Jonathan Rommelmann träumt von Olympia

Marcel Dronia
Auf dem Lac d’Aiguebelette gab’s die Silbermedaille bei der Ruder-WM für Roman Acht, Daniel Lawitzke, Philipp Grebner und Jonathan Rommelmann (v. li.).
Auf dem Lac d’Aiguebelette gab’s die Silbermedaille bei der Ruder-WM für Roman Acht, Daniel Lawitzke, Philipp Grebner und Jonathan Rommelmann (v. li.).
Foto: WAZ
Der Mülheimer Jonathan Rommelmann kam einst vom Hockey zum Rudern. Im Sommer wurde er Vizeweltmeister und träumt nun von den Olympischen Spielen.

Mülheim.  Das Wort „Sommermärchen“ ist seit einigen Monaten beinahe schon negativ behaftet. Zu viele Enthüllungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaften hat es gegeben. Dem Mülheimer Jonathan Rommelmann kann es egal sein. Denn der 21-Jährige ist nicht nur in einer ganz anderen Sportart unterwegs, vielmehr war sein ganz persönliches Sommermärchen nicht gekauft, sondern hart erarbeitet.

Jonathan Rommelmann kommt aus einer Wassersportfamilie. Seine Oma und seine Mutter haben bereits beim WSV Mülheim gerudert. Doch wie sein Bruder begann Jonathan zunächst beim HTC Uhlenhorst Hockey zu spielen. „Ein Jahr lang habe ich dann beides parallel gemacht und bin schließlich beim Rudern geblieben, weil es mir einfach besser gefallen hat“, erzählt er. Offensichtlich keine ganz schlechte Entscheidung. Ab der B-Jugend ruderte Rommelmann für die Rennrudergemeinschaft Mülheim, in der die besten Ruderer des Wassersportvereins und der Mülheimer Rudergesellschaft zusammengefasst sind. Ab dem zweiten A-Jugendjahr wechselte er wegen der besseren Trainingsbedingungen zum Crefelder Ruderclub.

Dort nahm seine Karriere Fahrt auf. 2013 in Linz und 2014 im italienischen Varese nahm er an den U23-Weltmeisterschaften teil. In Linz holte er sogar die Bronzemedaille im Einer. Das Jahr 2015 allerdings konnte alles noch einmal toppen. Das Mindestziel war die erneute Teilnahme an der Junioren-WM, doch es kam noch besser.

Triumphzug in Bulgarien

Bei der deutschen Kleinbootmeisterschaft kam er erstmals ins A-Finale und gewann Bronze. Vierter wurde der Mainzer Philipp Grebner. Beide bildeten anschließend gemeinsam den Deutschen Leichtgewichtszweier. Dies ist die Königsdisziplin bei den leichten Skullern, denn es ist die einzige olympische Bootsklasse. Skullen bedeutet, dass der Sportler in jeder Hand jeweils ein Ruder hält, während die Riemenruderer mit beiden Händen nur ein Ruder halten.

Die Zusammenarbeit ließ sich mit Siegen in Essen und Ratzeburg gut an. „Wir mussten uns zwar erst aufeinander einspielen, waren aber nie auf einem schlechten Niveau“, sagt Rommelmann. Trainiert wurde gemeinsam in Krefeld, zeitweise kam Philipp Grebner bei Rommelmanns in Raadt unter.

Die U23-WM im bulgarischen Plovdiv wurde zum Triumphzug für Rommelmann und Grebner. Sämtliche Rennen wurden gewonnen. Weltmeister! „Wir wussten, dass wir schnell sind, aber mit so einer Leistung konnte man nicht rechnen“, sagt Rommelmann.

Schon in Bulgarien sickerte durch, dass das Duo zwei Plätze im Vierer bei der A-Weltmeisterschaft in Frankreich erhalten sollte. Also ging es von Bulgarien aus direkt ins Trainingslager. „Bei der A-WM ist alles noch einmal ein bisschen größer. Nervös waren wir trotzdem nicht, denn der U23-Titel hatte uns jeglichen Druck genommen. Wir mussten nicht mehr unbedingt was abliefern.“ Taten sie aber doch. Auf dem Lac d’Aiguebelette gab es am Ende die Silbermedaille. Im Finale fehlten Wimpernschläge auf die siegreichen Franzosen.

2016 gehört Jonathan Rommelmann zum erweiterten Olympiakader. Aus vier Leuten – sein bisheriger Partner Philipp Grebner gehört nicht mehr dazu – werden zwei Teams gebildet, die gegen einen dritten Zweier das Duo für Rio plus einen Ersatzfahrer ausfahren werden. „Die Chance ist auf jeden Fall da, ich werde alles dafür geben“, sagt Rommelmann, der sein Medizinstudium im fünften Semester zunächst hinten anstellt, um sich aufs Rudern zu konzentrieren. Bis zu zwölf Trainingseinheiten stehen in der Woche auf dem Programm. Der Traum von Olympia lebt!