Kai Hesse: Ein Profi ohne Allüren abseits des Kicker-Glamours

Foto: Martina Dinslage
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Menden.. Die Besuche in Menden sind für Kai Hesse selten geworden. Ihm ergeht es wie vielen anderen Hönnestädtern, die der Beruf in die weite Welt geführt hat. Jetzt, an Weihnachten gab es mal wieder eine Stippvisite bei der Familie. Und die WP nutzte die Chance, einen Blick auf das Leben eines Fußball-Profis zu werfen.

Das unterscheidet sich schon von der Glitzerwelt und den bunten Bildern, die man in unzähligen TV-Sendungen oder Fachmagazinen serviert bekommt. „Ich habe einen Traumberuf“, ist der 26-jährige Offensivmann von Drittligist Kickers Offenbach mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Auch wenn ihm der Sprung in den Fußball-Olymp, sprich die erste Bundesliga, verwehrt blieb. „Das dürfte ich wohl nicht mehr schaffen“, sieht Kai Hesse seine weitere Zukunft mehr in den jetzigen Regionen als in der deutschen Elite-Liga.

Dabei lief für ihn doch eigentlich alles ganz normal. 2002 wurde er mit der B-Jugend von Schalke 04 deutscher Meister. Der Mendener durchlief die Jugend-Auswahlteams des Deutschen Fußball-Bundes und kickte dort mit heutigen Weltstars wie Lukas Podolski oder Mario Gomez. „Ich freue mich für sie, dass sie bis nach oben geschafft haben“, sagt Hesse – Neid auf die ehemaligen Weggefährten ist für ihn ein Fremdwort. Immerhin ist er neben dem jetzigen Schalke-Profi Tim Hoogland der einzige aus dem einstigen Schalker Meisterteam, der mit Fußball noch sein Geld verdient. Die meisten Mitspieler von damals hingegen spielen in diversen Amateur-Ligen.

„Ich denke, ich darf auf meinen Weg auch stolz sein. Andere hatten vielleicht mehr Talent, waren weniger verletzt oder hatten mehr Glück“, blickt Kai Hesse auf die vergangenen zehn Jahre zurück – und er möchte seinen Weg fortsetzen. „Zwei, drei Jahre werde ich mich noch voll auf den Fußball konzentrieren. Dann plane ich, was danach kommt“, umreißt der Mendener die nächste Etappen seines beruflichen Werdegangs.

Gedanken über das, was nach dem Fußball kommen könnte, macht er sich aber schon jetzt. „Vielleicht ein Studium“, so Hesse. Oder er schlägt er den gleichen beruflichen Weg in der Sportartikelbranche ein wie Vater Fritz und Bruder Dirk. Man wird es sehen.

Zunächst jedoch zählt erst einmal die Gegenwart. Am 30. Juni 2012 läuft der Vertrag bei Kickers Offenbach aus. „Über eine Verlängerung wird wohl im März oder April geredet“, erzählt der Profi-Kicker. In der dritten Liga laufen die Zeitschienen halt etwas anders als in der Bundesliga. Und Argumente für einen Verbleib bei den Kickers konnte Kai Hesse im bisherigen Saisonverlauf reichlich liefern. So hat er als Stammspieler seinen Beitrag dazu geleistet, dass der hessische Traditionsklub als Tabellenvierter noch Aufstiegsambitionen hat. Und eine Verlängerung des Engagements am Bieberer Berg kann er sich durchaus vorstellen, zumal er dann auch in Frankfurt (Hesse: „Dort kann man richtig gut leben“) wohnen bleiben kann.

Kai Hesse könnte auch mit einem weiteren Vereinswechsel leben. „Das bringt dieser Beruf nun mal mit sich“, sagt der Fußballer, der auch eine Veränderung in seiner Berufsgruppe festgestellt hat. „Wir sind austauschbar geworden. Vereinstreue ist nicht mehr gefragt.“ Eine Entwicklung, die sicherlich mit dem enormen Stellenwert des Fußballs im öffentlichen Leben zusammenhängt, der Druck auf Spieler und Klubs ist riesig geworden.

In Offenbach lässt sich das vor allem an der enormen Erwartungshaltung rund um die Mannschaft festmachen – die Fans würden ihr Team am liebsten schon jetzt in der Bundesliga sehen. Der Verein hat den Druck mit dem Neubau der legendären Offenbacher Spielstätte Bieberer Berg erhöht. Fünf Trainerwechsel in den vergangenen zwei Jahren runden das Bild letztlich ab.

Da darf man gespannt sein, wie das Leben des Berufsfußballers Kai Hesse weitergeht.

 

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