Talentschmiede mit extrem hohen Ansprüchen

Weltklasse in der Walram-Halle: Der kroatische Tophandballer Ivano Balic ist am Sonntag mit der HSG Wetzlar in Menden zu Gast.
Weltklasse in der Walram-Halle: Der kroatische Tophandballer Ivano Balic ist am Sonntag mit der HSG Wetzlar in Menden zu Gast.
Foto: dpa
Diesen sportlichen Leckerbissen fiebert die heimischen Handball-Fans seit langem entgegen: Am Sonntag ist Bundesligist HSG Wetzlar in Menden zu Gast.

Menden..  Nach dem TBV Lemgo und die SG Flensburg-Handewitt ist die HSG Wetzlar nun der dritte Verein, der Bundesliga-Flair in Menden verbreitet. Die Hessen spielen in der 17. Saison in der höchsten deutschen Handball-Liga, die beste Platzierung erreichte man in der Runde 2012/13 als Siebter.

Erst am vergangenen Freitag sorgte das Team um den kroatischen Weltmeister und Olympiasieger Ivano Balic für einen Paukenschlag mit dem Sieg gegen die Rhein-Neckar-Löwen (31:27). Vor dem Gastspiel am Sonntag bei Oberligist HSG Menden-Lendringsen (17 Uhr, Walram-Halle) sprach die WP-Sportredaktion mit Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp.

Frage: Menden, sagt Ihnen das eigentlich etwas?

Björn Seipp: Ja, durch den Sauerland-Cup, das große Jugendturnier in Ihrer Region. Unsere Nachwuchsmannschaften nehmen ja immer mal wieder an diesem stark besetzten Turnier teil.

Wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Das ist unserem gemeinsamen Ausrüster zu verdanken, der dieses Testspiel ermöglicht hat.

Machen Sie häufiger solche Spiele auf dem „Dorf“?

Ohne Breitensport gibt es keinen Spitzensport, deshalb ist es uns wichtig, regelmäßig – allen voran in der Sommerpause – solche Freundschaftsspiele auszutragen. Das Spiel in Menden passt deshalb ganz gut, weil wir nach dem Spiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen am vergangenen Freitag erst wieder am 8. Mai spielen (Anm. der Redaktion: gegen HBW Balingen-Weilstetten) und unser Trainer am Wochenende auch Spielern Einsatzzeiten geben kann, die sonst nicht so viel spielen.

Werden Sie am Sonntag mit allen Stars kommen?

Wir kommen mit allen Spielern, die uns zur Verfügung stehen.

Das ist eine sehr diplomatische Antwort. Könnten Sie das konkretisieren?

Wir sind verpflichtet, Spieler an die Nationalmannschaften abzustellen. Deshalb werden Kent Robin Tönnesen (Norwegen), Vladan Lipovina (Montenegro), Guillaume Joli (Frankreich), Dejan Manaskov (Mazedonien) und Andreas Wolff (Deutschland) nicht mit dabei sein können.

Aber Ivano Balic ist dabei? Toni Mrcela, ein junger Kroate bei der HSG Menden-Lendringsen, freut sich besonders auf ihn.

Ja, er wird mit dabei sein und den Zuschauern nach dem Spiel selbstverständlich auch für Autogramme und Fotos gerne zur Verfügung stehen.

Sie sind in der Bundesliga derzeit Neunter, hatten Sie sich mehr versprochen?

Wir sind mit dem derzeitigen Abschneiden durchaus zufrieden – auch wenn man sich immer mehr Punkte wünscht. Unser Saisonziel war, frühzeitig den Klassenerhalt zu schaffen, das haben wir mit dem Sensationssieg über die Rhein-Neckar Löwen gepackt. Jetzt wollen wir am Ende der Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz stehen. Wenn wir das schaffen, dann war es eine Super-Saison!

Zumindest haben Sie in das Meisterschaftsrennen eingreifen können. Wie fühlt man sich als Spielverderber der Rhein-Neckar-Löwen und Hilfesteller des THW Kiel?

Das war natürlich ein Highlight für unseren Klub und unsere Fans. Wir fühlen uns als Gewinner dieser Partie und nichts anderes. Wer deutscher Meister werden will, der muss solche Spiele gewinnen – und das haben die Löwen nicht geschafft.

Sie haben in der Nähe mit Melsungen eine hessische Konkurrenz, wie groß ist da die Rivalität?

Von Seiten der Vereinsverantwortlichen und Spieler eher weniger, aber bei den Fans ist die Rivalität schon sehr groß. Mit den Müller-Brüdern, Michael Allendorf, Christian Hildebrand sowie Trainer Michael Roth und Co-Trainer Mile Malesevic sind ja eine ganze Reihe von ehemaligen Wetzlaren nach Melsungen gegangen. Die Derbys sind deshalb schon sehr emotional, aber immer fair und ziehen deshalb die Zuschauer in Massen an – zumindest in Wetzlar.

Sie machen gute Jugendarbeit, die männliche A-Jugend steht im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft. Wie wichtig ist das für Sie?

Die ist enorm wichtig für uns. 2002 hat die männliche B-Jugend gegen den SC Magdeburg den letzten Titel geholt, vor zwei Jahren waren wir in der gleichen Altersklasse gegen die Füchse Berlin nah dran. Da haben wir das Finale im Siebenmeterwerfen verloren. Mittlerweile haben wir den leistungsorientierten Nachwuchs-Handball von den Trägervereinen in Dutenhofen und Münchholzhausen unter unser Dach der HSG Wetzlar geholt. Wir wollen damit die Förderung junger Talente noch weiter vorantreiben, sie zu Topspielern ausbilden und möglicherweise deutsche Nationalspieler herausbringen. Mit Florian Laudt, Christian Rompf, Steffen Fäth, Sebastian Weber und Tobias Hahn haben wir bereits Spieler im Erstligakader, die aus Wetzlar und Umgebung kommen. Das ist wichtig für diese handballverrückte Region!

Stichwort „handballverückt“. Ihre Halle ist immer ausverkauft? Wie machen Sie das?

Ausverkauft sind wir nicht immer, aber wir haben eine Auslastung von 93 Prozent bei unseren Heimspielen. Mittelhessen ist total sport- und allen voran handballbegeistert. Die Heimspiele werden super angenommen, sind ein richtiges Event, vor allem auch für die junge Zielgruppe. Mit einer Stehplatztribüne für 1900 Zuschauer tragen wir damit auch Rechnung. Die Arbeit wird super angenommen, nicht zuletzt deshalb, weil die Mannschaft und der Klub ehrliche Arbeit abliefern.

Die HSG Wetzlar spielt seit 17 Jahren in der Bundesliga, was hat sich in dieser Zeit Ihrer Meinung nach alles verändert?

Die Liga ist um Welten professioneller geworden. Die Vereine sind weggegangen von kleinen Hallen in große Arenen, der ländliche Charakter verschwindet immer mehr, Handball hat sich von einer „Kampfsportart“ zu einem schnellen und athletischen Sport entwickelt, ist nach Fußball die Sportart Nummer zwei in Deutschland geworden. Auch durch die vielen Fernsehübertragungen wird Handball ganz anders und viel intensiver wahrgenommen. Das Bewegbild auf allen Kanälen, auch im Internet, ist als neues Medium sehr wichtig geworden.

Werden Sie am Sonntag in Menden dabei sein?

Leider nicht, da unsere A-Jugend im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft in Minden spielt und ich die Jungs in diesem wichtigen Spiel unterstützen möchte. Aber unser Teammanager Alexander Finke wird die Mannschaft begleiten.

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