Ein zugkräftiges Angebot

Geldgeschäfte jedweder Art sind an diesem Standort diesmal nicht abzuwickeln – und Denkpause ist schon gar nicht angesagt. Im Gegenteil. Schachbundesligist SV Mülheim-Nord lädt mit den Begegnungen am Samstag (14 Uhr) gegen die SG Solingen und am Sonntag (10 Uhr) gegen den SC Remagen zum Ligafinale in die Kundenhalle der Sparkasse am Berliner Platz ein. Nachbar Schachfreunde Katernberg spielt am Samstag gegen Remagen und trifft einen Tag später auf Solingen. Spitzensport bei freiem Eintritt. Ein wahrhaft zugkräftiges Angebot!

Bereits zum fünften Mal öffnet sich die Kundenhalle für den Denksport der Spitzenklasse. „Am Anfang war es ein Experiment. Wir setzen diese Tradition gerne fort, weil sich die Sportler bei uns wohlfühlen und die Kundenhalle Ruhe und Tradition garantiert. Wir freuen uns, dass die stärkste Liga der Welt bei diesem Event wieder bei uns zu Gast ist“, so Sparkassen-Vorstandsmitglied Helmut Schiffer, selbst passionierter Schachspieler, der gerne auf diesen besonderen Service im Haus verweist. In einem durchgängig besetzten Raum werden Schachfreunde von Experten des SV Nord die einzelnen Züge und Partien erklärt. Überhaupt vereinigen sich an diesem Standort die Vorzüge. „Es wird immer darum gekämpft, wer in Mülheim spielen darf. Als Schachspieler spielst du gerne dort, wo es dir gut geht. Hier gibt es Licht, Ruhe, ein gutes Buffet und zu den Toiletten ist es nicht weit“, sagt SV Nord-Kapitän Daniel Fridman, der diesbezüglich ungleich weitere Wege und ein Nachlassen der Konzentration schon erlebt hat.

„Ich hoffe, dass die Mannschaft gut drauf ist“, blickt Fridman auf den Showdown in heimischer Umgebung. Nach einer aus Mülheimer Sicht durchwachsenen Saison in der Königsklasse ist er auf einen versöhnlichen Abschluss erpicht. „Wir haben überlebt“, blickt er auf ein Wellenbad der Gefühle zurück. Beim Start in der RWE-Sporthalle gab es die ernüchternde Niederlage gegen Katernberg (Fridman: „Ich konnte es damals nicht glauben!“). Mit demselben Team wurde am folgenden Tag der Branchenriese aus Baden-Baden in die Knie gezwungen. Ein deutlicher Hinweis auf das vorhandene Potenzial des aktuellen Tabellenzehnten, das aber nicht immer abgerufen wurde. „Dabei haben wir doch zwei Europameister, einen deutschen und einen russischen Meister im Aufgebot“ weiß der 36-jährige, im lettischen Riga geborene Fridman, seines Zeichens amtierender deutscher Einzelmeister.

Auch Heinz Schmitz, der rührige 1. Vorsitzende und Motor des SV Nord, kommt angesichts der Wellenbewegung durchaus ins Grübeln: „Wir haben die stärkste Mannschaft, die wir je hatten, aber auch eine der schwächsten Platzierungen.“ Die soll gegen zwei Gegner, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, tunlichst verbessert werden. Der Tabellenvierte Solingen liebäugelt mit dem dritten Rang und damit mit der sicheren Europapokal-Teilnahme; Remagen ist das Schlusslicht im 16er-Feld. „Solingen ist nominell etwas schlechter besetzt als wir, der Tabellenplatz der Remagener muss nicht unbedingt ein Maßstab sein“, blickt Schmitz mit Spannung auf die beiden Duelle.

Der Schachverein Nord hat schon lange den Wert und die Notwendigkeit der Jugendarbeit verinnerlicht. „Wir haben Spitzensport und Nachwuchsarbeit zusammengebracht“, freut sich Boss Schmitz, der seine Disziplin so gar nicht despektierlich als Hinterzimmersport bezeichnet. Die Missionare in Sachen Schach sind in Mülheim an 20 Grund- und weiterführenden Schulen tätig. Tendenz steigend.

Auch in der Bundesliga will sich der SV Nord in der neuen Saison auf die junge Welle stützen. Im Visier der Mülheimer sind zwei, drei vom Deutschen Schachbund ausgesuchte so genannte Prinzen, zu denen Rasmus Swane (Lübeck), Matthias Bloehbaum (Dortmund), Dennis Wagner (Kassel) und Alexander Donchenko (Gießen) zählen. Die erst 13- und 14-Jährigen verfügen über die Spielstärke eines internationalen Meisters. Die Toptalente sollen im Oberhaus regelmäßig zum Einsatz kommen und von Großmeistern trainiert und gefördert werden. Die aufstrebenden Denksportler wecken allerdings auch bei der Konkurrenz Begehrlichkeiten. „Und dann ist ja auch noch das liebe Geld“, weiß der stets um Mittel ringende Heinz Schmitz. Wie auch immer, es würde dem SV Nord sehr gut zu Gesicht stehen, auch den hoffnungsvollen Denksport-Nachwuchs demnächst in der Kundenhalle präsentieren zu können.

 
 

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