Vom Onkel aussortiert

Ewoud Gommans ist ein weiterer Neuzugang des Volleyball-Bundesligisten Moerser SC. Foto: J.S.
Ewoud Gommans ist ein weiterer Neuzugang des Volleyball-Bundesligisten Moerser SC. Foto: J.S.

Ein weiterer Neuzugang des Moerser SC, der in der Volleyball-Bundesliga um Punkte spielt und seine Heimspiele auch in der kommenden Saison in der Mülheimer RWE-Sporthalle austrägt, ist Ewoud Gommans. Der Niederländer stieß erst spät zum MSC-Kader, da er noch Verpflichtungen bei der Nationalmannschaft hatte.

Dort wurde er dann kurz vor der Nominierung des endgültigen EM-Kaders aussortiert – von seinem Onkel. Der ist niemand anderes als Nationaltrainer Edwin Benne, der in Deutschland ein alter Bekannter ist: Benne, der die Nachfolge von „Ex-Adler“ Peter Blangé übernommen hat, spielte und arbeitete auch schon in Deutschland - bei Mendig in der Bundesliga (als Aktiver) und bei Schwerin (als Trainer und Meistermacher).

Gommans hatte Verständnis für die Nicht-Nominierung: „Ich bin noch jung – meine Konkurrenten wie Snippe, Maan (Jelte Maan, der Bruder von Joram Maan), Trommel und Rauwerdink sind besser, haben vor allem mehr Erfahrung. Aber ich komme noch.“ An Selbstbewusstsein mangelt es dem erst 20 Jahre jungen Akteur sicher nicht. Er verzeichnet bereits 15 Nominierungen für die Nationalmannschaft, bei den Junioren waren es deutlich mehr.

Seine Stärken sieht der 2,02 Meter lange Spieler in der Annahme, im Bereich „Abwehr“ meint er noch zulegen zu müssen. Junge Spieler haben da in der Regel ihre Schwierigkeiten – es geht darum, die Aktion eines Angreifers früh zu „lesen“, um sich dann im Feld früh vorzubereiten. Gommans: „Diese Erfahrungswerte kann man schlecht trainieren, man muss viele typische Situationen erlebt haben.“

Gommans kommt aus einer dem Volleyballsport eng verbundenen Großfamilie. Nicht nur dass der Onkel ein großes Volleyball-Renommee hat – Vater (Regionalliga) und Mutter (Nationalspielerin) und Schwester Bianca teilen die Leidenschaft Volleyball. Schwester Bianca, 23, spielt in der holländischen Ehrendivision bei Sliedrecht.

Nun möchte der junge Gommans es im Ausland versuchen – in einem sehr frühen „Volleyball-Alter“. Immer mehr junge niederländische Volleyballer zieht es ins Ausland. Gommans: „In der Ehrendivision gibt es nur wenig Möglichkeiten, sich zu entfalten, die Liga ist auf acht Mannschaften geschrumpft, das Niveau ist gesunken. Bei den meisten Vereinen dominiert der Amateurbetrieb.“

Nach Moers ist er auch wegen der Nähe zur Grenze gekommen - und weil er von vielen Niederländern, die schon in Moers gespielt haben, Gutes gehört hat. Die Stadt Moers hat ihm gleich bei seinem ersten Besuch gefallen. Nach dem Probetraining war man sich sofort einig. MSC-Trainer Chang Cheng Liu: „Für seine Jugend hat er eine gute Qualität und ist sicher entwicklungsfähig – in der Annahme okay, im Angriff frech.“

Das liegt vielleicht auch daran, dass der junge Gommans ein echter Schlingel war. Bei einer Mutprobe auf einem holländischen Markt sollte er von einem Stand einen Apfel stehlen und wurde prompt dabei erwischt. „Die Polizei hatte mich direkt am Kragen“, schmunzelt er heute. Einmal ließ er sich dazu verführen, mit einer Steinschleuder auf fahrende Autos zu zielen. „Ich kann das heute nicht mehr glauben“, sagt Gommans und schaut offen aus seinen grün-blauen Augen, „das war so ungefähr das Peinlichste, was ich mir je geleistet habe.“

Der in Voorschoten bei Den Haag geborene Gommans hat sein Handwerk während seiner Zeit auf dem Johan-Cruyff-College in Amsterdam gelernt, wo er neben Studium (Abschluss Kaufmann) auf dem Stützpunkt der holländischen Jugend/Junioren-Nationalmannschaft trainierte. „Da habe ich viel gelernt,“ so Gommans, der als seinen wichtigsten Trainer Matthijs Huijbers nennt, einen Jugendtrainer aus Amstelveen, wo er in der Jugendmannschaft spielte. Gommans: „Das war ein Trainer und ein Freund – eine solche Mischung gibt es selten.“

 
 

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