Bianca Osterer fehlt in London

Da war die Welt noch in Ordnung: Vor etwas mehr als einem Jahr freute sich Bundestrainer Christoph Müller mit seiner erfolgreichen Nationalmannschaft mit Sabine Ellerbrock, Katharina Krüger und eben der Kamp-Lintforterin Bianca Osterer (von links).
Da war die Welt noch in Ordnung: Vor etwas mehr als einem Jahr freute sich Bundestrainer Christoph Müller mit seiner erfolgreichen Nationalmannschaft mit Sabine Ellerbrock, Katharina Krüger und eben der Kamp-Lintforterin Bianca Osterer (von links).
Foto: Deutscher Tennis Bund

In den vergangenen Wochen hat Bianca Osterer wahrscheinlich mehr Tennisplätze als Mitglieder ihre Familie gesehen.

Die Kamp-Lintforter Rollstuhl-Tennisspielerin hat im Juni in kürzester Zeit die „Orlen Polish Open“ im polnischen Plock und die „SMP CZ Wheelchair Czech Open“ im tschechischen Prostejov gewonnen. Und auch bei den Bavarian DTB Open im bayrischen Wendelstein war sie nicht zu stoppen. Beim 55. Arcotel-Rezidencija Tournament im kroatischen Zagreb stand sie im Finale, wurde dort Zweite. Das alles in den vergangenen viereinhalb Wochen.

16. der Weltrangliste

Mittlerweile steht Bianca Osterer in der aktuellen Weltrangliste auf dem 16. Rang im Einzel. In der Doppel-Konkurrenz rangiert sie auf dem 26. Platz. Zu wenig für die Paralympics, die unmittelbar nach den Olympischen Spiele, ebenfalls in London – vom 29. August bis 9. September – gefeiert werden.

Bianca Osterer jedenfalls darf nicht mitfeiern. Zumindest nicht im Stadion. Oder eben auf den olympischen Tennis-Plätzen. Denn die 26-Jährige wurde bei der Nominierung nicht berücksichtigt. „Um international nominiert zu werden, muss man mindestens auf dem 24.. Platz der Weltrangliste liegen“, weiß die Sportlerin. „In Deutschland wurde das auf den 15. Rang angehoben.“ Und Bianca Osterer, die nach eigenen Angaben „tief enttäuscht“ ist, liegt einen Platz darunter. Allerdings auch erst in der aktuellen Rangliste.

„Der Stichtag war der 21. Mai“, so Bundestrainer Christoph Müller. „Zu diesem Stichtag war Bianca Osterer noch nicht so weit. Auch wegen einer Verletzung.“ So konnte Müller lediglich Sabine Ellerbrock und Katharina Krüger für die Paralympics nominieren.

Ellerbrock liegt aktuell in der Weltrangliste im Einzel auf dem 4. Platz und belegt im Doppel Platz 9, Krüger ist 13. in der Einzel- und 12. in der Doppelkonkurrenz.

„Ich hätte Bianca Osterer sehr gerne in London dabei gehabt“, versichert der Bundestrainer. „Es ist schon erstaunlich, was sie in solch kurzer Zeit geschafft hat. Sportlich aber auch finanziell.“ Immerhin muss die Tennisspielerin in aller Regel sich selbstständig um die Reise- und Unterbringungskosten kümmern. Normalerweise ist das lediglich durch einzelne Sponsoren möglich.

Bianca Osterer hat nach ihrer Krankheit erst vor knapp zwei Jahren mit dem Rollstuhl-Tennis angefangen. Und in dieser kurzen Zeit hat sie sich bis in die Weltspitze gekämpft. Ihr großer Traum war nun ganz klar formuliert: Sie wollte zu den Paralympics nach London.

Wer nun allerdings denkt, dass die 26-Jährige den Kopf in den Sand steckt, ist schief gewickelt: „Dann eben Rio“, blickt Bianca Osterer in die Zukunft. In der brasilianischen Hauptstadt sind in vier Jahren die nächsten Paralympics.

„Sie ist doch noch jung“

„Sie ist doch noch jung“, sagt schließlich auch Bundestrainer Christoph Müller, der die Kamp-Lintforterin immerhin aus der Nähe fest im Blick hat. Denn Christoph Müller ist neben seinem Job als Bundestrainer auch Vereinstrainer beim HTC Blau-Weiß Krefeld – also quasi um die Ecke.

Jedenfalls rechnen er und Osterer fest mit einer Teilnahme bei den Paralympics 2016. Vielleicht sogar auch 2020. „Sabine Ellerbrock ist doch auch 36 Jahre alt“, zeigt sich die Kamp-Lintforter Weltklasse-Spielerin vollkommen selbstbewusst. Und das zu Recht.

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