Mülheims bester Schiedsrichter träumt vom Profibereich

Konsequent: Kevin Domnick zeigt im Oberligaspiel zwischen der U23 von Rot-Weiß Oberhausen und dem VfR Krefeld-Fischeln eine Gelbe Karte..
Konsequent: Kevin Domnick zeigt im Oberligaspiel zwischen der U23 von Rot-Weiß Oberhausen und dem VfR Krefeld-Fischeln eine Gelbe Karte..
Foto: WAZ
  • Früher hat er Referees für ihre Ruhe vor 80.000 Zuschauern bewundert
  • Mit 25 bereits Lehrwart des Kreises
  • Sprung von Ober- zu Regionalliga war extrem

Bald zwei Wochen lang ist die Fußball-Europameisterschaft Geschichte. Zum Fazit des Turniers gehört auch, dass es keine groben Fehlentscheidungen der Unparteiischen gegeben hat. Das findet auch Kevin Domnick gut. Der 25-Jährige vom SV Heißen ist Mülheims bester Schiedsrichter und pfeift seit der vergangenen Saison in der Regionalliga, der vierthöchsten Klasse.

„Mich hat es immer beeindruckt, wie die Schiedsrichter vor 80 000 Zuschauern ruhig bleiben und ihre Entscheidung durchbringen“, erzählt Domnick. Deswegen wollte er selbst früh Verantwortung übernehmen. Mit 13 pfiff er sein erstes Spiel. E-Jugend. Rot-Weiß Mülheim gegen Galatasaray Mülheim. „Ich habe damals sogar direkt einen Elfmeter gegeben“, erinnert sich der Unparteiische.

Danach ging’s relativ schnell. Mit 16 das erste Herrenspiel, mit 18 Landesliga, mit 19 Verbandsliga. Heute, mit 25, ist er bereits gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Philipp Langer Lehrwart des Kreises Mülheim/Duisburg/Dinslaken. Er leitet nicht nur die Aus- und Weiterbildungen der Jungschiedsrichter, sondern auch Themenabende zu bestimmten Schwerpunkten. Seit Neuestem gastieren die Referees des Kreises auch bei Vereinen und klären über Regelfragen auf. „Damit wollen wir auf die Leute zugehen“, sagt Domnick.

Denn das Verhalten, mit dem Spieler wie Zuschauer ihm und seinen Kollegen oftmals begegnen, findet der Mülheimer „grenzwertig“. Aus der Tatsache, dass in einem Landesliga-Relegationsspiel mal eine Glasflasche nach ihm geworfen wurde, macht er keinen großen Aufriss, sagt aber: „Ich finde es fragwürdig, dass die Leute für alles den Schiedsrichter verantwortlich machen.“ Wenn Domnick bei der Mülheimer Hallenstadtmeisterschaft pfeift, wird er oft schon beim Betreten der Halle angepöbelt. Was das betrifft, seien kleinere Zuschauermengen schlimmer. „Bei 5.000 Zuschauern ist es egal, aber in der Kreisliga kannst du den Leuten direkt ins Gesicht schauen“, sagt er.

Normale Grundanspannung

Die erste größere Kulisse hatte der Mülheimer in Uerdingen. „Da war ich schon etwas nervöser“, erzählt er. Ansonsten herrscht eher eine normale Grundanspannung vor den Spielen. So war es auch bei seinem ersten Regionalliga-Einsatz im August letzten Jahres. Beim Spiel zwischen dem SC Wiedenbrück und Viktoria Köln unterlief ihm gleich ein böser Fehler. „Ich habe den falschen Spieler mit Gelb-Rot vom Platz gestellt“, erzählt er offen. „Er hatte zwar schon Gelb, hat aber eigentlich nicht das Foul begangen. Ich bin dann nachher in die Kabine gegangen und habe mich entschuldigt. Das war schon kein leichter Gang“, sagt Domnick. Am Ende gab es für die ehrliche Geste Applaus.

Welche Spiele blieben in Erinnerung? Im Oberligaspiel KFC Uerdingen gegen Schwarz-Weiß Essen stellte er einmal vier Spieler vom Platz. Die Videoanalyse zeigte: alle Entscheidungen waren richtig! Außerdem pfiff er vor zwei Jahren das Halbfinale um die deutsche B-Jugendmeisterschaft zwischen Mainz 05 und RB Leipzig. In den Junioren-Bundesligen traf der Referee schon des Öfteren Spieler, die später in der Bundesliga auftauchten, wie zum Beispiel die beiden aktuellen Nationalspieler Leroy Sané und Jonathan Tah.

Um noch eine Liga aufsteigen zu können, brauche er neben guten Leistungen auch eine Menge Glück. Im letzten Jahr sind aus den fünf deutschen Regionalligen nur sechs Schiedsrichter in die 3. Liga befördert worden. „Und die Anforderungen werden natürlich auch immer größer. Der Sprung von der Oberliga zur Regionalliga war schon extrem“, erklärt der 25-Jährige. Im Training musste er ordentlich zulegen, macht mittlerweile selbst jeden Tag Sport. „Aber natürlich würde ich gerne noch in die dritte, zweite oder erste Liga kommen“, sagt Domnick. „Da sind wir auch nur Sportler und wollen aufsteigen.“

 
 

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