Lutz Lindemann verlässt die Sportfreunde Ohne Unterstützung fehlt die Perspektive

Siegen..  Lutz Lindemann wird seine Tätigkeit bei den Sportfreunden Siegen zum 30. Juni beenden. Diese Entscheidung teilte der Sportliche Leiter dem Vorstand am Dienstagabend mit.

Ulrich Steiner, Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH: „Wir bedauern diese Entscheidung sehr, die für uns nach Abschluss einer erfolgreichen Saison und gleichzeitig positiver Weichenstellung für die neue Spielzeit überraschend kommt.“

Die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre seien, so Steiner weiter, mit dem Namen Lutz Lindemann untrennbar verbunden. Der in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt beheimatete frühere DDR-Nationalspieler habe gemeinsam mit Trainer Michael Boris auch für die kommende Saison die personellen Planungen abgeschlossen und ein gut bestelltes Feld hinterlassen.

Nicht leicht gefallen

Im Jahr 2009 war der heute 63-Jährige nach Siegen gekommen. Als Sportlicher Leiter schrieb sich Lindemann die Rückkehr des Vereins in die Regionalliga auf die Fahnen. Das gelang 2012. Die gerade abgeschlossene Regionalliga-Spielzeit beendeten die Sportfreunde als bester Aufsteiger auf Rang fünf.

Lindemann zu den Beweggründen seiner Demission: „Die Entscheidung ist mir gerade nach den beiden letzten erfolgreichen Jahren alles andere als leicht gefallen.“

Als Hauptgrund für seinen Abgang nennt Lindemann die aus der Siegerländer Wirtschaft vernachlässigte Unterstützung.

Gerade für die neue Saison hatten sich die Siegener neuen Schwung erhofft. Doch schon im Februar, als man den Termin für die Drittliga-Lizenzierung verstreichen ließ, war absehbar, dass ein Umdenken eintreten musste.

Der Etat wurde um 400.000 Euro zusammengestrichen, beträgt für die kommende Viertliga-Spielzeit nur noch 1,3 Millionen. „Damit“, so Lindemann, „kann an einen Aufstieg in die 3. Liga nicht ernsthaft gedacht werden.“

Er habe unzählige Gespräche geführt und sei oft mit einem Schulterklopfen und anerkennenden Worten für die geleistete Arbeit bedacht worden. „Aber getan hat sich wenig.“

Umso dankbarer zeigte sich Lindemann für die Treue alter und einiger neu hinzu gekommener Unterstützer. Seinen Dank richtete er auch an den Ehrenpräsidenten Manfred Utsch.

Erster Dämpfer

Gerade durch seinen Entschluss, sich aus Siegen zurückzuziehen, werde vielleicht der eine oder andere angehalten, über die Situation des Vereins und seine Bedeutung für die Region nachzudenken. Lindemann: „Sportfreunde Siegen ist eine Marke und hätte es verdient, durch die Unterstützung aller zu einem Leuchtturm zu werden.“

Erste Dämpfer in der Siegener Aufstiegs-Euphorie hatte es bereits vor der Winterpause gegeben. Der Wechsel von Torjäger Sven Michel zu Borussia Mönchengladbach konnte nicht verhindert werden. Der 22-Jährige wurde am Niederrhein mit einem gut dotierten Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet, spielte aber lediglich im Regionalliga-Team. 14 Tore hatte er in der Vorrunde für die Sportfreunde erzielt, sechs kamem für die Borussia auf neuem Terrain hinzu. Damit war er bester Regionalliga-Torschütze. Eine Lücke, die nicht geschlossen werden konnte.

Ausbildungs-Mannschaft

Der Aderlass setzt sich fort. Auch der rechte Flügel wurde den Siegenern gestutzt. Julian Jakobs wird zum Drittligisten Hansa Rostock wechseln. Innenverteidiger Christoph Klippel verlässt den Verein mit unbekanntem Ziel. Torhüter Raphael Koczor, im Winter zum besten Keeper der Liga gewählt, schließt sich Liga-Konkurrent Viktoria Köln an. Die Namen stehen stellvertretend auch für die anderen „Wechsel-Akteure, um nur die absoluten Leistungsträger dieser Saison zu nennen. Insgesamt wurden vor dem letzten Heimspiel gegen RW Oberhausen gleich elf Akteure verabschiedet.

„Wir sind eine Ausbildungs-Mannschaft“, hatten Trainer Boris und Lutz Lindemann immer wieder betont und damit zu verstehen gegeben, dass die Sportfreunde Siegen unter diesen Bedingungen ein „Verschiebe-Bahnhof“ bleiben werden.

Der Vorstand wird in den kommenden Tagen in Ruhe über einen möglichen Nachfolger für den scheidenden Sportlichen Leiter oder eine entsprechende Regelung beraten. Eile scheint in dieser Hinsicht nicht geboten, denn die sportlichen Personalien sind geregelt.

Zukunfts-Pläne

Lutz Lindemann selbst wird sich aller Voraussicht nach auch mit 63 Lenzen nicht aufs Altenteil zurückziehen. Wie zu erfahren war, haben bereits im Vorfeld dieser am Mittwoch-Vormittag bekannt gegebenen Entscheidung Gespräche mit einem möglichen neuen Arbeitgeber stattgefunden. Näheres ist dazu noch nicht bekannt.

 
 

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