Ehrenamt vor Mindestlohn

Das zum 1. Januar in Kraft getretene Mindestlohngesetz, mit dem sichergestellt werden soll, dass alle in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer mit einem Lohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde vergütet werden, ist natürlich auch für Sportvereine ein Thema, mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt. Trainer, Platzwarte, Spieler – wer muss jetzt für welche Zeit wie entlohnt werden? Ein Beschluss wurde vom Bundestag schon im Juli gefasst, der insbesondere das Ehrenamt ausgliedert.

Darin steht: „Die Koalitions-Fraktionen sind mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales darin einig, dass ehrenamtliche Übungsleiter und andere ehrenamtlich tätige Mitarbeiter in Sportvereinen nicht unter dieses Gesetz fallen. Von einer „ehrenamtlichen Tätigkeit“ im Sinne des Paragrafen 22, Absatz 3 MiLoG ,ist immer dann auszugehen, wenn sie nicht von der Erwartung einer adäquaten finanziellen Gegenleistung geprägt ist. Sondern von dem Willen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Liegt diese Voraussetzung vor, sind auch Aufwandsentschädigungen für mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten, unabhängig von ihrer Höhe, unschädlich. Auch Amateur- und Vertragssportler fallen nicht unter den Arbeitnehmer-Begriff, wenn ihre ehrenamtliche sportliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Vordergrund stehen.“

Das bedeutet, dass die Oberhausener Vereine im Amateurbereich vom Mindestlohn im Prinzip kein bisschen betroffen sind. Selbst das in die Mode gekommene Modell der Vertragsamateure ist in der Regel kein Problem. Ein Spieler, der monatlich 350 Euro erhält und mit einem Minijob angemeldet ist, ist zwar Arbeitnehmer des Vereins und fällt somit normalerweise unter die Regelung des Mindestlohngesetzes. Nun ist allerdings nicht alles „Arbeitszeit“, was mit Fußball zu tun hat, sondern nur die tatsächlich auch angeordneten, verpflichtenden Zeiten vor Ort, sprich Trainings-, Spiel- und im besten Fall noch Anfahrtszeit gelten. Oft ist der Spieler damit wahrscheinlich schon vorher im gleichen Rahmen wie jetzt von Gesetz wegen bezahlt worden.

Die goldene Lösung liegt für die meisten Vereine also im Begriff „Ehrenamt“. Die Formulierung, dass „ehrenamtliche sportliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Vordergrund stehen“ muss, lässt Raum für Interpretationen, führt in der Regel aber dazu, dass sich für die Vereine gar nichts ändert.

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