In der Schule ein Clown

Bart Janssen ist einer der Neuzugänge im Volleyball-Bundesligateam des Moerser SC.
Bart Janssen ist einer der Neuzugänge im Volleyball-Bundesligateam des Moerser SC.
Foto: WAZ

Bis Ende Januar trägt der Moerser SC seine Volleyball-Bundesligaspiele in der Mülheimer RWE-Sporthalle aus. Das Publikum wird sich in der Saison 2012/13 auf neue Gesichter einstellen müssen. Einer der Neulinge im Aufgebot von MSC-Trainer Chang Cheng Liu ist Bart Janssen.

Bart Janssen (29), Neuzugang für die Zuspielerposition, wurde recht früh mit dem Volleyball-Virus infiziert: Der Vater spielte in der 1. Liga bei Lanaken (belgisch-niederländische Grenze bei Maastricht), die Mutter spielte ebenfalls ein Jahr, Bruder Tom (26) musste seine Spielerkarriere wegen einer Knieverletzung beenden und arbeitet im Jugendbereich als Trainer, Schwester Aukje (21) spielte fünf Jahre lang in der Ersten Liga und nun in der Zweiten Liga in Riemst.

Ausgebildeter Sportlehrer

Bart selbst hatte seinen ersten ernsthaften Kontakt mit dem Volleyball mit sieben Jahren. Bei der Frage nach dem wichtigsten Trainer nennt Bart zwei Namen: „Mein Vater hat mir die Grundlagen beigebracht, Trainer Robin Moens hat mich in Lanaken und Achel im Bereich Zuspiel spezialisiert.“ Im Laufe seiner langen Karriere machte er auch Station in Maaseik. Dort ist der jetzige Bundestrainer Vital Heynen immer noch eines seiner Vorbilder – und von dessen Vorgänger beim belgischen Spitzenclub, dem schwedischen Trainer Anders Christiansson, weiß Bart auch nur Gutes zu berichten.

Jetzt spielt Bart, der in der vergangenen Saison mit Achel die Vizemeisterschaft in der belgischen Zweiten Liga holte, beim Moerser SC und sprüht vor Ehrgeiz: „Ich will es hier wissen, will an meine Grenzen gehen. Eine faszinierende Chance, in der deutschen Bundesliga zu spielen und dann auch noch in einem renommierten Club. Ich merke, wie ich wachse und besser werde, das Training von unserem Coach Chang Cheng Liu verschafft mir sehr viele Ballkontakte, gute Korrekturen und ich spüre, wie gut mir das tut.“

Nur sein ungestillter Ehrgeiz versetzt Bart Janssen in die Lage, in Moers große Ziele zu verfolgen: Janssen ist ausgebildeter Sportlehrer für die Sekundarstufe und hat eine feste Anstellung in Maasmechelen und Lanaken. So pendelt er oft zwischen Meeswijk und Moers hin und her.

„Ja, es ist eine Belastung,“ meint Bart, „aber ich bekomme das hin. Der Abstand ist nicht so groß und ich kann an bestimmten Tagen auch in Moers übernachten.“

Seine Stärken sieht Janssen im taktischen Bereich: „Ich war Zuspieler, habe als Spielertrainer gearbeitet und im Spiel immer die Richtung angegeben. Ich denke, ich kann das auch in Moers. Ich bin selbstbewusst und habe Erfahrung – auch wenn ich nur 2. Liga gespielt habe. Manchmal fehlt mir die Konstanz, aber dafür ist dann unser Trainer Liu da.“

Eine Schwäche sieht Janssen im Blockspiel, schränkt aber ein: „Es kommt beim Block viel auf Selbstbeherrschung und Timing an. Wenn man zu emotional ist, verpasst man das Timing. Ich versuche immer, kühl zu analysieren. Das gelingt oft, aber eben nicht immer.“ Stark ist Janssen im Aufschlag. Er kann hart aufschlagen – aber auch sein Float ist nicht von schlechten Eltern. Wie auch: haben die ihn doch seit frühester Jugend trainiert und beobachtet. „Ich war immer on the go, konnte schlecht ruhig sitzen, habe viele Faxen und in der Schule auf den Tischen Handstand gemacht. Das war für meine Lehrer natürlich nicht immer so ganz angenehm, denn ich habe gerne den Clown gemacht“, meint Bart.

Freundin spielt Beachvolleyball

Das Schicksal wollte es so, dass Bart jetzt an seiner alten Sporthalle in Lanaken Sportunterricht erteilt. „Verrückt,“ meint Bart, „in meiner alten Sporthalle arbeite ich jetzt und bringe meinen Schülern das bei, was ich selbst auch gelernt habe. Lernen will und kann Bart Janssen immer noch.

Wenn er müde und abgespannt nach Hause kommt, dann ist da seine Freundin Liesbeth Mouha, belgische Nationalspielerin im Beachvolleyball, nur knapp an der Qualifikation für London gescheitert. „Liesbeth versteht mich,“ meint Bart, „sie hat Psychologie studiert, kennt sich mit Stress-Situationen aus. Bei ihr kann ich auch am besten entspannen.“

Jetzt freut sich der energiegeladene Belgier auf den Saisonstart. Seine Erwartung? „Ich kenn die Bundesliga nicht, aber ich weiß, wir werden alle kämpfen und das Beste herausholen. Wir dürfen nie nachlassen, auch nicht, wenn es mal nicht so läuft wie vor kurzem beim Testspiel gegen Antwerpen.“ Für Janssen ist jedes Spiel auch ein persönliches Duell: „Ich will mit meinem Aufschlag immer Unheil anrichten, ich suche mir immer jemanden aus dem gegnerischen Annahmeriegel aus.“

 
 

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