Stars kehren auf die Schulbank zurück

Chris Alexander von den ETB Baskets aus Essen
Chris Alexander von den ETB Baskets aus Essen
Foto: WAZ FotoPool

„How are you?“ – „Wie geht‘s?“, fragt die Viertklässlerin Pia den hoch aufgeschossenen Mann, der sich zu ihr gesetzt hat. Seine Beine passen nicht unter den Tisch und auch der Stuhl entspricht nicht ganz seiner Größe, mehr gezwängt als gesetzt. Dennoch, der Mann lächelt und antwortet in gebrochenem Deutsch: „Alles gut.“ – „I’m good.“ Sein Lächeln ist ein gewinnendes, ein amerikanisches Lächeln. Der Mann ist Basketballprofi von den ETB Baskets aus Essen. Chris Alexander und seine Kollegen sind zu Besuch an der Gemeinschaftsgrundschule Heinrichstraße.

Drei Essener 2. Liga-Spieler und ebenso viele Damen von NB Oberhausen aus der 1. Liga nehmen sich einen Vormittag Zeit, um den Schülern der vierten Klassen zweierlei näherzubringen: Basketball und Englisch. Die Profis kommen aus Amerika, Holland und von den Fidschis. Alle haben Spaß an den Mülheimer Kids. „Ich liebe es, mit den Kindern zu sprechen“, sagt Valerie Nainima von den Fidschis, „manche sprechen schon besser Englisch als meine Teamkameraden.“

Englisch ab der ersten Klasse

Die Kinder haben fünf Fragebögen vorbereitet. Sie fragen nach Name, Alter, Größe oder seit wann Chris und Valerie Basketball spielen. Alles auf Englisch. Die Profis wechseln reihum die Tische, stehen Rede und Antwort und sind sichtlich beeindruckt vom Sprachniveau der Kleinen. Seit dem zweiten Halbjahr der ersten Klasse lernen sie die Fremdsprache und sind mächtig stolz ihre Kenntnisse anzuwenden. Pia und ihre Freundinnen Victoria, Emilia und Lena sind sich einig: „Macht Englisch Spaß?“, lautet die Frage – ein einstimmiges und lautes „Yes“ als positive Rückmeldung.

Der Vormittag ist zweigeteilt, nach der Fragestunde im Klassenraum geht es in die Sporthalle. Auf die Interviews folgt der Sport mit dem orangefarbenen Leder. Schulleiter Martin Zeller hat schon häufig Besuche dieser Art organisiert, ihm ist der Austausch mit Vereinen wichtig: „Solche Kooperationen sind super. Ich würde mir wünsche, dass wir mit noch mehr Sportarten und Clubs in Kontakt kommen“, so der Direktor, der selbst Basketball spielt und in Essen die Herren von Adler Frintrop trainiert. Dass beim Besuch jedoch nicht nur Basketball, sondern auch der aktive Umgang mit der englischen Sprache im Vordergrund steht, ist ein löblicher Ansatz. Die Kinder werden nicht nur zum Sport motiviert, auch merken sie, dass es sich lohnt, Vokabeln zu pauken.

Dribbeln wie die Profis

Programmpunkt zwei in der Halle macht aber mindestens so viel Spaß wie der Smalltalk mit den Stars. 70 Kinder springen ausgelassen durch die Sportstätte, Musik dröhnt aus einer großen Box. Der Geräuschpegel ist hoch, nicht zum letzten Mal an diesem Morgen. Zeller teilt die Halle in drei Teile. Die Schüler durchlaufen die Stationen. Korbleger rechts wie links, Pässe durch die Beine oder hinterm Rücken und Dribbeln – die Großen machen es vor, die Kleinen eifern ihnen nach.

Chris Alexander steht inmitten der Schüler: „Watch me, you do what I do“, ruft er ihnen zu. Die holländische Nationalspielerin Sharon Beld aus Oberhausen übersetzt: „Guckt zu Chris und macht ihm alles nach“, fordert sie freundlich auf. Während das Dribbeln mit der linken Hand geübt wird, läuft der Englischkursus nebenbei. Dann sind die Basketballer selber an der Reihe zu zeigen, was sie können. Zellers Sohn Torben hat einige Jugendspieler organisiert. Im Fünf-gegen-Fünf geben Profis und Nachwuchs-Könner einen Einblick in die hohe Basketballkunst. Drei-Punkte-Würfe von kurz hinter der Mittellinie und krachende Dunkings bringen die Halle zum Toben. Die Profis bieten eine super Show. Am Ende dürfen einige der Schüler noch mit aufs Feld. Ab jetzt zählt für Chris und Co. nur noch eins. Die Kleinen sollen punkten. Der zehnjährige Jason fällt besonders auf. „He got game“, befindet Valerie Nainima. „Der hat’s drauf.“

Jason findet Basketball und Fußball gleich gut, jetzt überlegt er aber in einen Basketballverein zu gehen. Das hautnahe Erlebnis mit den Spielern hat Eindruck hinterlassen. Und es gibt Hausaufgabenfrei. Der Schulleiter hatte am Ende die Belohnung ausgelobt, falls einer der Gäste von der Mittellinie trifft. Die Profis scheitern, aber Nachwuchsmann Manuel Moebes, früher selbst Schüler der Grundschule, springt für die großen Vorbilder ein. Sein Treffer lässt den Geräuschpegel in ungeahnte Höhen schnellen. Die Viertklässler stürzen sich auf ihn. Jetzt ist er der Star. Und die Profis sind kurz vergessen.

 
 

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