„Landesliga wäre auf Dauer nicht zu halten“

Christian Zerbe, Sportfreunde Birkelbach, wirft im Kreispokal-Halbfinale einen Ball.
Christian Zerbe, Sportfreunde Birkelbach, wirft im Kreispokal-Halbfinale einen Ball.
Foto: WP
Der Torwart der Sportfreunde Birkelbach im Interview zum Kreispokalfinale, zur ungewohnten Rolle der Nummer zwei und den Perspektiven seines Vereins.

Birkelbach.. Es wäre eine runde Sache gewesen. Christian Zerbe, als Fußball-Torwart eine Institution bei den Sportfreunden Birkelbach, ist zwar „nur noch“ die Nummer zwei beim Bezirksligisten, hätte aber als bisheriger Pokal-Torwart beim heutigen Kreispokal-Finale gegen den künftigen Regionalligisten TuS Erndtebrück zwischen den Pfosten stehen können.

Doch daraus wird nichts: Weil Zerbe am Montag krankheitsbedingt flach lag, wird Janek Bäcker das Tor hüten und vor dem Anpfiff seinem Stiefbruder Timo Bäcker, der im Tor gegenüber steht, die Hand schütteln – und Zerbe sich auf der Bank bereit halten. Er stand übrigens auf dem Platz, als die Sportfreunde 2005 den Pokal gegen den großen Nachbarn holten. Wir sprachen gestern mit Christian Zerbe.


Hallo Herr Zerbe, sind Sie wieder fit für heute Abend?
Christian Zerbe: Ich gehe morgen wieder zur Arbeit und setze mich dann auch auf die Bank. Bei so einem Spiel will man natürlich dabei sein.


Sie standen beim Pokalsieg im Finale von 2005 gegen Erndtebrück im Tor. Ihr größter Erfolg?
Das kann man so sagen. Der Aufstieg in die Bezirksliga war damals auch ein riesen Ding – aber der Pokalsieg war schon eine Riesensache. Erndtebrück hat uns damals etwas unterschätzt. Auch, als wir in der Verlängerung zurücklagen, die halbe Mannschaft mit Krämpfen auf dem Platz lag und wir schon abgeschrieben waren. Irgendwie haben wir es dann geschafft, das noch zu drehen.

Sie müssen es ja wissen: Wie ist Erndtebrück zu schlagen?
Im Grunde weiß jeder, wie es geht. Wir müssen devensiv gut stehen. Die werden versuchen, zu Beginn ein Feuerwerk abzubrennen, darauf müssen wir uns einstellen.

Ihr Trainer Björn Breuer schätzt die Siegwahrscheinlichkeit auf ein Prozent. Sie auch?
Ich sehe es ähnlich. Eine knappe Niederlage wäre schon eine Überraschung. Es ist auch anders als vor zehn Jahren. Da haben wir auf Asche zu Hause gespielt. Der Heimvorteil fällt diesmal aber weg und Erndtebrück ist kein durchschnittlicher Verbandsligist mehr, sondern das Nonplusultra der Oberliga. Ich hoffe, dass wir so lange wie möglich mithalten, denn das eine Prozent Chance ist da. Ich würde es sogar auf zwei Prozent hochschrauben...

Vor zwei Jahren wäre Birkelbach beinahe in die Kreisliga abgestiegen, seitdem geht es steil bergauf. Was ist richtig gelaufen?
Da gibt es eigentlich zwei Faktoren. Zum einen haben wir mit Björn Breuer einen guten Trainer bekommen, der immer auf dem aktuellsten Stand ist und sich stets weiterbildet. Seine taktischen Vorgaben sind etwas ganz anderes als das, was wir bis dahin kannten. Das betrifft sowohl die Theorie an der Taktiktafel als auch die Praxis auf dem Platz. Er bereitet die Spiele auch sehr gut nach und vor, das hat uns weiter gebracht.

Und der zweite Faktor?
Ist der, dass die Mischung in unserer Mannschaft gut ist. Wir haben die erfahrenen Spieler, die seit Jahren dabei sind, aber überwiegend junge und sehr lernbereite Fußballer. Unsere Neuen waren gezielte Verstärkungen und haben sehr gut eingeschlagen. Ein großer Vorteil ist sicher auch, dass wir ein sehr ausgeglichenes Team haben. Es sticht keiner so richtig heraus, deshalb bekommen wir Ausfälle vergleichsweise gut kompensiert. Und es ist so, dass jeder dem anderen auch seine Einsatzzeiten gönnt. Ich unterstütze Janek [Bäcker, d. Red.], wann immeres möglich ist.

Als Sie Anfang September in den Urlaub gefahren sind, waren Sie die Nummer Eins, bei der Rückkehr hinter Janek Bäcker nur noch die Nummer Zwei. Wie war das für Sie?
Ich habe damit kein Problem. Im Gegenteil, Janek kommt aus der A-Jugend und braucht jetzt die Einsatzzeit. Das war bei mir damals auch wichtig. Ich wusste vor dem Urlaub, dass ich mich hinten anstellen musste, wenn ich wieder da bin, aber nach 16 Jahren im Seniorenfußball wollte ich auch mal die Wünsche der Familie vorne anstellen.

Sie haben jetzt bei den Alten Herren mitgespielt. Der Anfang vom Abschied oder greifen Sie den Stammplatz im Tor noch mal an? Der Trainer lobt Ihren Trainingseinsatz in höchsten Tönen.
Das mit den Alten Herren war eher zum Spaß und es waren nur vier Spiele. Ich will es noch nicht ausklingen lassen. Dass ich wieder die Nummer Eins werde, kann trotzdem nicht im Interesse des Vereins sein. Ich habe aber den Ehrgeiz, so fit zu sein, dass ich im Notfall die Leistung bringen kann, die man von mir gewohnt ist.


Zu Janek Bäcker: Kann er so ein guter Torwart werden wie Timo Bäcker beim TuS Erndtebrück?
Das müssen wir abwarten. Er hat das Potenzial, möglich ist es schon. Man muss ihn weiter fördern und ich hoffe, dass er dafür in Birkelbach bleibt. Timo ist der herausragende Mann im Kreis und hat den Vorteil, dass er auch fußballerisch überragend ist. Da hin zu kommen, ist schwer.

Unabhängig vom Ausgang im Finale und vom Endspiel um die Aufstiegsrelegation in Brilon am Sonntag war es eine sehr gute Saison für Birkelbach. Kann der Verein das Niveau halten?
Halten können wir das auf jeden Fall, zumindest in der Bezirksliga. Wenn wir aber sogar aufsteigen, wäre das ein einmaliger Erfolg und die Landesliga auf Dauer wohl nicht zu halten. Der Vorstand hat zwar grünes Licht gegeben, aber viele gestandene Landesliga-Leute könnten wir nicht dazu holen. Und die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es die Aufsteiger in der Landesliga dann sehr schwer haben. Wichtiger als es ein Aufstieg jetzt wäre, war übrigens, dass wir vor zwei Jahren den Abstieg in die Kreisliga verhindert haben. Den Status zu bewahren, war ganz wichtig.

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