Das vorgezogene DM-Finale

Bei einer 45-minütigen Trainingseinheit idirekt m Anschluss an die Zugfahrt machten sich die Uhlen am Freitagabend mit der Max-Schmeling-Halle vertraut
Bei einer 45-minütigen Trainingseinheit idirekt m Anschluss an die Zugfahrt machten sich die Uhlen am Freitagabend mit der Max-Schmeling-Halle vertraut
Foto: WAZ

Der Tisch ist gedeckt in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Nach den Damen betreten am Samstagnachmittag die Herren die Bühne. Die vier Vereine, die es mit hoher Spielkunst, Leidenschaft und Nervenstärke geschafft haben, den erhofften Sprung ins Final Four 2015 zu schaffen, nehmen das Finale am Sonntag ins Visier. Zwei Angebote mit Strahlkraft, wobei das erste noch mehr Licht auf sich zieht.

Wenn sich der amtierende deutsche Hallenmeister HTC Uhlenhorstv und der Harvestehuder THC gegenüberstehen und es in der aus Mülheim angereisten grünen Wand brodelt, gilt das allgemein als das vorweggenommene Endspiel. Im Duell West gegen Nord prallt die geballte Erstliga-Offensivkraft aufeinander. Auch deswegen gilt die Vorhersage von Uhlen-Kapitän Thilo Stralkowski: „Im ersten Halbfinale spielen die stärksten deutschen Mannschaften gegeneinander. Das wird ein ganz, ganz enges Spiel. Beide Teams sind in der Offensive ungemein stark. Derjenige wird gewinnen, der an diesem Tag besser verteidigt. In diesem Match wird ganz viel Feuer sein. Wir werden keinen Meter verschenken.“

Mit Blick zurück auf die Bundesliga-Saison liegen die Rivalen nicht weiter auseinander. Die Uhlen sammelten 28 Zähler und 99 Tore und kamen nur deswegen nicht auf die volle Punktzahl, weil sie beim späteren Absteiger Gladbacher HTC in den letzten fünf Minuten den Spielbetrieb einstellten. Der von Christoph Bechmann trainierte HTHC holte sich mit 30 Punkten und 112 Treffern Lust auf das Viertelfinale. Hüben wie drüben schlägt nun an der Spree die Stunde der Torjäger. Die Top drei bei den Uhlenhorstern sind Kapitän Thilo Stralkowski (24), Johannes Schmitz (22) und der junge Timm Herzbruch (15). Die Hanseaten haben das Trio Johan Björkman (28), Daniel von Drachenfels (24) und Michael Körper (15) anzupreisen.

Womöglich spielt in der Metropole auch die unliebsame Erinnerung eine Rolle. Vor zwei Jahren gab es schon einmal diese Partie auf dem Endrunden-Parkett. Im Finale, ebenfalls damals in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle, gingen die Mülheimer fünf Mal in Führung, kassierten fünf Mal den Ausgleich und wurden elf Sekunden vor der Schlusssirene aus allen süßen Träumen gerissen. Die Zeit ist reif für die Revanche!

HTCU-Trainerin Tina Bachmann weiß um die hohe Hausnummer HTHC. Sie begegnet den Hanseaten mit Respekt, aber sie hat keine Angst vor ihnen. „Individuell sind die Hamburger stark besetzt, verteidigen aggressiv und sind sehr schnell im Umschalten. Das ist schon eine große Herausforderung, aber wir haben eine realistische Chance, das Spiel für uns zu entscheiden. Natürlich wird die Tagesform eine große Rolle spielen.“ Die Cheftrainerin weiter: „Das war bislang eine Saison mit Höhen und Tiefen. Ich verlange von allen Spielern ihre Leistung. Manche wachsen in solchen Spielen über sich hinaus. Oftmals sind es diejenigen, von denen man es nicht unbedingt erwartet.“

Auch Harvestehudes Trainer Christoph Bechmann geht von einem heißen Tanz aller Voraussicht auf Augenhöhe aus: „Hier treffen zwei offensiv starke Mannschaften aufeinander, die mehr Priorität aufs Tore-Schießen als aufs Tore-Verhindern legen. Das wird sicherlich ein tolles Spiel.“

Es ist also angerichtet. Und vielleicht wirft Max Schmeling bei diesem Hallenspektakel einen Blick von oben nach unten...

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