Kickerzunft verpasst Stopp der Kreisstrukturreform

Foto: Julian Gebhardt WP

Balve/Menden.. Eigentlich sollten Tore, Punkte und Meisterschaften im Mittelpunkt stehen. Doch die geplante Kreisstrukturreform des Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen erregt die Gemüter der heimischen Kicker-Familie

Der FLVW plant bekanntlich, aus 33 Kreisen 26 zu machen und dabei seine Fußballkreise den politischen Kreisen anzupassen.

Vor einigen Tagen wandten sich sieben Vereine aus Balve, Affeln und Küntrop (darunter die SG Balve/Garbeck und federführend der TuS Langenholthausen) per offenem Brief an FLVW-Präsident Hermann Korfmacher und machten Front gegen die vorgesehene „Zwangsumsiedlung“ in den Märkischen Kreis. Die offizielle Antwort des Verbandschef steht zwar noch aus, eine Reaktion gab der Funktionär aus Gütersloh aber bereits im Editorial der aktuellen Ausgabe des „Westfalensport“, dem offiziellen Journal des FLVW. Dort heißt es: „Vereine können auf Antrag auch im Anschluss an die Reform den Kreis wechseln.“ Aber: „Massenanträge werden anders bewertet. Man kann die Reform nicht gleich wieder revidieren“, machte Korfmacher in diesem Medium deutlich.

Man muss jedoch kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Zahl der Vereine, die in der gewohnten Umgebung bleiben wollen, sehr hoch sein dürfte. Trotzdem hätte die Kreisstrukturreform am vergangenen Samstag gestoppt werden können! Da hatte die Ständige Konferenz des FLVW mit 18:16 Stimmen beschlossen, einen außerordentlichen Verbandstag einzuberufen, bei dem die Realisierung der Strukturreform bis zur Saison 2016/2017 festgelegt werden soll.

Andreas Joswig, stellvertretender Vorsitzender des Fußball-Kreises Iserlohn, fasst die verpasste Chance in Worte: „Wir hätten die Ampel auf Rot stellen können. Das Ärgerliche ist, dass dafür selbst ein Abstimmungspatt gereicht hätte!“ Der Funktionär aus Hemer macht keinen Hehl daraus, dass er nichts von der geplanten Reform hält. „So können wir mit den Vereinen nicht umgehen. Das ist die größte Strukturreform, die der Verband durchführt. Aber die müssen wir mit den Vereinen machen und nicht gegen sie. Eine Reform, die mir ehrenamtliche Mitarbeiter kostet, kann ich nicht akzeptieren“, so Joswig weiter.

Der Hemeraner ist indes dafür, eine Reform mit kleineren Schritten anzugehen. Joswig: „Das kann man auf verschiedenen Ebenen machen. Dafür müssen wir die bestehenden und funktionierenden Strukturen nicht zerschlagen.“ Joswig weist zudem auf den demografischen Wandel hin. „Die Vereine müssen sich darauf einstellen, dass es immer mehr ältere Menschen gibt. Und diesen müssen sie Angebote schaffen“, so Joswig.

Der Zug läuft seit Samstag aber vorerst in eine andere Richtung. Dabei hätte eine Stimme gereicht, um den Verbandsumbau zu stoppen. Diese hätte vom Arnsberger Kreisvorsitzenden Bernd Henneböle kommen können. Dass der Sunderaner jedoch für die Reform stimmte und damit seinen eigenen Vereinen in den Rücken fiel, ergibt einen bitteren Beigeschmack. „Das verwundert mich sehr“, sagte „Charly“ Grote, der erste Vorsitzende des TuS Langenholthausen. „Da bin ich gespannt, wie er uns das erklären will“, kommentierte Präsidentenkollege Christian Müller (SG Balve/Garbeck) das Verhalten des Kreischefs. Der bestätigte gegenüber der WP sein Abstimmungsverhalten. „Wir haben dadurch erreicht, dass die Reform nicht schon 2013 kommt“, so Henneböle. Eine recht dünne Erklärung – wie auch die Aussage, weiter für die Balver Vereine kämpfen zu wollen. Henneböle will bei einem außerordentlichen Kreistag im Januar 2012 dazu Stellung beziehen.

Aber auch das Abstimmungsverhalten von Lüdenscheids Kreisvorsitzenden Klaus Scharf wirkt befremdlich. Denn der hatte sich ebenfalls für die Reform ausgesprochen, obwohl sich zuvor der Arbeitskreis Südwestfalen/Industrie, dem auch Scharf angehört, darauf verständigt hatte, geschlossen gegen die Strukturreform zu stimmen.

 

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