FC Lennestadt verpasst Krönung haarscharf

Die Entscheidung ist gefallen. Dominik Allebrodt sinkt nach seinem verschossenen Elfemeter auf den Rasen und die Bielefelder laufen zu ihrem Torwart.
Die Entscheidung ist gefallen. Dominik Allebrodt sinkt nach seinem verschossenen Elfemeter auf den Rasen und die Bielefelder laufen zu ihrem Torwart.
Foto: WP

Lennestadt/Erwitte..  Welch eine Dramatik, was für ein Film! In einem unvergesslichen Spiel in Erwitte schrammte der FC Lennestadt so knapp an der Fußball-Westfalenliga vorbei, wie es knapper nicht hätte sein können. Mit 3:4 (2:2, 1:0) unterlag der Landesliga-Vize im entscheidenden Relegationsspiel dem VfB Fichte Bielefeld. 500 Zuschauer waren hin- und her gerissen.

Die Geschichte des Nachmittags schrieb Dominik Allebrodt. Die Bezeichnung „Wechselbad“ ist lächerlich für das, was der durchlebte. Er erzielte beide Lennestädter Tore, darunter den 2:2-Ausgleich in der Verlängerung. Als der Bonzeler Junge nur noch Millimeter davor stand, sich endgültig zum Helden des Tages aufzuschwingen, passierte das Malheur. Er verballerte den entscheidenden Elfmeter im Roulette. Nicht nur das: Fichte-Torwart Edin Mujala hielt die Kugel sogar fest.

„Es hat leider nicht sollen sein,“ sagte Allebrodt nach einigen Minuten des Sich-Sammelns und des Getröstetwerdens, um hinzuzufügen: „Wir müssen weiter positiv denken.“

Damit hatte Allebrodt dann doch noch getroffen. Nämlich den Nagel auf den Kopf. Diese Aussage spiegelte nämlich die Gesamt-Stimmung bei den Lennestädtern nach diesem Spiel wider. Wer gedacht hatte, die FCL-Spieler seien tief deprimiert und tränenreich vom Feld geschlichen, sah sich getäuscht. Ihre Körpersprache vermittelte weniger die Trauer über das Verpasste als vielmehr Stolz auf das Geleistete.

„Ich denke, wir haben den Kreis Olpe gut vertreten,“ sagte Matthias Knoche, 1. Vorsitzender des FC Lennestadt und stimmte in das Lob ein, das von allen Seiten auf die Mannschaft einstürmte: „Wir haben mehr erreicht als wir erhofft haben.“

Vor allem die Moral der Truppe hatte es allen Augenzeugen angetan. Wie sehr, das verdeutlicht Knoches Aussage: „Für mich war das 1:2 schon der Knockout,“ gestand er, und drückte damit aus, wie sehr ihm die Art und Weise imponiert hatte, auf die die Mannschaft zurückgekommen sei. Dominik Allenbrodt schaffte tatsächlich noch noch das 2:2 in der 111. Minute.

Dieses Ausgleichstor lag keinesfalls in der Luft. Und es wäre wenig wert gewesen, hätten die Bielefelder zuvor nicht riesige Konterchancen zum 3:1 vergeben, unter anderem gegen den glänzend haltenden FCL-Torwart Steffen Dicke.

Der holte sich mit diesen Glanztaten das nötige Selbstvertrauen für das Elfmeterschießen. Die Ruhe holte er sich, als er in der abgelegensten Ecke des Platzes auf und ab ging, während seine Kameraden vor dem brutalen Elferroulette den Kreis bildeten. Nicht ohne Erfolg: Einen Bielefelder Strafstoß, nämlich den vierten und letzten, entschärfte er. Und er nahm damit Revanche an Ivica Ivicevic. Der hatte Dicke nämlich in der 61. Minute zum 1:1 vom Punkt aus verladen.

Dass es nicht mehr zum fünften Elfer kam, lag an Allebrodts Fehlschuss. Danach stürmte alles, was aus Bielefeld war, auf Torwart Edin zu. Die Westfalenliga war erreicht. Nach dem Neu-Zweitligisten Arminia hat Bielefeld einen zweiten Aufsteiger in seinen Stadtmauern.

Für den FC Lennestadt geht es in der gewohnten Umgebung weiter. Und das grämte niemanden so wirklich. „Wir sind ja heute nicht abgestiegen,“ erinnerte Matthias Knoche an das hohe Niveau, auf dem man gescheitert sei. Immerhin erreichte der FCL diese Fast-Krönung als Landesliga-Neuling.

Doch warum war es nur eine Fast-Krönung? Fakt ist: Fichte Bielefeld hatte nicht das Kaliber wie der BV Brambauer, der erste Relegationsgegner vom Donnerstag. Gegen die Elf vom Teutoburger Wald wäre gestern was drin gewesen, und es sah auch gut aus, als Allebrodt erstmals traf. In der 30. Minute jagte er den Ball flach zum 1:0 ins lange Eck.

Das Spiel blieb ausgeglichen, hätte aber in der 53. Minute vorentschieden sein müssen. Da landete ein langer Abschlag von Steffen Dicke ohne Zwischenstation bei Moritz Thöne. Der hob die Kugel auch mustergültig in den Himmel, zielte aber dabei auch über das Tor.

Ein Elfmeterpfiff half den Bielefeldern in die Verlängerung, Schiri Fabian Maibaum aus Hagen hatte einen ausgefahrenen Ellbogen eines Lennestädter Abwehrspielers gegen einen Fichte-Stürmer gesehen. Ivica Ivicevic traf zum 1:1.

Jedem war klar: Die 2x15 Minuten, die jetzt folgen sollten, würden über die Kondition entschieden. Und als Milaim Bobaj ein total vermeidbares 2:1 erzielte, schien das die Entscheidung zu sein bei den hohen Temperaturen. Doch der FC Lennestadt kam zurück...

 
 

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