Glückwunsch, Manfred Utsch

Siegen..  „Wann sollen wir uns denn treffen?“ Die Antwort kam so schnell, wie die Fahrt in der schneeweißen S-Klasse: „So um Viertel nach...“ Manfred Utsch veranschlagte seinerzeit für die Fahrt nach Dortmund-Aplerbeck 45 Minuten. Pünktlich, fünf Minuten vor dem Anstoß des Sportfreunde-Spiels, waren alle Mann vor Ort.

Eine Anekdote von vielen, die über den früheren Präsidenten des Siegener Fußball-Aushängeschilds erzählt werden könnten. Und die beweisen: Auch auf der Autobahn war der Kaufmann stets Herr der Situation.

Heute wird Manfred Utsch 80 Jahre alt - und es ist fußballerisch ruhig geworden um den Eiserfelder Unternehmer. Mehr als 30 Jahre lang führte er die Geschicke der Sportfreunde, stopfte finanzielle Löcher, pulverte, wie viele Leute zurecht behaupten, Millionen in den Verein. Und das alles für einen Traum: Den weißen Fleck auf der Fußball-Landkarte mit Leben zu füllen.

Spätestens im Mai 2005 hatte er das geschafft: Am Darmstädter Böllenfalltor stiegen die Sportfreunde in die zweite Bundesliga auf. Auf den Schultern von Torhüter Adnan Masic tanzte der Präsident an diesem Tag den Aufstiegs-Walzer.

Dass dieser Traum nur ein Jahr währte, der schwerste Schritt in seiner Amtszeit noch bevorstand, konnte Manfred Utsch an diesem Tag nicht ahnen. 2008 folgte der Gang zum Amtsgericht, die Sportfreunde waren insolvent.

Manfred Utsch erinnert sich: „Damals saß Insolvenzverwalter Dr. Niering in meinem Büro und fragte mich, ob ich mein Engagement fortsetze, ansonsten müsse er den Verein liquidieren. Und ich machte weiter.“

„Seine“ Sportfreunde ließ Manfred Utsch also nicht untergehen, auch wenn es danach vier lange Jahre dauerte, ehe der Verein wenigstens wieder viertklassig wurde.

Die Jahre vor dem Zweitliga-Aufstieg waren nicht weniger bewegt als die danach. In den 80ern erlebte der Präsident eine Berg- und Talfahrt mit Trainer, die kamen und gingen. Und fast wäre der Verein in der Landesliga gelandet.

Ehe es 1994 gelang, mit Ingo Peter den Trainer zu verpflichten, der Manfred Utsch seinen Traum fast noch im alten Jahrtausend erfüllt hätte. Der frühere Profi von Borussia Dortmund war angetreten, den „schlafenden Riesen“ zu retten. Worte, die dem Präsidenten „runter gingen“, wie Öl. Die Zuschauerzahlen, die hier erreicht wurden, suchten ihresgleichen, der Erfolg im DFB-Pokal in der Saison 98/99, als erst im Viertelfinale der VfL Wolfsburg die Endstation bedeutete, sind unvergessene Erlebnisse gewesen.

Das Fußball-Fieber hatte Manfred Utsch schon lange vorher gepackt. Er hatte erkannt, dass sich in Siegen und im Umland etwas bewegen ließe und hatte dafür keine Investitionen gescheut.

Dass im Fußball eben nicht alles planbar ist, dass bei allem unternehmerischen Eifer viele Fehler gemacht wurden, keiner weiß das heute so gut wie Manfred Utsch.

Eines aber ist dem Eiserfelder gewiss: Wenn es ihn nicht gegeben hätte, der Dornröschen-Schlaf, in den der Sportfreunde-Fußball zu Beginn der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gefallen war, hätte nicht beendet werden können.

Manfred Utsch hatte sich mit gewichtigen Leuten umgeben, keine Mühen gescheut, Siegen auch für die Fußball-Prominenz hoffähig zu machen. Der Besuch von „Kaiser“ Franz Beckenbauer beim Jugendtag 1993 wertet der Jubilar als einen der größten Tage seines Wirkens. Aus Gesprächen mit SAP-Gründer Dietmar Hopp, dessen „Hoffenheim-Modell“ in der Erstklassigkeit ankam, hat Manfred Utsch gezehrt.

Er hat das Fest zum 100-jährigen Vereinsbestehen gestaltet, den damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun in der Siegerlandhalle begrüßt. Auf diversen Winterfesten trafen sich Siegener Fußball-Honoratioren.

Es war eine Menge los, als Manfred Utsch das Ruder übernommen hatte. Es ging nach stotterndem Start aufwärts. Er hat bewiesen, dass ohne größere Geld-Bewegungen im Fußball-Geschäft kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Mittlerweile ist das Geschichte, wert, einen Blick zurück zu werfen. Doch ein neuer Manfred Utsch ist nirgend zu erkennen. Grüßen wir den „alten“, den Echten: Alles Gute zum Geburtatag.

 
 

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