Junger Schiri wird übel beleidigt und denkt dennoch nicht ans Aufhören

Menden.. Ab dem 8. Juni sehen wir wieder die bunten Bilder von der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und in Polen. Dass der Alltag im kleinen Fußball ein ganz anderer ist, wird leider nur zu selten transparent. Wie schlimm die Verhältnisse sind, zeigt eine Geschichte aus der Iserlohner D-Junioren-Kreisliga.

Am 12. Mai fand im Max-Becker-Sportpark die Partie zwischen den Nachwuchs-Kickern des BSV Lendringsen und des VfK Iserlohn statt. Als Schiedsrichter der zehn bis zwölfjährigen Kicker fungierte der 15-jährige Richard Reinich vom SV Oesbern. Und der musste erleben, wie er von den Trainern der Iserlohner – zwei erwachsenen Männern – auf das Übelste beleidigt und erniedrigt wurde.

Für Arthur Gatzke vom Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Iserlohn nichts Neues. „Leider ist das schon vielfach Alltag“, sagt der Iserlohner. „Man muss sich Samstag mal auf irgendeinen Sportplatz nur in die Ecke stellen und dem Treiben bei den Jugendspielen zuhören. Das, was sich Trainer und Eltern da teilweise erlauben, ist unglaublich“, hat Gatzke einen Verfall der Sitten rund um den Fußball festgestellt.

Der Iserlohner kümmert sich zusammen mit anderen erfahrenen Schiri-Kollegen um den Nachwuchs des Fußballkreises. „Doch wir können nicht bei jedem Spiel der jungen Kameraden dabei sein“, so Gatzke.

Dirk Schmale, Lehrwart der heimischen Schiedsrichter ergänzt: „Wir appellieren an unsere Nachwuchs-Schiedsrichter immer wieder, dass sie sich melden sollen, wenn etwas Derartiges passiert. Wir lassen keinen Schiedsrichter allein“, so Dirk Schmale.

Im Fall vom Richard Reinich wurde Arthur Gatzke aktiv. Er las im elektronischen Spielbericht von den Vorkommnissen und sorgte dafür, dass der junge Pfiffikus aus Oesbern einen Sonderbericht verfasste. „Das kann man nicht auf sich beruhen lassen. Das muss vor der Jugendspruchkammer verhandelt werden“, soll nicht nur für Gatzke das Verhalten der „Trainer“ Konsequenzen haben.

Es ist bewundernswert, wie gelassen der 15-jährige Schüler mit den erlittenen Schmähungen umgeht. „Deswegen werde ich als Schiedsrichter nicht aufhören. Schön ist, dass man sich um mich kümmert“, freut er sich über die Unterstützung, die er in den vergangenen Tagen erfahren hat. Hier hebt er seinen Oesberner Vereinskollegen Matthias Schneider hervor. „Er hat mir beim Verfassen des Sonderberichts geholfen. Denn das hatte ich noch nicht gemacht. Matthias erkundigt sich auch immer, wie die Spiele gelaufen sind, die ich geleitet habe. Das ist einfach schön“, sagt der junge Pfiffikus.

Und diese Rückendeckung soll er auch am 5. Juni erfahren, wenn er erstmals als Zeuge vor die Rechtsinstanz des Kreises muss und die beiden VfK-Trainer für ihr unqualifiziertes Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Realität im Fußball nicht immer so bunt ist wie sie oft dargestellt wird.

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