Das Ende einer Fußballer-Karriere: Sascha Bäcker sagt leise Servus

Sascha Bäcker an seinem Arbeitsplatz in einem Käner Autohaus. Mit dem Fußball ist jetzt Schluss
Sascha Bäcker an seinem Arbeitsplatz in einem Käner Autohaus. Mit dem Fußball ist jetzt Schluss
Foto: WP

Siegen..  „Sascha, komm her, ich melde dich zum nächsten Schiedsrichter-Lehrgang an. Als Spieler hat du doch keine Perspektive.“ Ob Karl-Hermann Nickel, zu jener Zeit Geschäftsführer der Siegener Sportfreunde, das ernst gemeint hat? Nun, für den jungen Sascha Bäcker, der gerade an der Schwelle stand, aus der Nachwuchs-Abteilung ins Seniorenlager zu wechseln, war dieser Spruch ein zusätzlicher Motivationsschub. Immerhin brachte es der kernige Verteidiger zum Profispieler, der für die Sportfreunde 16 Mal im Zweitliga-Team zum Einsatz kam.

Dinge, auf die Sascha Bäcker seit ein paar Tagen leise schmunzelnd , aber auch mit einer Menge Wehmut zurückblickt. Denn der jetzt bald 34-Jährige hat sich entschlossen, die Fußball-Schuhe an den berühmten Nagel zu hängen.

„Diese langwierige Verletzung, mit der ich mich jetzt schon ein ganzes Jahr herumplage, ist der Grund“, so der jetzt in Dahlbruch lebende Automobil-Kaufmann. Ein Fersensporn, der bei seinem Auftreten im ersten Westfalenliga-Jahr des 1. FC Kaan-Marienborn unter Trainer Didi Schacht mit Spritzen und Medikamenten behandelt wurde, war der Beginn dieser Odyssee für Bäcker. „Vielleicht hätte ich mich sofort zu einer Operation entschließen sollen.“

Gegen immer wieder auftretende Entzündungen, später war auch die Achillessehne in Mitleidenschaft gezogen, konnte dann auch die später durchgeführte OP nichts mehr ausrichten.

Die Folge: Sascha Bäcker konnte in der abgelaufenen Spielzeit für den 1. FC Kaan-Marienborn, dem er sich 2006, nach dem Siegener Zweitliga-Abstieg anschloss, kein einziges Spiel bestreiten. Seinen noch bis zum Ende der nächsten Spielzeit laufenden Kontrakt hat er inzwischen aufgelöst.

„Jetzt ist Schluss, endgültig. Alles ist mit dem FCK-Vorsitzenden Michael Schmitt und Trainer Peter Wongrowitz abgesprochen.“ Bäcker verschwigt nicht, dass er gerne noch zwei, drei Jähchen dem Ball nachgelaufen wäre.

Immer ist er dabei der Mann gewesen, der vom unbedingten Willen lebte. „Klar, ich hatte nicht das Talent, ich musste mir das alles erarbeiten.“

Hart erarbeiten. Aus der Sportfreunde-Jugend gekommen, wo vor allem Vater Bernd der Motor für den jungen Sascha war, nahm ihn Gerhard „Fanja“ Noll im Siegener Reserve-Team unter seine Fittiche. „Ihm habe ich viel zu verdanken“, spricht Bäcker die erfolgreiche Zeit der Siegener Zweiten an, mit der er aus der Landesliga in die damalige Verbandsliga und später sogar in die Oberliga aufstieg.

Das enge Zusammenwirken zwischen erster und zweite Welle ermöglichte kurz nach dem Jahrtausend-Wechsel dann Bäckers Übergang in den Regionalliga-Kader..

„Und plötzlich sagt der Ingo Peter gegen die TSG Hoffenheim zu mir, Sascha mach dich fertig, du kommst rein.“ Das war 2001 von fast 8000 Zuschauern im Leimbachstadion. „Da ging mir ganz schön die Düse“, so der damals ins kalte Wasser geworfene Sascha Bäcker.

Es sollten 66 weitere Einsätze in dieser dritthöchsten Liga folgen und als Krönung an diesem denkwürdigen 4. Juni des Jahres 2005 am Darmstädter Böllenfalltor der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

„Damals mit dem Autokorso zum Unteren Schloß vor Tausenden von Leuten - das war echt beeindruckend“, erinnert sich Bäcker mit leuchtenden Augen an den Sonntag danach.

Vergangenheit, wie der Fußball an sich - zumindest für das Siegener Ur-Gestein, dem man eine solche Karriere eigentlich gar nicht zugetraut hatte. In Richtung Karl-Hermann Nickel könnte angeführt werden: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

 
 

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