Fußballparty auf hohem Niveau

Attacke über die rechte Seite: Die PCF-Futsaler haben gegen Futsalicious Essen den Vorwärtsgang eingelegt. Foto: Wojtyczka
Attacke über die rechte Seite: Die PCF-Futsaler haben gegen Futsalicious Essen den Vorwärtsgang eingelegt. Foto: Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Es sieht auf den ersten Blick wie ganz normaler Hallenfußball aus – und ist doch so viel mehr. Nur langsam schwappt die Trendsportart Futsal auch nach Deutschland, was verwundert, denn normaler Hallenfußball ist im Vergleich dazu eine rohe Veranstaltung.

Hier in der Stadt ist der PCF Mülheim Pionier in Sachen Futsal. Das PCF steht für Primero Club de Futsal. Der Begriff Futsal leitet sich aus dem portugiesischen „Futebole de Salào“ ab, was zunächst einmal wirklich nur „Hallenfußball“ bedeutet. Tatsächlich jedoch weist diese Fußball-Variante einige Besonderheiten gegenüber dem hier zu Lande gespielten Hallenfußball auf. So ist der Ball sprungreduziert. Er tippt einfach nicht so stark wie ein normaler Fußball. Lässt man diesen aus zwei Metern Höhe auftippen, dauert es ziemlich lange, bis er reglos am Boden liegt. Ein Futsal-Ball macht vielleicht zwei oder drei Hopser und liegt dann still. Dieser Effekt führt dazu, dass sich das Spielgerät vom Futsal-Akteur auf dem harten Hallenboden deutlich besser kontrollieren lässt.

Vom DFB gefördert

Die Maße des Feldes gleichen dem beim Handball und es wird auch auf Handballtore gespielt. Die Außengrenze des Spielfeldes bilden Seiten- und Torauslinien – und nicht Banden, wie oft beim Hallenfußball und der Ball wird auch nicht eingeworfen oder gerollt, sondern geschossen.

Die FIFA und auch die UEFA führen Futsal als zweite Disziplin neben dem bekannten Fußball auf dem großem Feld und auch der DFB und der Fußball Verband Niederrhein (FVN) haben Futsal als anerkennenswerte Sportart entdeckt und fördern dessen weitere Ausbreitung.

Am vergangenen Sonntag empfing der PCF Mülheim die Mannschaft der Futsalicious aus Essen in der Halle an der Holzstraße und die Stimmung ist – wie auch der Ursprung dieses Sports – südländisch entspannt. Beide Teams spielen sich ein, der eine oder andere Akteur plauscht am Spielfeldrand noch ein wenig mit Freunden und Verwandten, die hier wohl die größte Gruppe der Zuschauer stellen und auch das ohrenbetäubende Dröhnen der Sirene, die zum Spielbeginn ruft, lässt hier bei keinem – weder den Spielern noch den beiden Unparteiischen – Hektik aufkommen. Als es dann schließlich los geht, wandelt sich die Entspannung in hochathletische Rasanz. Die kurzen Wege auf dem Handballfeld machen das Spiel schnell und die Schüsse wirken aus diesen geringen Entfernungen und in der Halle allesamt hart und besonders schnell – was sie wohl auch sind. Vor diesem Hintergrund ist es unglaublich, dass die Torhüter keine Handschuhe tragen, sondern ihre Finger im besten Fall mit Tape schützen.

Futsal ist für gewöhnlich eine torreiche Fußballvariante. Heute jedoch will sich der Torsegen nicht so recht einstellen. Beide Mannschaften gehen zwar äußerst engagiert zu Werke und erarbeiten sich die eine oder andere aussichtsreiche Torchance, scheitern jedoch an mangelnder Präzision, Aluminium oder dem gegnerischen Torhüter. Erst nach 13 Minuten – für Futsal-Verhältnisse schon beinahe eine torlose Ewigkeit – gelingt den Gästen der Führungstreffer (Endstand 3:3). Die Zwischenrufe der Trainer, jeweiligen Mannschaftskameraden und auch des einen oder anderen Zuschauers nehmen daraufhin noch zu. Auch das ist ein erfrischender Unterschied zum gewöhnlichen Fußball: Die zwangsläufige Nähe der Akteure zu den Zuschauern und die akustischen Gegebenheiten einer Sporthalle ermöglichen die direkte Kommunikation aller Anwesenden.

Futsal ist eine Fußballparty in der Halle auf höchstem sportlichen Niveau. Gehen Sie doch einmal mal hin. Es lohnt sich!

 
 

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