Drama, Drama - und ein Happyend

Dragos-Nicolae Oprea (TuS Ferndorf) bleibt zwischen Jonas Faulenbach (links) und Philipp Kessler hängen.
Dragos-Nicolae Oprea (TuS Ferndorf) bleibt zwischen Jonas Faulenbach (links) und Philipp Kessler hängen.
Foto: Reinhold Becher

Ferndorf.  Mit 26:25 (13:13) gewinnt der TuS Ferndorf den Abstiegs-Krimi gegen HG Saarlouis. 1095 Zuschauer im Hexenkessel Stählerwiese stehen minutenlang vor ihren Stühlen, klatschen, johlen. Ist das schon eine Vorentscheidung im Existenzkampf der zweiten Liga? Auf jeden Fall ist es ein wichtiger Schritt. Eine Partie, die von der Dramatik lebte, ein Handball-Leckerbissen war es nicht.

Die Bedeutung der Partie war allen Seiten bewusst, auch dem Publikum, das den Atem anhielt und beim Einlaufen der Ferndorfer Gladiatoren die rot-weißen Fahnen schwenkte. Die Nervosität, die die beiden in höchster Abstiegsnot steckenden Teams kennzeichnete, legte sich in den ersten 30 Minuten nicht. In der ersten Halbzeit konnten sich die Ferndorfer, die im Angriff viele Fehler produzierten, bei ihrem Keeper Kai Rottschäfer bedanken, der vier-, fünfmal Freistellungen der Saarländer entschärfte und dafür sorgte, dass der TuS zunächst durch Rückkehrer Florian Baumgärtner (6:4, 10. Minute) und später auch durch Lucas Schneider (9:7, 17.) mit zwei Treffern in Führung gehen konnte.

Viel Kampf und Krampf

Statt in zwei Situationen aus diesem 9:7 ein 10:7 zu machen, verballerten Kevin John von rechts und Dragos Oprea von links. Die Folge: In der 22. Minute sorgte Lars Weissgerber für den Ausgleich der Gäste, die durch den starken Ex-Ferndorfer Jonas Faulenbach sogar mit 13:12 in Führung gingen. Schon der vierte Treffer des Spielmachers im Trikot der HG Saarlouis, dem Oprea eine halbe Minute vor dem Pausenpfiff noch den Ausgleich folgen ließ. Eine erste Halbzeit, die vom Niveau her dem Tabellenstand nahe kam. Abstiegskampf pur, zudem viel Krampf.

Nach der Pause zunächst das selbe Spielchen: Der TuS legt ein Törchen vor, der Gast gleicht aus. Als beim 15:14 die Chance besteht auch mal zwei Treffer vorzulegen, versiebt Alex Koke den Pass. Michael Lerscht flippt aus am Rand, schlägt mit der Faust donnernd auf den Pressetisch. Wieder eine Möglichkeit, sich etwas abzusetzen, vertan. Das gelingt Koke in der 38. Minute von der Strafwurf-Marke. 18:16 steht’s. 19:17, 20:18 –Koke und Baumgärtner treffen. Und als Lucas Puhl zwischen den Pfosten seinen ersten Ball nach der Einwechslung zu packen bekommt, stellt Florian Baumgärtner erstmals sogar auf drei Treffer Vorsprung (43.).

Aber Ruhe bekommen die Ferndorfer nicht in ihre Aktionen. Immer wieder schleichen sich technische Pannen ein, bleibt ein Ball im dichten 6:0-Abwehrblock hängen. Auf der anderen Seite läuft es für Saarlouis nicht besser. Ohne ihren Junioren-Auswahlspieler, der wegen einer Verletzung die Reise nicht angetreten hat, bleibt auch bei ihnen vieles Stückwerk. Beim 23:21 (48.) versemmelt Baumgärtner beim Versuch, mit seinem neunten Treffer erneut eine Drei-Tore-Führung herzustellen. Noch zehn Minuten zu gehen auf dem Stählerwiese-Parkett, von einer Vorentscheidung ist der TuS weit entfernt. Als Saarlouis nach einem TuS-Ballverlust Tempo macht, foult Baumgärtner Gäste-Spieler Peter Walz. Zwei Minuten für den „Langen“ Siebenmeter. Den donnert Weissgerber an den Pfosten. Glück gehabt, doch der Ausgleich ist kurz darauf doch fällig, als Walz den erneuten Ballverlust ausnutzt.

Im Auf und Ab der Emotionen bleibt hier kein Auge trocken. Koke trifft wieder von der Marke, der TuS ist wieder vorne. Als Miroslav Volentics in der 54. Minute von Rechtsaußen trifft, nachdem die Chance eigentlich schon vorbei war, im Gegenzug Faulenbach bei angezeigtem Zeitspiel überhastet die Chance vergibt, haut erneut Baumgärtner das Ding ins Netz. Dreieinhalb Minuten vor Schluss heißt es 26:24, die Halle kocht. Wieder Ballbesitz TuS. Auszeit Lerscht – noch 2:15 Minuten zeigt die Uhr. 90 Sekunden vor Schluss stellt sich Koke an die Marke – und vergibt. Weissgerber schafft den Anschluss, die letzte Minute läuft. Zeitspiel ist angezeigt – aber die Uhr tickt runter. Aus! Zentnerlasten fallen von den TuS-Schultern.

 
 

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