Jürgen Baumhoff streicht die Vorsilbe „Vize“

Biggesee-Marathon-Sieger Jürgen Baumhoff (links) mit Chef-Organisator Rolf Kaufmann.
Biggesee-Marathon-Sieger Jürgen Baumhoff (links) mit Chef-Organisator Rolf Kaufmann.
Foto: WP
Es war mal wieder ein Familienfest der Langstreckler, und es erfüllte mehr als alle Erwartungen der Verantwortlichen des TV Attendorn. „Gut zweihundert Meldungen lagen uns vor, und dann bildeten sich endlose Schlangen vor dem Wettkampfbüro“, freute sich Cheforganisator Rolf Kaufmann.

Attendorn..  Am Ende sollten es 478 sein. Die Neuerungen vorweg: elektronische Zeitnahme mit Transpondern in den Startnummern, Sonderwertung „Attendorner Stadtmeister/in“. Geändert hat sich auch die Höhendifferenz, obwohl der Streckenverlauf konstant blieb. Von 770 Meter im Vorjahr wurden die Höhenmeter auf etwa 920 Meter in 2014 korrigiert. Was ist das passiert? Das Sauerland ist nicht gerade als seismisch problematische Region bekannt, auch gebirgsbildende Vorgänge sind innerhalb eines Jahres nicht messbar. „Wir haben jetzt noch einmal exakt nachgemessen“, war die lapidare Antwort aus TVA-Kreisen.

Doch all das focht die Unentwegten der Laufszene nicht an, die sich über die drei Distanzen von 10,6 (Viertel-Marathon), 21,1 (Halb-Marathon) und der klassischen Distanz von 42,2 Kilometern dem Starter stellten. Doch bevor der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Attendorn, Rüdiger König, zur Pistole griff, musste Moderator Uli Selter erst einmal einige Infos zur Strecke loswerden.

Zeit unter drei Stunden scheint drin

„Nach 500 Meter fängt der Spaß an, dann geht’s erst mal ordentlich bergauf“, schürte er den hohen Vorstartzustand, der Adrenalinpegel war so ziemlich am Anschlag., „wenn ihr nicht unbedingt auf Zeit und Platz lauft, genießt die Umgebung, es lohnt sich.“

Das hat sich wohl herumgesprochen, der Einzugsbereich der Teilnehmer geht weit über die NRW-Grenzen hinaus. „Einfach phantastisch“ war der sich immer wiederholende Kommentar vieler Läufer an einem Tag, der für eine solche Veranstaltung nicht besser hätte sein können. Nach Regen vor zwei Jahren und Hitze im Vorjahr.

Gleich in der ersten Startreihe liefen unter anderem Jürgen Baumhoff (Sauerland Gore Tex Team), Sieger in 2012 und Zweiter im letzten Jahr hinter Alexander Henne, der mit 2:53:16 Stunden einen kaum glaubhaften Streckenrekord lief. Baumhoff, der Mann aus Apollmicke war gewillt, seine eigene Bestzeit vom Vorjahr zu unterbieten. Bei Halbzeit war eine Zeit sogar unter drei Stunden denkbar. Das klappte nicht ganz, doch mit seiner Siegerzeit von 3:05:12 Stunden blieb er 16 Minuten unter seiner 2013er-Leistung, phänomenal.

110 kommen durch

122 Marathonis nahmen den Sturm durch die Wälder am Biggesee in Angriff, 110 von ihnen kamen durch. Als Zehnte im Ziel bereits die erste Frau: Kristina Tille wiederholte ihren Erfolg aus dem Vorjahr. Aber die Zeit: mit 3:33:18 Stunden war sie rund 14 Minuten schneller als vor Jahresfrist und sie lag jetzt rund 25 Minuten vor der Zweiten. „Sie hat ihre Bestzeit pulverisiert“, drückte es Selter euphorisch aus, „einfach sensationell.“

Beim Viertel-Marathon erreichten 122 Läufer/innen das Ziel, darunter eine 17-köpfige Gruppe der Sportfreunde Siegen am Start – und einer, nämlich Archan Kameraj (1993) aus Siegen siegte auch. Mit 44:04 Minuten kam er auf eine prima Zeit und distanzierte den Zweiten um über eine Minute.

Bekannte Namen beim Halbmarathon: Zweimal Wessinghage aus Recklinghausen, Assoziationen zu Thomas Wessinghage (5000-m-Europameister 1982) kommen auf. Zweimal Mockenhaupt aus dem Westerwald, aber nicht Mocki, auch nicht Zwillingsbruder Markus (SG Wenden). Dennoch: all diese Athleten haben, unabhängig von der Zeit, den selbst gewählten inneren Schweinehund überwunden. Die Freude nach der Leistung sowie die Verbundenheit der Lauffamilie kommt sofort nach dem Zieldurchlauf zum Ausdruck. Es ist eben eine breitensportliche Veranstaltung, schnelle Läufe sind aber nicht verboten – siehe Jürgen Baumhoff, siehe Kristina Tille.

Schöne Bilder

Gekämpft wurde bis zum Schluss, nicht immer mit gutem Ausgang, ein Kollaps war leider auch dabei. Aber es gab viele schöne Bilder beim Zieleinlauf: Senioren und Seniorinnen überquerten Händchen haltend gemeinsam die ersehnte Linie, die kleine Tochter strahlte von den Schultern des „Lastesels“. Paarlauf ins Ziel auch von Schwimmern (Wasserfreunde Finnentrop). Alle ließen sich sofort die verdienten Medaillen um den Hals legen, manchmal nach der Anstrengung gequält lächelnd.

Die Jüngste war Liam Rixe (9 Jahre), sie war nicht die Langsamste. Der mit Abstand Älteste: Konrad Sieben (Linnich/70 Jahre), und das beim Marathon (5:05:34). Die ältesten Frauen: drei Teilnehmerinnen vom Jahrgang 1950, davon eine Dame beim Marathon – Respekt. Erstaunlich: Sascha Sohngen (Netphen), siegte im Halbmarathon und fuhr vom Wohnort Mudersbach (50 Kilometer einfache Strecke) per Mountainbike an die Bigge, läuft und radelt wieder zurück.

Fünf Stunden Sprech-Marathon

Wer nicht laufen wollte, konnte walken. „Das sind die Allradbetriebenen“, so Uli Selter. Geschafft war aber auch der Moderator, der einen Sprechmarathon hinter sich hatte. Nach dem Start um 14 Uhr dauerte es über fünf Stunden, bis der Letzte ins Ziel trudelte.

Die Ergebnisse vom Biggesee-Marathon (jeweils die ersten Drei insgesamt sowie die drei Bestplatzierten aus dem Kreis Olpe
Marathon, Männer (91 im Ziel)
1. Jürgen Baumhoff (M45/Sauerland Gore Tex Team) 3:05:12, 2. Frank Löschner (M55/TV Büschergrund) 3:12:03, 3. Thomas Schiller (M45/MTV Kronberg) 3:15:25, 5. Christoph Klein (M40/TV Attendorn) 3:22:11, 13. Wolfgang Teipel (M55/CDU-Fraktion Attendorn) 3:40:53.
Marathon, Frauen (19 im Ziel)
1. Kristina Tille (W40/TV Attendorn) 3:33:18, 2. Nicole Röthe (W40) 3:58:08, 3. Judith Scheifler (W50/LG BSN) 3:58:21, 7. Alexandra Klein (W40/TV Attendorn) 4:25:22, 10. Ursula Kaufmann (W50/TV Attendorn) 4:31:36
Halbmarathon Männer (133)

1. Sascha Sohngen (M40/TVE Netphen) 1:29:06, 2. Andreas Gertz (M40/TV Eichen) 1:33:28, 3. Luca Eric Neumann (MJU18/ABV Plettenberg) 1:34:07, 14. Stefan Wortmann (M30/TV Attendorn) 1:41:47, 15. Thomas Greß (M45/SC Olpe) 1:42:31, 17. Michael Hesener (M35/TV Attendorn) 1:43:25
Halbmarathon, Frauen (43)

1. Maria Hesse (W30/Lauftreff Decksteiner Weiher) 1:42:25, 2. Tina Wessinghage (W30/Recklinghäuser LC) 1:44:50, 3. Silke Kaliner (W45) 1:48:16, 5. Birgit Brutzer (W55/SC Olpe) 1:52:59, 7. Petra Stumpf (W50/TV Attendorn) 1:55:46, 8. Astrid Hellner (W40/TV Attendorn) 1:56:01.
Viertel-Marathon, Männer (85)
1. ArchanKameraj (MJU23/SF Siegen) 44:04, 2. LotharFischer (M45/TV Attendorn TRI-TIME) 45:29, 3. Daniel Kaufmann (MJU18/TV Attendorn) 47:20, 7. Thomas Hesse (M40/TuS 08 Bilstein) 49:27.
Viertel-Marathon, Frauen (40)
1. Verena Klein (WHK) 0:55:37, 2. Yvonne Fischer (WJU20/TV Attendorn TRI-TIME) 0:59:46, 3. Kim Nerowski (WJU16/SC Fretter) 1:00:12, 12. Jaqueline Klement (WJU23/TV Attendorn) 1:05:15.
Walking-Halbmarathon (10)

1. Hajo Siewer (M60/SC Olpe) 2:33:38, 2. Renate Möbus (W40/Wuppertal) 2:35:04, 3. Martin Braun (M50) 2:48:03.
Walking-Viertelmarathon (17)
1. Hubertus Braun (M50/SC Schmallenberg) 1:21:28, 2. Knipp Tina (W/TuS Herscheid) 1:25:31, 3. Thomas Vogt (M40/?) 1:25:52, 12. Alwin Wegemann (M55/TV Attendorn) 1:35:40.
Stadtmeister Attendorn (Viertel-Marathon) – Frauen (10 im Ziel)
1. Yvonne Fischer (TV Attendorn Tri Time) 0:59:46, 2. Kathrin Köster (ohne Verein) 1:01:24, 3. Irmgard Klein (Team Beulco) 1:02:37.
Stadtmeister Attendorn (Viertel-Marathon), Männer (19).
1. Lothar Fischer (TV Attendorn) 45:29, 2. Daniel Kaufmann (TV Attendorn) 47:20, 3. Christian Springob (Musikzug Ennest) 53:23.

 
 

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