Unter gemeinsamer Flagge

Früher waren sie Nachbarn zwar, aber Konkurrenten. Fortan sitzen die Mitglieder der Segelgemeinschaft Lohheider See (SLS) und des Wassersportverein (WSV) Rheinkamp im gleichen Boot. Nun trafen sie sich zu einem Kennenlernfrühschoppen im SLS-Vereinsheim, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Wir waren mit 280 Mitgliedern der größere Verein“, sagt Artur Schedlinski als scheidender WSV-Vorsitzender zum Zusammenschluss der beiden Clubs. „Und wir waren zwei Jahre älter.“ Doch mehr Mitglieder und eine längere Tradition halfen nichts. Mitte 2014 erhielt der WSV die Kündigung seines Pachtvertrages zum Jahresende für das Vereinsgelände, das ebenfalls am Lohheider See liegt und über einen Reitweg zu erreichen ist. „Das kam für uns völlig überraschend“, erinnert sich Schedlinski. „Schließlich war es ein Vertrag über 25 Jahre, der sich automatisch um zwölf Monate verlängert hätte, wenn niemand vorher gekündigt hätte.“

Doch genau dazu entschied sich die Eigentümerfamilie, was der Rheinberger bis heute nicht nachvollziehen kann: „Der Lohheider See ist Landschaftsschutzgebiet. Er darf nur von Landwirtschaft und Segelsport genutzt werden. Eine Wohnbebauung am Ufer ist nicht erlaubt.“ So suchten die WSV-Segler kurzfristig einen neuen „Hafen“. Den fanden sie bei der SLS, deren Vereinsgelände mit Anlegestegen auch am Lohheider See liegt, über die Orsoyer Allee zu erreichen ist.

Neben der räumlichen Nähe spielte das Einzugsgebiet eine Rolle. Die 280 WSV-Segler kommen wie die 220 SLS-Segler vor allem aus Moers, Duisburg und Rheinberg. „In 40-jähriger Nachbarschaft haben wir viele gemeinsame Aktivitäten entwickelt“, meint Ludger van Holt als SLS-Vorsitzender. „Aus diesem Grund kennen sich viele Segler gut.“ Das war beim Frühschoppen zu merken, bei dem eine ausgesprochen harmonische Atmosphäre herrschte. So wechselten zum Jahresende 140 der 280 Mitglieder zur SLS, als sich der WSV auflöste. Die aktiven Mitglieder segeln seitdem nicht mehr unter gelb-schwarzer, sondern unter grün-weiß-roter SLS-Flagge. Einige wenige hatten schon vorher Doppelmitgliedschaften wie SLS-Sportwart Friedhelm Jansen. Dagegen setzten viele passive Segler ihre Mitgliedschaft nicht fort. „Einige von ihnen sind dann aber doch gewechselt“, weiß Schedlinski.

Gewechselt haben auch die Stege, die auf dem ehemaligen WSV-Gelände abgebaut und beim SLS aufgebaut wurden.

50 neue Liegeplätze

So entstanden 50 neue Liegeplätze an der Orsoyer Allee. Dazu nahm der SLS den scheidenden WSV-Vorsitzenden Artur Schedlinski in den Vorstand auf. „Er ist als Beisitzer kooptiert“, so van Holt. „Wir haben ja erst Anfang 2014 unseren Vorstand neu gewählt. Da war die Kündigung für den WSV noch nicht ausgesprochen. Der Vorstand ist für drei Jahre gewählt.“

Auch landesweit sorgt der Zusammenschluss der zwei Clubs für Beachtung. So schaute Mona Küppers als Vorsitzende des NRW-Seglerverbandes beim Frühschoppen vorbei. „Ich wünsche viel Glück“, gab sie den Mitgliedern mit auf den Weg, die jetzt unter gemeinsamer Flagge segeln.

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