Historischer Tag bei Sportfreunden: Manfred Utsch hört als Mäzen auf

Ehrenpräsident Manfred Utsch hört im Juli 2014 als Mäzen der Sportfreunde auf.
Ehrenpräsident Manfred Utsch hört im Juli 2014 als Mäzen der Sportfreunde auf.
Foto: WP

Siegen..  Schon die Einladung der Sportfreunde zu einer „außerordentlichen“ Pressekonferenz deutete die Tragweite der Zusammenkunft in der Utsch AG auf der Marienhütte an. Es sollte ein historischer Tag werden. Manfred Utsch erklärte, dass er sich zum 1. Juli 2014 als Mäzen des Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Siegen zurückziehen wird: „Ich halte diesen Schritt nach reiflicher Überlegung und Abstimmung mit meiner Familie für den richtigen.“

Die im April diesen Jahres für die laufende Spielzeit zugesagte finanzielle Unterstützung wird von Utsch eingehalten. Der Spielbetrieb der Sportfreunde ist bis zum 30. Juni des nächsten Jahres in keiner Weise tangiert.

Damit endet eine über 30-jährige Ära mit vielen Höhen und Tiefen. Als der Schilder-Fabrikant 1983 bei den Siegenern einstieg, war Helmut Kohl gerade ein Jahr Bundeskanzler und die Berliner Mauer sollte noch sechs Jahre stehen. Lang, lang ist das her.

Nun geht der 27. September 2013 in die 114-jährige Vereinsgeschichte als der Tag ein, an dem das Sportfreunde-Mitglied seinen Rückzug ankündigte, das mehr als jedes andere die Geschicke des Traditionsvereins geprägt hat. Manfred Utsch steht sowohl für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte (Aufstieg in die 2. Liga 2005) als auch für die schwärzeste Stunde (Insolvenz 2008).

77 Jahre alt

Manfred Utsch in seiner unnachahmlichen Art: „Ich bin jetzt 77 Jahre alt und will ohne Belastungen ins Stadion gehen. Ich habe es am Donnerstagabend der Mannschaft und dem Trainer gesagt. Die Spieler haben es sehr ruhig aufgenommen, sie waren schon ein bisschen betreten.“

Trainer Michael Boris befürchtet keine Auswirkungen für das Spiel am Samstag (14 Uhr) bei RW Oberhausen (Vorschau siehe 2. Sportseite): „Es war zwar überraschend, aber die Mannschaft war froh, dass sie es nicht aus den Medien erfahren hat.“ Und: „Herr Utsch, Sie dürfen auch weiterhin vor den Spielen in die Kabine kommen, ihre Ansprachen sind legendär.“

Marco Federhen, in Marketing-Angelegenheiten bei der Utsch AG beschäftigt, ergänzte: „Manfred Utsch hat mir gesagt, dass 30 Jahre genug seien. Er hat sich auch nicht über die Sportfreunde-Verantwortlichen geärgert. Er bleibt Ehrenpräsident auf Lebenszeit, darauf hat er eine Flatrate.“

Sportfreunde-Vorsitzender Uli Steiner bedankte sich bei Utsch für das 30-jährige Engagement: „Es ging Manfred Utsch nicht nur ums Finanzielle. Die Sportfreunde waren für ihn vom ersten Tag an eine Herzensangelegenheit. Das verdient großen Respekt und Anerkennung. Eine Laudatio von mir kommt zu einem späteren Zeitpunkt. Manfred Utsch ist eine lebende Legende der Sportfreunde.“

Steiner blickte schon in die Zukunft: „Der Vorstand hat jetzt genug Zeit bis zum Saisonende neue Sponsoren für die Spielzeit 2014/15 zu finden. Das ist eine riesige Herausforderung.“

Breite Unterstützung

Die Sportfreunde können sich bei der Suche nach Nachfolgern auf eine breite Unterstützung der Siegerländer verlassen. Die Firma infratest dimap führte im Frühjahr eine Unternehmens- und Bevölkerungs-Befragung durch, deren Ergebnisse gestern vorgestellt wurden. Die Unternehmen sehen die Sportfreunde als einen guten Imageträger fürs Siegerland. Der Aufstieg in die 3. Liga sollte angestrebt werden, dies solle durch Sponsorengelder erreicht werden. Das Engagement von Manfred Utsch wird mehrheitlich positiv gesehen.

Bei der Bevölkerungsbefragung kam heraus, dass die Fans die Sportfreunde auf dem richtigen Weg sehen. Allerdings gehen ältere Personen und Menschen mit höherem Einkommen seltener ins Leimbachstadion. Die Entscheidung im März auf den Lizenzantrag für die 3. Liga zu verzichten, wurde mehrheitlich unterstützt.

Repräsentative Studie

Bei einer repräsentativen Studie wurde die Frage gestellt „Was verbinden Sie mit der Stadt Siegen?“ Auf Platz eins landete die Universität und schon auf dem zweiten Rang kamen die Sportfreunde - weit vor Maler Peter Paul Rubens.

Diese Fakten von infratest dimap machen Hoffnung, dass es auch nach der 30-jährigen Ära von Manfred Utsch mit dem Traditionsverein weitergeht.

 
 

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