„Man will einfach etwas zurückgeben“

Feudingen..  Seit vielen Jahren betreibt der SV Feudingen Jugendarbeit, entweder in Eigenregie oder in Jugendspielgemeinschaften. Mitverantwortlich dafür sind Dustin Völkel, seit drei Jahren Jugendleiter, und Jan Hofmann, der seit 2015 als Obmann tätig ist. In ihre Ämter musste sie niemand drängen. So erinnert sich Hofmann, dass ihm die Entscheidung damals nicht schwer fiel: „Das ist vielleicht auch eine menschliche Schwäche von mir - allein aus Verbundenheit gegenüber dem Verein kann ich bei solchen Dingen nicht ‚nein‘ sagen.“ Hofmann und Völkel waren und sind Spieler des SV. Ihre Väter kickten ebenfalls für den Club vom „Tannenwald“ und übten Ämter im Verein aus.

Jugend- und Vereinsarbeit früher und heute können beide daher bestens beurteilen. „Viele Leute sagen, dass junge Spieler auf den Trainer zugehen, sich anbieten und in den Vordergrund spielen müssten. Früher war das sicherlich gut und wichtig. Der Fußball aber hat sich geändert. Man darf nicht vergessen, dass es, auch durch den demographischen Wandel, heute schlichtweg weniger Spieler in den Abteilungen gibt. Das Konkurrenzdenken ist daher ein völlig anderes als früher“, sagt Hofmann.

Raus aus Wittgenstein

Hinzu kommen anderen Faktoren. Viele Jugendspieler verlassen Wittgenstein, um zu studieren oder reisen für ein Jahr durch Australien. Der Fußball hingegen besitzt viele traditionelle Werte, die bis heute auf Hierarchien beruhen. Völkel: „Wenn man sich früher als junger Spieler beim Training weigerte ein Tor zu tragen oder Pylonen zu schleppen, hatte es sich mit der Startelf ganz schnell erledigt.“ Ein geringeres Spielerkontingent bedeutet demnach auch mehr Narrenfreiheit. Gleichzeitig ist man auf jeden Spieler angewiesen. „Deshalb ist die Kommunikation vor allem auch abseits des Platzes das A und O“, weiß Völkel.

In den SV-Reihen kann das laut Völkel der Jugendgeschäftsführer Markus Althaus „bombastisch gut“. Er könne zwischen den Generationen vermitteln. Gleichzeitig hole sich Althaus auf dem Trainingsplatz auch mal einen jungen Spieler bei Seite und frage, wie die Mathearbeit gelaufen sei oder wie es der Oma geht. Völkel fügt hinzu: „Wir haben gute Jungs in unseren Reihen und dazu zählen auch welche, die vielleicht eher schüchtern und introvertiert sind. Das heißt aber nicht, dass sie auf dem Platz keine „Typen“ sind.“

Beide wissen und betonen, dass dieses Kommunikation mit der jungen Generation ein Drahtseilakt beinhaltet. Da gibt es zum Beispiel A-Jugendliche, die mit ein bisschen mehr Disziplin viel mehr erreichen könnten. „Sagst du denen das aber in einem Tonfall wie aus Udo Latteks Zeiten, kann es ganz schnell in eine Richtung gehen, die im schlimmsten Fall mit einem Wechsel zu einem anderen Verein endet. Das ist wirklich schwer“, schildert Hofmann.

In Gesprächen um mögliche Spielerwechsel geht es Hofmann darum zu überzeugen und nicht zu überreden. Bei aller Personalknappheit steht die Einstellung zum SV an erster Stelle. „Wenn von uns ein Talent nach Erndtebrück wechselt, nehmen wir das als rein sportliche Entscheidung hin. Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. Legitim ist aber auch, jenen Spieler nach einem Jahr wieder anzusprechen, wenn dieser von zwanzig Spielen achtzehn Mal die Ersatzbank drückte. Schließlich haben wir ihn ausgebildet. Da fragen wir natürlich nach ob es das ist, was er sich für die Zukunft vorstellt“, stellt Hofmann klar.

Bei Wechseln innerhalb der gleichen Spielklasse verhält sich das etwas anders, doch ist die Nähe zum Verein auch da entscheidend. Laut Hofmann könne es kein nachhaltiges Ziel sein Spieler aus anderen Vereinen Wittgensteins zu holen, von denen man wüsste, dass sie zwölf Monate später wieder zu ihrem Heimatverein zurückkehren würden. Deshalb sei die eigene Jugendarbeit so wichtig.

Auf die Frage, ob Jugendarbeit zum Vereinsleben gehöre, atmen beide tief durch. Völkel: „Spontan hätte ich sofort ‚ja‘ gesagt, da wir es ja nicht anders kennen. In kleineren Ortschaften aber ist das bestimmt nicht in dem Rahmen möglich, wie wir das betreiben. Ich aber sehe Jugendarbeit immer als eine zentrale Aufgabe von Vereinen, so schwierig es sich manchmal auch verhält.“

Beide betonen indes, dass es schließlich nicht nur darum ginge, ob ein Spieler im Hier und Jetzt in der ersten oder zweiten Mannschaft spiele. Die aktive Zeit sei irgendwann eben auch vorbei. Doch Spieler mit einem langen Vereinsleben - dazu gehört die Zeit in Jugendmannschaften ganz besonders – könnten sonntags vielleicht „einmal die Theke besetzen, den Kunstrasen pflegen oder sich als Kassenwart oder Vorsitzenden zur Wahl stellen“.

Blick in die Zukunft

Die Zukunft sehen beide realistisch. Selbstverständlich sei es allein aus Prestige-Gründen mit dem Siegerland irgendwann wieder ein Ziel in die A-Kreisliga aufzusteigen. Damit steckt der SV und auch andere Wittgensteiner Mannschaften in einer Bredouille. Derbys zwischen Feudingen, Lassphe und Banfe zum Beispiel sind schließlich etwas anderes als Auswärtsfahrten nach Eiserfeld. Das fängt bei den Zuschauerzahlen an und endet im Wurst- und Getränkeverkauf. Hofmann und Völkel sind sich diesbezüglich einig: „Den Verein zu erhalten steht immer an erster Stelle. Die befremdliche Meinung, in Wittgenstein betreibe man Jugendarbeit nur noch mit halber Kraft, u.a. da man sich mit der B-Kreisliga zufrieden gebe, ist schlichtweg falsch.“ Den SV verließen vor dieser Saison Spieler und Trainer u.a. in Richtung Berleburg und Laasphe. Trotzdem spielen in beiden Senioren-Teams ausnahmslos Spieler aus den eigenen Reihen. Dazu gehören übrigens auch sechs hochgezogene A-Jugendliche.

 
 

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