteht sich.

Eine Portion dieser inneren Ruhe wird auch heute ein guter Ratgeber sein, wenn um 20 Uhr in der Enervie-Arena am Hagener Ischeland das Gipfeltreffen der 3. Liga West angepfiffen wird. Eintracht Hagen gegen TuS Ferndorf – diese Paarung elektrisiert die Massen, rechnet Jörg Brodowski, Leiter der Handball-Management GmbH, mit einer „vollen Hütte“. Mehr als 1500 Zuschauer, darunter mehrere hundert Anhänger des TuS Ferndorf, werden sich diesen Knüller nicht entgehen lassen – eine Kulisse, die es in Hagen seit den Zweitliga-Zeiten nicht mehr gegeben hat.

Der Rahmen wird also eines Spitzenspiels würdig sein, und auch auf dem Feld sind Bestleistungen zu erwarten, denn es treffen die mit Abstand stärksten Teams der 3. Liga West aufeinander, die zusammen 29 Siege in Folge gefeiert haben. Und wer jubelt heute Abend? Wudtke glaubt: „Die Tagesform wird entscheiden, weil beide Mannschaften in etwa gleich stark sind und eine ähnliche Handball-Philosophie verfolgen.“ Hagen setzt wie Ferndorf auf eine starke Abwehr, hat aber auch im Angriff jede Menge Qualität zu bieten, zum Beispiel Drittliga-Torschützenkönig Jens-Peter Reinarz, den pfeilschnellen Flügelspieler Marius Kraus oder Neuzugang Sebastian Schneider, der das Vakuum im linken Rückraum füllte. „Hagen hat eine schlaue Transferpolitik betrieben und seine Schwachstellen ausgemerzt“, lobt Wudtke. Mit dem 45-jährigen Almantas Savonis holte Hagen aus Korschenbroich einen Haudegen, der 116 Länderspiele für Litauen bestritten hat.

Zehn Videos analysiert

Nun, solch internationale Erfahrung kann Ferndorf nicht bieten, will aber andere Stärken in die Waagschale werfen, um mit einem Remis oder gar einem Sieg im Aufstiegsrennen weiter am längeren Hebel zu sitzen. „Wir haben das beste Kreisläuferspiel und den stärksten Spielmacher der Liga “, sagt Wudtke selbstbewusst: „Das sind Argumente, die für uns sprechen.“ Nicht zu vergessen: Nach 19 Siegen in Folge und dem Kontern vieler personeller Rückschläge kommen selbstbewusste Ferndorfer mit breiter Brust in die „Höhle des Löwen“.

Und vielleicht spielt am Ende, wenn es hart auf hart kommt, auch die Tatsache eine Rolle, dass der Ferndorfer Trainer sich weit mehr als üblich auf den Gegner vorbereitet hat. Analysiert er sonst vier Videos vergangener Spiele der Ferndorfer Konkurrenten, so waren es diesmal zehn. Diese akribische Präparierung spricht dafür, dass es nun auch für Erik Wudtke eben doch ein ganz besonderer Abend sein wird: „Wir spielen an einem Freitag, vor vollem Haus, es ist ein Derby, es spielt der Erste gegen den Zweiten – das alles weckt bei uns eine große Vorfreude.“

Auf diese für sie einmalige Atmosphäre stimmen sich auch die Hagener ein und wollen die Emotionen auf den Rängen auf das Spielfeld übertragen. Trainer Lars Hepp erwartet viel Leidenschaft von beiden Seiten, argumentiert aber auch: „Die Mannschaft, die besser als Gruppe funktioniert, ist im Vorteil.“ Der ehemalige Bundesligaspieler lobt den Gegner: „Ferndorf hat sein sehr gutes Kollektiv.“ Er kennt die vielen Stärken und wenigen Schwächen des Gegners aus dem Siegerland nicht zuletzt durch ein intensives Videostudium.

Gut besetzte Kader

Auf Eintracht-Seite dürften vom aktuellen Kader alle Mann an Bord sein, weil Torwart Savonis seinen grippalen Infekt auskuriert und Mittelmann Johannes Sonnenberg seine Knieprellung überwunden hat. Nach langer Verletzungspause könnte sich bei Ferndorf ein Comeback von Niklas Weis andeuten.

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