Drei Kreuze gemacht

Ralf Bögeholz
evo NBO steigert sich gegen Freiburg enorm, dreht eine verloren geglaubte Partie und hat die Klasse sicher

Eine gefühlte Ewigkeit dauerte die Umarmung zwischen Julia Gajewski und ihrem Co-Trainer Henry Canton beim Ertönen der Schlusssirene. Riesengroß war die Erleichterung der Trainer von evo NBO nach dem 66:61 (28:40) gegen den USC Eisvögel Freiburg. Nach einer kämpferischen Glanzleistung in der zweiten Halbzeit ist der Klassenerhalt in der Damen-Bundesliga damit perfekt.

Zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde können die Oberhausenerinnen nun sogar die Playoffs ins Visier nehmen und sich sorgenfrei auf die Pokal-Endrunde in drei Wochen vorbereiten. Zur obligatorischen Nachbesprechung gingen Gajewski und Canton mit einem eilig gebastelten Plakat in die Kabine. Auf dem waren lediglich drei große Kreuze aufgemalt. „Mehr brauchen wir nicht über unsere Gefühlslage zu sagen“, meinte das überglückliche Trainer-Duo. Anschließend wurde der Sieg über den Tabellenführer und der Klassenerhalt im „Falstaff“ ausgiebig gefeiert.

Zuvor hatte das Team den Zuschauern in der Willy-Jürissen-Halle wie so oft in dieser Saison eine mitreißende Partie geboten. Eindrucksvoll, mit welchem Selbstbewusstsein die Damen um Kapitänin Sarah Austmann bei ihren Heimspielen auftreten. Dabei lagen sie gegen den Liga-Primus von Beginn an zurück. Diese erlaubten sich den Luxus, mit Judie Lomax ihre beste Spielerin zunächst auf der Bank zu lassen, waren aber dennoch körperlich klar überlegen.

Die Oberhausenerinnen mussten erheblich mehr Aufwand als die Gäste betreiben, um zum ersten Viertelende noch den 17:17-Ausgleich zu schaffen. Zu Beginn des zweiten Viertels zunächst das gleiche Bild. Nach gleich mehreren zumindest fragwürdigen Entscheidungen der Unparteiischen zugunsten der Eisvögel schien die Partie dann aber zu kippen.

Bei den Gajewski-Schützlingen lief nun nichts mehr zusammen. In der Verteidigung konnte auch Birte Thimm als Beste die vielen Löcher nicht stopfen und im Angriff wurden gleich mehrfach Bälle ohne Not ins Aus geworfen. Auch mit zwei Auszeiten bekam Gajewski die Verunsicherung nicht aus den Köpfen. Bis auf 23:38 (18.) zog Freiburg davon und es drohte gar ein Debakel. „Ich war froh, als endlich Halbzeit war“, gab Gajewski zu, die ihrem Team in der Kabine noch einmal eindringlich klar machte, nur als Team erfolgreich sein zu können.

Debakel drohte

Das kam an, auch wenn die Aufholjagd noch auf sich warten ließ. Vier hart erkämpfte NBO-Punkte ließen die Gäste um die brillante Yvonne Turner scheinbar leicht und locker ihrerseits sechs Zähler zum 32:46 (24.) folgen. In einem Auswärtsspiel wäre das womöglich die Entscheidung gegen die New Baskets gewesen. In der Jürissen-Halle aber glaubt das Team auch bei einem solchen Rückstand noch an sich.

Angetrieben von der kämpferisch vorbildlichen Austmann sorgte Jania Sims für sehenswerte Angriffsaktionen, während Birte Thimm, Whitney Jones und Sharon Beld nun bei den Rebounds deutlich effektiver wurden. Dazu wechselte Gajewski gleich mehrfach die Verteidigung, wobei die Gäste vor allem mit der Zonendeckung überhaupt nicht zurecht kamen. Punkt um Punkt wurde so aufgeholt und wenige Sekunden nach Beginn des letzten Viertels sorgte Sims für die erste Führung (50:49).

Die wurde nun nicht mehr abgegeben, auch wenn es bis zum Ende knapp blieb. Aber die individuelle Klasse der nun meist auf sich allein gestellten Turner war letztlich chancenlos gegen die mannschaftliche Stärke von NBO, wo auch die in der ersten Hälfte blass gebliebenen Valerie Nainima und Sharon Beld auftrumpften.

„Damit hatte ich in der Halbzeit ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet. Eine starke Leistung, das hat Spaß gemacht“, freute sich auf der Tribüne auch Oberbürgermeister Klaus Wehling. „Wir haben als Team die Wende geschafft“, strahlte auch Jania Sims, die erst tags zuvor nach einem Trauerfall in der Familie aus Amerika zurückgekehrt war und praktisch ohne Training ihre beste Saisonleistung zeigte.