Was für eine Karriere!

Paul Lange war 1960 Olympiasieger in Rom - der bislang einzige aus Oberhausen. Foto: Tom Thöne
Paul Lange war 1960 Olympiasieger in Rom - der bislang einzige aus Oberhausen. Foto: Tom Thöne
Foto: WAZ

Paul Lange zieht um. Er will nicht mit der Zeitung sprechen, keine Zeit, viel zu tun. Reden war auch nie groß sein Ding, er ließ lieber Taten sprechen. Im Kanu.

Über dem Umzugsstress hat der ehemalige Spitzensportler völlig vergessen, dass sich der größte Erfolg eines Oberhausener Sportlers morgen zum 50. Mal jährt: Olympisches Gold. Vor genau 50 Jahren, am 29. August 1960 holte der TC-Kanute als bislang einziger Bürger dieser Stadt Gold. Bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 in der Kajak-Staffel über 4 x 500 Meter.

Man könnte auf Grund dieses Erfolgs meinen, dass der nunmehr 79-Jährige schon von Kindesbeinen an trainiert haben muss. Fehlanzeige.

Im Alter von 23 Jahren kam der ausgebildtete Maurer zufällig durch seine Schwester ins TC-Bootshaus. Eigentlich ging er dorthin, um Spaß zu haben und vor allem, um seiner großen Leidenschaft nachzugehen – Gitarre spielen. Ganz nebenbei kam er dann auf den Geschmack des Kajak-Fahrens. Auf vielen Wanderfahrten mit dem TC Sterkrade 69 lernte er das Boot zu beherrschen. Und wie.

Titel auf Titel

Plötzlich jagte ein Titel den nächsten. Lange startete 1957 bei der EM und gewann in der 4 x 500 Meter-Staffel im Einer-Kajak Silber. 1958 holte er die deutsche Meisterschaft im Einerkajak über 500 Meter, dann Gold bei der Weltmeisterschaft mit der Staffel und Silber im Zweierkajak. 1959 durften sich der Athlet und seine Staffel-Kollegen Europameister nennen. Im Jahr 1960 gewann Lange nochmals die DM im Einer über 500 Meter, bevor er mit Friedhelm Wentzke, Dieter Krause und Günther Perleberg in Rom antrat. Das Staffelrennen wurde auf dem Albaner See ausgetragen.

Das Gold in der Kajak-Staffel sicherte sich damit übrigens letztmals eine gesamtdeutsche Mannschaft mit zwei Ost- und zwei West-Athleten. Nach Rom traten BRD und DDR bei Olympia getrennt an.

Ein Jahr später gewann er zusätzlich mit der Staffel die Europameisterschaft, bevor er 1963 einen Schlussstrich zog.

Was für ein Geheimnis steckt hinter dieser großen Sportkarriere? „Ich habe mir immer Vorbilder genommen. Anfangs war das einer vom OKV, im nächsten Jahr habe ich den geschafft, dann kam einer von Meiderich dran, da musste ich mich schon ein bisschen anstrengen. Dann bin ich auf die Spitze losgegangen“, erzählte Lange vor vier Jahren beim Empfang zu seinem 75. Geburtstag. So wurde der ehrgeizige Athlet selbst Weltspitze. Doch stolz ist der bescheidene Pensionär auf seine Leistungen nicht. „War ich noch nie“, sagt er.

Fit ist er immer noch. Und zwar fürs Tanzen „Man soll ja nicht glauben, wie viele ältere Leute noch tanzen gehen.“ Neben dem Tanzen kegelt Lange regelmäßig. Ganz ohne Sport geht es eben doch nicht.

 
 

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