Sehr geheimnisvoll

Marcus Lemke
Europameister Vladimir Potkin (Russland) ist eines der Aushängeschilder im Bundesliga-Aufgebot des SV Mülheim-Nord. Foto: Glagla
Europameister Vladimir Potkin (Russland) ist eines der Aushängeschilder im Bundesliga-Aufgebot des SV Mülheim-Nord. Foto: Glagla
Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Ein Schach-Spektakel der besonderen Art erlebt Mülheim von Freitag bis Sonntag. Alle 16 Bundesligisten absolvieren in der RWE-Sporthalle drei Spieltage. Damit werden etwa 100 Großmeister an den Tischen sitzen. Aber wer genau für die Teams aufgestellt wird, ist in den meisten Fällen ein wohl behütetes Geheimnis.

Beispiel OSG Baden-Baden: Es ist einfacher, Bayern München in der Fußball-Bundesliga zu bezwingen, als dem deutschen Top-Team im Schach ein Bein zu stellen. Die Baden-Badener sind übermächtig. „Uns ist zu Ohren gekommen, dass Jan Gustafsson am achten, also am letzten Brett für Baden-Baden antreten wird. Er ist die Nummer zwei in Deutschland. Das beweist schon, wie stark diese Mannschaft ist“, sagt Heinz Schmitz. Der Vorsitzende des SV Nord wird in diesen Tagen auch oft gefragt worden sein, ob der Weltmeister höchstpersönlich für den deutschen Meister antreten wird. Aber auch um den Inder Viswanathan Anand wird ein Geheimnis gemacht. Schmitz erklärt: „Die Sache ist deshalb geheim, weil es dadurch für den Gegner schwieriger ist, sich auf die Partien einzustellen. So muss man sich zwangsläufig auf mehrere Spieler vorbereiten.“ Kommt er nun oder kommt er nicht – der „Tiger von Madras“? So wird der 41-jährige Anand auch genannt.

Ähnlich furchteinflößend sind aber auch für den einen oder anderen Bundesligaspieler weitere Stars, die an diesem Wochenende an einem der Tische sitzen könnten. Die Schach-Asse kennen sich untereinander und deshalb ist es kein Geheimnis, dass die Mülheimer auf ihren französischen Star Maxime Vachier-Lagrave verzichten müssen. Der Junioren-Weltmeister von 2009 nimmt an einem lukrativen Großmeisterturnier in den Niederlanden teil. Der Russe Alexander Motylev könnte die Gastgeber an diesem Wochenende anführen. Aber Schmitz, der sich ansonsten gerne offener gibt als viele seiner Kollegen in der Bundesliga, lässt sich da auch noch nicht in die Karten schauen. Der Vereinschef verweist darauf, dass Motylev irgendwo in Asien auf Turnierreise ist. Und ob Europameister Vladimir Potkin für die Mülheimer um Punkte kämpfen wird, ist ebenfalls noch fraglich.

Fest steht, dass die Baden-Badener auch ohne Anand eine ganze Armada an absoluten Weltklassespielern an die Bretter bringen wird. Neun aus dem 18-köpfigen Kader haben eine ELO-Zahl von über 2700. Das ist geballte Schachprominenz.

„Mannschaften wie Baden-Baden und Bremen sind für uns unerreichbar. Da können wir finanziell nicht mithalten“, sagt Heinz Schmitz. Spitzenspieler des SV Werder Bremen ist Vugar Gashimov aus Aserbaidschan. Die starke SG Solingen setzt auf den Österreicher Markus Ragger als Nummer eins, der Hamburger SK auf den Polen Radoslav Wojtaszek und der SC Eppingen auf den Inder Pentala Harikrishna. Zu den Top-Teams in der Liga zählt auch der SK Turm Emsdetten mit dem gerade erst einmal 17-jährigen niederländischen Großmeister Anish Giri an der Spitze. Auch der Mülheimer Gegner im „Derby“ am Freitag ab 16 Uhr, die Sportfreunde Katernberg, haben mit dem Russen Andrei Volokitin die Möglichkeit, einen echten Spitzenmann aufzubieten.

Über den einen oder anderen absoluten Top-Star der internationalen Schachszene würde sich das Publikum natürlich freuen. Großer Sport ist auf jeden Fall zu sehen.