„Eine Schusseligkeit“

Ins Rutschen geraten: Der GSCMoers, hier mit dem Eishockeyteam.
Ins Rutschen geraten: Der GSCMoers, hier mit dem Eishockeyteam.

Die ehrenamtliche Vereinsführung des Grafschafter Schlittschuhclubs (GSC) Moers hat ihre Hausaufgaben für die Jahre 2011 und 2012 nicht richtig ernst genommen.

Und nicht vernünftig abgewickelt. Diesen Vorwurf muss sich der Verein auf jeden Fall gefallen lassen. Und dieses Versäumnis stellt sich im Nachhinein als alles andere als clever heraus. Aber der Reihe nach.

Vereine müssen regelmäßig eine Bescheinigung über ihre Gemeinnützigkeit beim Finanzamt beantragen. Dafür gibt es Fristen, die eingehalten werden müssen. Und diese Fristen hat der Club tatsächlich verstreichen lassen. Trotz Warnungen. Deshalb wurde dem GSC Moers für 2011 und 2012 die Gemeinnützigkeit aberkannt. Aber nur mit der Gemeinnützigkeit kann der Verein die Eissporthalle gegen eine äußerst geringe Gebühr nutzen. Das besagt die Satzung des Stadtsportverbandes.

240 443,12 Euro

Da der Verein ohne Gemeinnützigkeit die Halle genutzt hat, wären nun 240 443,12 Euro Hallenmiete angefallen. Geld, das zum einen niemals wirklich geflossen wäre, und zum anderen auch nicht zwingend fließen soll, wenn sich der Ausschuss und die Moerser Verwaltung an die Empfehlung ihres Ersten Beigeordneten Hans-Gerd Rötters hält. „Wir wollen den Verein doch nicht kaputt machen“, nennt Rötters die logische Konsequenz, würde die Kommune auf Begleichung der beinahe eine viertel Million Euro pochen. „Es war wirklich eine Schusseligkeit vom GSC“, ist der Beigeordnete sicher. Unrechtmäßig bereichert, so viel ist sicher, hat sich beim GSC Moers niemand.

Allerdings dürfe sich der Schlittschuhclub solche Schusseligkeiten aber nicht regelmäßig erlauben. Ist aber auch nicht gewollt. „Die Gemeinnützigkeit ist ja bereits wieder hergestellt“, weiß Rötters.

Die hohe Summe kommt schließlich zustande, weil eine Eisstunde mit 130 Euro zu Buche schlägt. Nun hat der Verein etwa 270 Mitglieder von denen knapp 230 Kinder und Jugendliche sind. Die betreiben überwiegend Eislaufen und spielen in insgesamt sieben Mannschaften Eishockey.

Beim Eislaufen sind es schließlich zehn Gruppen – von den Minis über engagierten Kunstläufer bis zu den Hobbyläufern –, die regelmäßig die Eissporthalle nutzen. Da kommen am Ende etliche Stunden zusammen, die aber mit der Gemeinnützigkeit völlig anders abgerechnet werden. Sicher ist derzeit, dass die „Schusseligkeit“ zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt passiert ist: Nämlich nach dem der Verein erfolgreich für den Erhalt der Eishalle gekämpft hat, die momentan zur Enni-Eiswelt umgebaut und saniert wird.

Drei Vereine mit ähnlichen Probleme

Was dem GSC Moers gerade passiert ist, geschieht nicht zum ersten Mal in der ehemaligen Grafschaft.

In den 1990er-Jahren hat es tatsächlich den Moerser SC mit seinen Bundesliga-Volleyballern getroffen, damals wurde bei dem sportlichen Ausshängeschild der Stadt die Gemeinnützigkeit hinterfragt. MSC-Präsident Günter Krivec erinnert sich: „Wir haben damals den Verein in einen wirtschaftlichen Zweckbetrieb und einen gemeinnützigen Bereich unterteilt.“

Vor einem halben Jahren hat es den SC Rheinkamp getroffen. Nach einem Wechsel im Vereinsvorstand wurden ebenfalls Fristen versäumt und die Gemeinnützzigkeit wurde aberkannt. Auch damals hat die Stadt nicht auf die Begleichung der rund 125 000 Euro für Sportförderung und Hallennutzung bestanden.

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