Die schnellste Frau ist eine Zwölfjährige

Florian Runte

Hesselbach.  Das Ski-Inline-Team des SV Oberes Banfetal ist mit vielen Sportlern besetzt, die auf nationaler Ebene große Erfolge hatten: Maxi Löw und Marie-Theres Lehmann gehören dem Nationalkader an, Isabell Gütting wurde vor zwei Wochen Deutsche Meisterin im Riesenslalom der Schüler und Cathleen Heinrich holte im gleichen Wettkampf Bronze. Doch beim Heimrennen um den Reifen-Ritter-Cup, das gestern in Hesselbach stattfand, zeigte Jana Lauber die spektakulärste Leistung. Die Schwarzenauerin gehört noch der Altersklasse U12 an, war aber schnellste weibliche Läuferin – auch die besten Frauen und Jugendlichen hatten das Nachsehen.

„Das ist eigentlich unglaublich. So ein Fall ist mir bisher nicht bekannt“, staunte selbst André Lehmann, Trainer und Mitorganisator beim SV Oberes Banfetal. 80 Stangen galt es in zwei Läufen zu umkurven, dafür benötigte Jana Lauber in der Summe 58,24 Sekunden und war damit eine Hundertstelsekunde schneller als Nina Kappen (Jugend, SC Züschen). Pro Hindernis blieben also gerade einmal etwas mehr als 0,7 Sekunden, um den Schwung durchzuführen, die Stange aus dem Weg zu drücken – wobei die meisten Fahrer sie eher mit einem lauten Knall wegschlagen – und das nächste Tor ins Visier zu nehmen.

Auf die Technik kommt es an

Um dies schaffen zu können, muss die Technik sitzen. „Genau deswegen legen wir unser Hauptaugenmerk beim Training auf die Technik. Es soll ja dauerhaft etwas bringen“, erklärt Lehmann, der sich über viele weitere Klassensiege freute: Seine Tochter Anna-Sophie gewann in der U16 vor der Erndtebrückerin Elena Menke Isabell Gütting führte in der U14 ein SVO-Quartett vor Jolina Wolf, Cathleen Heinrich und Linn Heinelt an und in der U10 ging die Siegerurkunde an Miriam Lauber.

Beschleunigung zwischen den Toren

Drei Klassensiege gab es im männlichen Bereich. Louis Gütting war Schnellster der U12 und Moritz Lauber in der U10, doch Maxi Löw ragte noch etwas heraus. Der Hesselbacher U-16-Läufer absolvierte seine beiden Durchgänge in 54,22 Sekunden und war damit nicht nur in seiner Klasse, sondern auch absolut gesehen der schnellste Läufer des Tages – wie schon beim Auftakt des WSV-/HSV-Cup in Rückershausen vor einem Monat.

Er fuhr eine saubere Linie und schob zwischen den Toren meist noch einen Beschleunigungs-Schritt ein und distanzierte so den favorisierten Cronenberger Lars Henkel.

Die Grundlage für die Erfolge im Stangenwald legten Lauber, Löw und Co. übrigens beim Skitty-Cup, der für die Kinder im Anschluss an das Slalomrennen auf dem Parkplatz der Firma Weber in Hesselbach stattfand. Neben einigen flachen Slalom-Metern absolvierten die Talente dort unter anderem eine Art Hürdenlauf, ein „Bankspringen“ und passierten mehrere Rampen – so lernt man Geschicklichkeit. Als Motivation für die Zukunft gab es beim Skitty-Cup zudem für jedes Kind eine kleine Trophäe – unabhängig vom Ergebnis.

Insgesamt waren es 90 verschiedene Sportler, die in den beiden Wettkämpfen an den Start gingen. „So viele hatten wir noch nicht“, freute sich Lehmann über den sich fortsetzenden Zulauf zu der Sportart, die im Deutschen Skiverband nach wie vor um Anerkennung kämpfen muss.

Viehabtrieb wird verschoben

In Hesselbach selbst muss der Verein darum längst nicht mehr kämpfen. Der Reifen-Ritter-Cup ist quasi ein Selbstläufer und lief wie am Schnürchen. Die Anlieger haben sich an das Spektakel vor der Haustür gewöhnt, sind zumeist eingebunden und unterstützen die Veranstaltung. André Lehmann: „Die Bauern richten sogar den Viehabtrieb an unserem Rennen aus, um die Straße nicht zu verschmutzen.“