Diesmal soll für Sabrina Mockenhaupt alles gut werden

Sabrina Mockenhaupt, hier beim Boston-Marathon in diesem Frühjahr.
Sabrina Mockenhaupt, hier beim Boston-Marathon in diesem Frühjahr.
Foto: dpa dpa
Bislang war die Langstreckenläuferin aus Wilnsdorf bei ihren Amerika-Ausflügen nicht vom Glück verfolgt. Im Vorjahr fiel der Marathon in New York Wirbelsturm Sandy zum Opfer, in diesem Frühjahr startete sie beim Lauf in Boston, der von den Bomben-Anschlägen überschattet wurde.

New York/Wilnsdorf.  Die Tasche ist gepackt. Es sind nur noch ein paar Stunden bis der Flieger abhebt. „Ich habe Respekt“, sagt Sabrina Mockenhaupt, Deutschlands beste Langstreckenläuferin. Sie meint die Strecke des New-York-Marathon, diese etwas mehr als 42 Kilometer durch die Stadt, die niemals schläft. Ein welliges Profil, drei oder vier Brücken, sagt sie, lägen am Sonntag vor ihr. Sie ärgert sich, dass sie es nicht genau weiß: „Ich habe das Video von der Strecke jetzt schon zehn Mal gesehen.“

Respekt vor der Reise hat sie nicht. Zumindest sagt sie das nicht so explizit. Dabei verwandelten sich ihre ersten beiden Versuche, an einem Marathon in Amerika teilzunehmen, in bizarre und tragische Ereignisse. „Bisher“, sagt sie, „waren meine Reisen nach Amerika nicht vom Glück verfolgt.“ Beim dritten Mal nun soll alles besser werden.

Die Premiere muss ausfallen

Vor einem Jahr sollte die Premiere beim New York Marathon ihr erster Marathon außerhalb Deutschlands sein. Doch Hurrikan „Sandy“ wütete einige Tage vor der Veranstaltung mit 150 Stundenkilometern durch die Metropole, überschwemmte Straßen, kappte Stromleitungen und tötete auf seinem fatalen Weg viele, viele Menschen. Die Organisatoren aber sendeten noch in der Woche vor dem Start das Signal: Der Lauf findet statt. Auf politischen Druck hin wurde er dennoch abgesagt. Zwei Tage vor dem Start, nachdem alle Läufer angereist waren. Auch Sabrina Mockenhaupt. Sie kritisierte den Zeitpunkt der Absage. Doch ihre Worte wurden missverstanden, einige Stunden lang geisterte eine Sympathieträgerin der deutschen Leichtathletik als herzlose Läufer-Egoistin durch die deutschen Medien. „Ich bin hierher gekommen, um zum ersten Mal am New York Marathon teilzunehmen und gerate in eine politische Debatte“, sagte sie damals ungläubig.

Es sind keine schönen Erinnerungen an Amerika.

Schock im Hotelzimmer

Ein halbes Jahr später reiste die 32-Jährige zum Marathon nach Boston. Ein ebenso traditionsreiches Rennen, zu dem sich die weltweite Lauf-Familie Jahr für Jahr trifft. Sabrina Mockenhaupt war schnell unterwegs an diesem Tag. Als sie sich schon auf ihrem Hotelzimmer befand, explodierten die beiden Bomben im Zielbereich, die drei Menschen das Leben kostete und 264 Personen zum Teil schwer verletzt zurückließ. Die Druckwelle zerriss Fenster in der unmittelbaren Umgebung. Sabrina Mockenhaupts Hotel lag 200 Meter von der Stelle der Detonation entfernt. Sie sieht aus ihrer Herberge, wie die Verletzten weggetragen werden – und kann es doch nicht fassen. Sie ist schockiert.

Es sind keine schönen Erinnerungen an Amerika.

Dabei müsste das gut passen, die Mocki und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Findet die Mocki, die in ihrem Siegerländer Dialekt so wunderbar wortreich gute Laune verbreiten kann. „Amerika ist in allem extrem, ich bin auch irgendwie extrem.“ Aber bislang ist es eher eine unheilvolle Verbindung. „Manchmal kommen die Gedanken natürlich hoch, aber diese negativen Dinge versuche ich beiseite zu schieben.“ Sie denkt positiv, freut sich auf ihren ersten New-York-Marathon. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt sie.

 
 

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