Irfan Buz kehrt zurück nach Olpe - aber nur für 90 Minuten

Irfan Buz
Irfan Buz
Foto: WP
Irfan Buz, der die SpVg Olpe vier Jahre sehr erfolgreich trainiert hat, war am Sonntag erstmals an alter Wirkungsstätte. Der 46-Jährige arbeitet seit August als Co-Trainer von Christoph Daum beim türkischen Erstligisten Bursaspor, einen Heimataufenthalt nutzte er zum Besuch des Spiels Olpe gegen Menden.

Olpe..  Er kam wie ein guter Freund. Wie ein sehr guter Freund. Die vielen herzlichen Umarmungen und das unendlich erscheinende warmherzige Händeschütteln machten deutlich, dass es sich um einen ganz besonderen Gast handeln musste.

Genauer: Es war ein zahlender Besucher, der im letzten viertel Jahr nicht gesehen und trotzdem von jedem erkannt wurde. Sein Name: Irfan Buz. Er ist zurück in Olpe! Aber nur für 90 Minuten.

Es ist 14.19 Uhr an diesem Sonntag, als Buz vor der provisorischen Kasse am Kunstrasenplatz des Kreuzberg-Stadions steht. Er zückt sein Portemonnaie und erwirbt käuflich die Zugangsberechtigung für das Punktspiel der Fußball-Landesliga zwischen der Spielvereinigung und BSV Menden (1:1). Er trägt eine schwarze Winterjacke, einen blauen Schal und blaue Jeans.

Großer Sprung

Vor ein paar Monaten wäre er mit schwarzer Mütze, schwarzem Trainingsanzug und schwarzen Fußballschuhen gekommen. Die Zeiten haben sich geändert. Der Mann, der die SpVg Olpe vier Jahre mit großem Erfolg trainierte, hat am 15. August diesen Jahres den großen Sprung ins Profigeschäft gewagt und unter seinem Chef Christoph Daum beim türkischen Erstligisten Bursaspor angeheuert

Jetzt, 94 Tage später, steht er zum ersten Mal wieder am Rande jenes Platzes, auf dem er lange trainieren und spielen ließ, aber auch in den Wintermonaten mit seinem Team Schnee schaufelte, um üben zu können.

„Es ist so, als ob ich in meine Heimat kommen würde”, sagt er und klatscht jeden Olper Spieler, der sich auf dem Weg zum Anpfiff befindet, ab. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, zumal die Elf, die soeben aufläuft, fast identisch ist mit jener, die Buz damals formte und förderte.

Fotos aus einer anderen Welt

Der Olper Ex-Coach, der einen dreitägigen Urlaub genießt, ist nach einem Testspiel der türkischen Jugend-Nationalmannschaft in Antalya ins heimatliche Meinerzhagen gereist, wo er einige private Angelegenheiten zu erledigen hat. Trotzdem erkundigte er sich bei seiner Ankunft sofort über die Spielansetzung der Olper und entschloss sich zu einem kurzen Abstecher in die Kreisstadt. Buz: ,,Es hat mich gefreut, dass sie ein Heimspiel haben.“

Schnell mischt sich der Trainer unter die Zuschauer, zeigt stolz Bilder von seinen ersten Gehversuchen im Profigeschäft und erklärt sie. Es handelt sich um fantastische Aufnahmen aus einer anderen Welt.

Polizei-Eskorte zum Stadion

Sie zeigen Christoph Daum und Irfan Buz nebeneinander im proppenvollen Stadion von Bursa oder den 46-Jährigen auf der Titelzeitung einer großen türkischen Tageszeitung mit der Überschrift: Buz flippt aus. Die Interessierten, die Irfan Buz am Kreuzberg umlagern, bewundern die Polizeieskorte in Bursa, die den Mannschaftsbus zum Stadion begleitet oder die Tausende von Fans, die ihre Idole bei der Anreise frenetisch begrüßen. Herrliche Bilder, seltene Dokumente.

„Ich lebe meinen Traum“

Buz erzählt, schwärmt und strahlt über beide Wangen. Jeder in seiner Umgebung merkt: Dieser Mann, der von Null auf Hundert durchstartete und schon am dritten Tag als Co-Trainer sein erstes Profispiel hautnah auf der Bank erlebte, ist rundum zufrieden.

„Es sind sensationelle Eindrücke”, sagt er und fügt freudestrahlend hinzu: „Ich lebe meinen Traum.” Und jeder, der ihn hört, merkt: Er lebt tatsächlich seinen Traum. Auf die Frage, ob er den Sprung von einer sicheren Arbeitsstelle in das Haifischbecken schon bereut habe, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Keine Sekunde. Ich liebe den Fußball. Die Arbeit macht viel Spaß.”

Auftrag: Europa-League-Quali

Mittlerweile ist Irfan Buz nach Bursa zurückgekehrt. In der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt 90 Kilometer südlich von Istanbul haben Daum und Buz einen großen Auftrag zu erfüllen: Die Europa-League-Qualifikation. Heißt: mindestens Tabellenplatz sechs.

Aktuell muss sich der Meister von 2010 mit Rang zehn begnügen. Internationale Begegnungen, lautet das anspruchsvolle Saisonziel. Auch deshalb, weil der Klub ein neues Stadion mit einem Fassungsvermögen von 45.000 Zuschauern baut.

Das alte ist bereits mit 28.000 Besuchern ausverkauft. Damit die anspruchsvollen Vorgaben erfüllt werden können, wird sich der Klub in der Winterpause personell verstärken.

Viel zu tun

Es gibt viel zu tun in Bursa. Kaum zu glauben, dass Irfan Buz in der nächsten Zeit im Olper Klubhaus ein frisches Pils genießt - so wie am vergangenen Sonntag. Trotzdem bleibt er dort ein sehr guter Freund.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen