Andreas Hebbeker: „Sonst muss ich mich eben aufteilen“

Immer am Ball: Steffen, Andreas und Christoph Hebbeker (von links).
Immer am Ball: Steffen, Andreas und Christoph Hebbeker (von links).
Foto: WP
Eine Premiere in unserer Serie: Denn diesmal berichteten wir nicht über ein Fußball-Duo, sondern ein Trio.

Lennestadt..  Denn auch Steffen Hebbekers gleichermaßen erfolgreicher Bruder Christoph stand uns Rede und Antwort. Also heißt es in diesem Fall: „Vater und Söhne“.

Für Steffen Hebbeker ist am Sonntag ein besonderes Spiel. Das Landesliga-Derby zwischen dem FC Lennestadt und Meister SpVg Olpe. Hebbeker spielt dann gegen seinen künftigen Verein.


Hallo Steffen: Nach sechs Jahren kehrst Du in der kommenden Saison vom FC Lennestadt zur SpVg Olpe zurück. Warum?
Steffen Hebbeker: Zum einen ist es die Herausforderung Westfalenliga. Ich freue mich darauf, in der besten Mannschaft des Kreises Olpe zu spielen. Zum anderen hat die Entscheidung einen persönlichen Grund: Ich werden demnächst in Olpe wohnen.


Kannst Du Dir auch irgendwann mal eine Rückkehr zum FC Lennestadt vorstellen?
Steffen Hebbeker: Jederzeit, weil dort sechs Jahre alles in Ordnung war. Es hat mir hier sehr viel Spaß gemacht, Fußball zu spielen. Auch mit dem Vorstand hat es immer faire Gespräche gegeben.
Andreas Hebbeker: Wegen seines Wechsels hat es überhaupt keinen Knatsch gegeben.


Lachendes und weinendes Auge

Wäre ein Wechsel nach Olpe auch für Dich interessant, Christoph?
Christoph Hebbeker: Es ist schade, dass Steffen geht, aber ich kann ihn vollkommen verstehen. Ich habe allerdings kein Interesse daran. Einen Wechsel innerhalb des Kreises Olpe schließe ich aus. Ich würde höchstens aus beruflichen Gründen zu einem Verein außerhalb des Kreises Olpe wechseln oder wenn ich weiter weg studieren würde.


Wie sehen Sie es, dass sich die sportlichen Wege Ihrer Söhne trennen werden, Herr Hebbeker?
Andreas Hebbeker: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich freue mich für Steffen, dass er in der Westfalenliga spielen kann, und ich traue ihm das auch zu. Ich hoffe nur, dass sich die Heimspiele von Olpe und des FC Lennestadt zeitlich nicht überschneiden. Sonst muss ich mich eben aufteilen, denn ich möchte natürlich gerne so viele Spiele wie möglich von beiden sehen. Auf jeden Fall werde ich jetzt wieder zeitlich mehr Opfer bringen müssen. So wie damals, als beide in der Kreisauswahl spielten. Da war ich sehr oft zwischen Langenei und Olpe unterwegs.


Wie viele Stunden waren Sie denn so für Ihre Söhne damals in Sachen Fußball unterwegs?
Andreas Hebbeker
: So grob gerechnet, etwas zehn Stunden in der Woche. Aber das habe ich natürlich immer gerne gemacht.
Steffen Hebbeker: Das war manchmal schon stressig. Im ersten Jahr der B-Jugend ging es mit dem Bus von Kickenbach nach Olpe. Zurück holten mich meine Eltern ab. Im zweiten Jahr hatten wir eine Fahrgemeinschaft mit Jan Prothmann, der aus Saalhausen kommt.


Andreas Hebbeker: Das war auch für mich und meine Frau wichtig. Deshalb hat Steffen zu B-Jugendzeiten auch eine Einladung von Schalke 04 zu einem Sichtungslehrgang ausgeschlagen. Das hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt. Und ob er bei einem Kader von 30 Spielern zum Zuge gekommen wäre, ist auch fraglich. So wie es gekommen ist, damit bin ich voll zufrieden..


Warst Du sauer darüber?
Christoph Hebbeker: Sicher hat mir das Tore schießen etwas gefehlt. Aber sauer war ich nicht. Wenn man vom FC Langenei/Kickenbach zum FC Lennestadt kommt, ist man froh, wenn man überhaupt spielen darf.
Andreas Hebbeker: Bei mir war es ähnlich. In der Jugend war ich immer Mittelstürmer. Vereinsintern war ich mit rund 20 Toren fast immer Torschützenkönig. Dieter Richard hat mich dann bei RWL zum Verteidiger umfunktioniert, meistens mit Sonderaufgaben. Das hat mir auch Spaß gemacht. Wir hatten im Sturm auch Leute wie Spiry Vormweg, Edgar Plaßmann oder Franz Vetter, die das mit dem Tore schießen besser konnten.


Was war das schönste Erlebnis in t beim FC Lennestadt?
Steffen Hebbeker: Ganz klar der Landesliga-Aufstieg 2012 und natürlich das Westfalenliga-Spiel gegen den Drittligisten Preußen Münster vor 2500 Zuschauern im November 2011.
Christoph Hebbeker: Überhaupt war die ganze Aufstiegs-Saison eine tolle Zeit. Da bildete sich auch die Mannschaft heraus, die auch aktuell den Kader der Landesliga-Mannschaft bildet.
Andreas Hebbeker: Auch hier gibt es eine Parallele. Ich hatte ebenfalls solch ein sportliches Highlight. Das war am 21. Juli 1987 das Ablösespiel für Spiry Vormweg gegen Borussia Dortmund, unter anderm mit Marcel Raducanu, auf dem Olper Naturrasen. Und dann war da der Durchmarsch mit RW Lennestadt von der Bezirks- in die Verbandsliga in den Jahren 1986 und 1987.

Bittere Niederlage gegen Bielefeld

Und was war das Negativ-Erlebnis?
Steffen Hebbeker: Ganz klar der verpasste Westfalenliga-Aufstieg 2013 mit der Niederlage im Relegationsspiel gegen Fichte Bielefeld, zumal ich im Elfmeterschießen auch selbst verschossen habe.
Christoph Hebbeker: Ich fand es nicht so schlimm, dass wir das Spiel verloren haben. Wenn wir aufgestiegen wären, hätten wir in der kommenden Westfalenliga-Saison große Probleme bekommen.


Herr Hebbeker. Nach ihrer aktiven Karriere waren Sie als Fußball-Funktionär aktiv. Neun Jahre waren Sie Vorsitzender der Kreisspruchkammer und von 2004 bis 2010 FLVW-Kreisvorsitzender. Was waren die Höhepunkte Ihrer Arbeit als Kreisvorsitzender?
Andreas Hebbeker: Damals haben wir viele Kunstrasenplätze gebaut. Das war wichtig für den ganzen Kreis Olpe. Die anstrengendste Sache war die Geschichte mit Thorben Siewer, der vom DFB als Schiedsrichter lange gesperrt wurde. Zum Glück haben wir das aus der Welt geschafft. Ich bin noch im Verwaltungsrat des FLVW tätig, dem zweithöchsten Gremium des Verbandes nach dem Präsidium. Zwischendurch war ich auch mal in einem Gremium beim DFB. Man kann mich ruhig einen Funktionär nennen. Ich lege aber Wert darauf, dass uns ein Blatter-haftes Verhalten beim Verband fremd ist (lacht).


Wie habt Ihr das Wirken Eures Vaters als Kreisvorsitzender erlebt?
Christoph Hebbeker: Aufregend war, dass der Papa so oft in der Zeitung war und wir etwas über ihn lesen konnten. Da wussten wir immer, wo er war. (lacht).


Könnt Ihr Euch vorstellen, auch hier in die Fußstapfen Eures Vaters zu schlüpfen?
Steffen Hebbeker: Nein, das schließe ich aus. Aber Trainer zu werden, kann ich mir sehr gut vorstellen.
Christoph Hebbeker: Das gilt auch für mich. Ich würde gerne mal als Trainer arbeiten.


Welche Rolle spielt der Fußball im Hause Hebbeker?
Andreas Hebbeker: Bei uns wird viel über Fußball gesprochen. Sehr zu Leidwesen meiner Frau Maria und meiner Tochter Anna (17). Sie winkt dann immer ab – immer Fußball. Anna ist Tänzerin. Meine Frau kommt auch oft mit zu den Spielen mit, aber hat sonst nicht viel mit Fußball zu tun. Sie ist Übungsleiterin zum Beispiel für Step-Aerobic bei der TSG Lennestadt und beim TV Langenei.


Zurück zur Gegenwart: Am Sonntag tragt Ihr zu letzten Mal in einem Derby gegen Olpe gemeinsam das Trikot des FC Lennestadt. Was ist das für ein Gefühl?
Christoph Hebbeker: Es ist schon etwas komisch. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns mal gegenüber stehen. Zum Beispiel im Kreispokal. Pokalspiele zwischen dem FC Lennestadt und der SpVg Olpe haben in den letzten Jahren ja durchaus Tradition.

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