Von Laubfröschen bis zum Sonnengruß

Johannes Kruck
Die Herkunft und Bedeutung der Sportvereins-Namen im Kreis Kleve ist vielen kaum bekannt.
Die Herkunft und Bedeutung der Sportvereins-Namen im Kreis Kleve ist vielen kaum bekannt.
Foto: NRZ
Warum nennt sich ein Tennisclub in Kervenheim Keckfoars? Weshalb heißt ein Klub in Wemb Germania, einer in Pfalzdorf Alemannia und einer in Kleve Merkur? Was bedeutet eigentlich Rhenania, Rheinwacht und Rheingold? Die NRZ ging auf Spurensuche.

Kreis Kleve.  „Sportvereins-Namen sind ein spannendes Thema. Da könnte man eine Doktorarbeit drüber schreiben“, sagt Dr. Georg Cornelissen.

Der aus Winnekendonk stammende Sprachwissenschaftler ist Dialektologe in Diensten des Landschaftsverbandes Rheinland. Er nahm für die NRZ Kleve jetzt einige Vereinsbezeichnungen unter die Lupe und machte Angaben zur möglichen Herkunft.

Ursprünge der Bezeichnungen von den Klubs in unserer Region finden sich im Lateinischen, Griechischen, Englischen, Italienischen aber auch Japanischen und sogar im niederrheinischen Dialekt.

Doch es gibt auch Sportvereine, die nach Generälen, Sportlern oder sogar einem Pastor benannt sind – andere beziehen ihre Herkunft aus Straßen- oder Flussnamen und einer sogar aus einer Fernsehserie.

Ortsneckname übernommen

Besonders angetan haben es Cornelissen zwei Vereine aus einem Nachbarort von Winnekendonk: Der Tennisclub Keckfoars Kervenheim 1982 und der Billardclub Laubfrosch Kervenheim 1951. „Beide heißen eigentlich identisch, denn Keckfoars heißt Frosch auf Platt. Und der Frosch ist der Ortsneckname von Kervenheim.“

Die beiden Club-Vorsitzenden kennen auch die Herkunft und Besonderheit der Namen. „Natürlich werden wir auch von Gegnern häufiger angesprochen, was Keckfoars überhaupt heißen soll“, erzählt der Tennisclub-Vorsitzende Willi Meier-Ebert. Und auch Michael Brouwers, der den Kervenheimer Billardclub vor vier Jahren wieder zum Leben erweckt hat, erklärt: „Der Name ist schon ungewöhnlich, aber ich wollte den Ursprungsnamen weiterleben lassen. Und schließlich ist der Frosch ja als Wappentier auch auf unserem Vereinswimpel.“

Lateinische Ursprünge

Dr. Cornelissen bündelt mehrere Vereinsnamen in Gruppen ihrer Herkunft. Angefangen in seinem Heimatort bei der Viktoria aus Winnekendonk: „Das ist lateinisch und bedeutet Sieg oder Siegesgöttin“.

Doch auch weitere Vereine im Kreis Kleve tragen lateinische Namen: So gibt es neben der Viktoria in Goch bekanntlich die Concordia, was Eintracht bedeutet. Und auf das „Glück“ setzt wohl vor allem die Fortuna aus Keppeln. Auch DJK Rhenania Kleve hat einen ähnlichen Ursprung: „Rhenania ist lateinisch für Rheinland – solch eine Bezeichnung kann es also nur bei uns in der Gegend geben“, erläutert Cornelissen. In diesem Zusammenhang erinnert er an den Verein TuS Gelria 09, der die lateinische Bezeichnung von Geldern aufgreift. In Emmerich gab es im vergangenen Jahrhundert den FC Embrica 1904 – die lateinische Bezeichnung für Emmerich. „Entsprechend könnte es in Kleve einen Sportverein mit dem Namen Clivia geben“, schlägt der Sprachwissenschaftler vor.

Auch der Schießsportverein SC Telum Kevelaer wählte vor 41 Jahren einen lateinischen Namen aus: Telum bedeutet Wurfgeschoss.


In Kleve gibt es einen Sportverein, der nach einem römischen Gott benannt ist: VfL Merkur Kleve. „Merkur bezeichnet den Gott der Kaufleute. Denn unser ursprünglicher Verein setzte sich aus Leuten zusammen, die im kaufmännischen Bereich tätig waren“, erklärt Wolfgang Graß, der 17 Jahre lang Merkur-Vorsitzender war.

Nach Achilles, dem beinahe unverwundbaren Helden der Griechen, nennt sich der bekannte Fußballverein im benachbarten niederländischen Ort Groesbeek. Wohl auch der griechischen Mythologie entstammt der Name Sparta Uedemerbruch, einer der Vorgängervereine von DJK Labbeck-Uedemerbruch.

Cosmos ist altgriechisch und steht für (Welt-) Ordnung oder auch militärische Ordnung – kein Wunder also, dass sich wohl aus einer Betriebssportmannschaft der Bundeswehr der Freizeitsportverein Cosmos Goch 1997 gründete. „Vielleicht dachten sie bei der Namensgründung ja auch den den berühmten verein Cosmos New York, wo einst Pele und Franz Beckenbauer spielten“, vermutet Dr. Cornelissen.

Neuerdings Anglizismen

Neueren Ursprungs sind Namen, die sich der englischen Sprache bedienen, wie die Niers-Runners Wachtendonk und die Speed-Kröten aus Kalkar. Wobei in letzterer Bezeichnung eine gewisse Selbstironie mitschwingt – wie auch bei den Laufvereinen Schnecke Sonsbeck und dem Lauftreff Lahme Ente.

Tierische Namensgebung

Tierisch geht’s auch beim Kampfsport zu: Der Budo-Sportverein Roter Drache Kleve hat natürlich das feuerrote Fabelwissen in seinem Wappen. Beim Schwimm-Club Delphin Geldern wird vermutlich nicht nur Delphin geschwommen. Fliegende Radfahrer scheint es in Kervenheim zu geben – Falke heißt der dortige Radsportverein.

1953 gründete sich der Billardverein „Zum grünen Brett Hau“, der vor fünf Jahren zu Grün-Weiß Kleve-Hau fusionierte. „Der Name kommt daher, weil wir immer auf grünen Tüchern gespielt haben“, erläutert der Vorsitzende Wolfgang Pröpper und ergänzt, „heute wird gerne auf blau gespielt, rot ist aber auch möglich“.

Viele Kampfsportvereine haben sich japanische Namen ausgewählt, wie der Judo-Club Asahi Kleve: Asahi heißt „aufgehende Sonne“. Kaiten aus Bedburg-Hau bedeutet Rückflug in den Himmel (bei dessen Vorgängerverein Nin Tai Hasselt müsste man Nin Tai mit „Übe Geduld!“ übersetzten) und bei Kempo Kleve, bezeichnet Kempo das Gesetz der Faust.

Aus dem Italienischen

Auch einen Verein mit italienischen Wurzeln gab es viele Jahre im Kreis Kleve: Die Hobbyfußballmannschaft Squadra Azzura (italienisch= blaue Mannschaft) wurde in den 90er Jahren zum offiziellen Fußballverein Unione Sportiva (US) Italia Goch, in dem aber nicht nur Italiener auf Torejagd gingen.

Ungewöhnlich im Kreis Kleve ist der Name von Arminia Kapellen-Hamb. Bekannt ist Arminia eher durch den Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld. Kein Wunder: Der Name Arminia ist die erst im 19. Jahrhundert aufgekommene weibliche Form von Arminius und bezieht sich auf den legendären Cheruskerfürsten Arminius (Hermann, der Cherusker), dem 1875 nahe Detmold im Teutoburger Wald ein 53,46 Meter hohes Denkmal gesetzt wurde.

Genau vor 50 Jahren entschieden sich in Wemb die Gründungsmitglieder des örtlichen Sportvereins für die Bezeichnung Germania. Seit dem Mittelalter galt Germania als die nationale Personifikation Deutschlands. Der Pfalzdorfer Sportvereinsname Alemannia steht wohl für die antike und frühmittelalterliche Bevölkerungsgruppe der Alamannen (Alemannen), die dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet wird.

Einen deutlichen Ortsbezug in die Schwanenstadt Kleve hatte der VfB Lohengrin Kleve, einer der Vorgängervereine des 1. FC Kleve. In Anspielung auf die Schwanenrittersage trug der Verein – wie auch die Kreisstadt – den Schwan als Wappentier.

Ein Drache ist logischerweise das Wappentier des Lokalrivalen Siegfried Materborn – die bekannte Sagengestalt des Mittelalters aus dem Nibelungenlied stammt jedoch laut der Sage aus der Römerstadt Xanten. Siegfried tötet einen Drachen, in dessen Blut er badet und dadurch – mit Ausnahme einer Stelle zwischen den Schulterblättern, auf die ein Lindenblatt fällt – unverwundbar wird.

Interessant ist auch der Name Rheingold (Emmerich) „mit Bezug zur Oper von Richard Wagner“, wie Dr. Cornelissen vermutet. 1929 wurde die Erfgener Rheinwacht gegründet. Das damals sehr bekannte deutsche Nationallied „Die Wacht am Rhein“, könnte bei der Namensgebung eine Rolle gespielt haben, meint Dr. Cornelissen. Und dass sich nur wenige Kilometer nördlich der Rheinwacht etwa zur gleichen Zeit ein Verein mit dem Namen Nordwacht (Keeken) gründete, könnte laut dem Sprachwissenschaftler durchaus zusammenhängen.

Geografische Ursprünge

Wohl wegen der Ortslage direkt am Rande des Reichswaldes wählten die Kicker des TuS Frasselt den Beinamen Waldfreunde aus. Ganz klaren Bezug zum vorbeifließenden Gewässer hat der Billardclub Zur Spoy Brienen sowie der Petanque-Club Niersbouler.

Positive, dynamische und vor allem anspornende Namen führen der 1909 gegründete FC Vorwärts Schenkenschanz sowie BV Sturm Wissel und Tornado Rees. Den Gemeinschaftssinn ihres Sports betonen Eintracht Twisteden, Unter uns Uedem und Union Kervenheim.

Generäle als Namenspatrone

Eine besondere Gruppe der Vereinsnamen bilden traditionell viele Reitervereine, die sich nach Kavallerie-Generälen benennen. Beispiele aus dem Kreis Kleve sind von Bredow Keppeln, Lützow Louisendorf, Seydlitz Kalkar, Blücher Pfalzdorf, von Driesen Asperden-Kessel und Graf von Schmettow Weeze. Der Reiterverein St. Georg Winnekendonk bezieht sich auf Georg als Schutzheiligen, unter anderem für Reiter.

Turnvater Jahn und ein Pastor

Auch andere Vereine haben Personen als Namenspatronen: Nach Friedrich Ludwig Jahn, auch „Turnvater Jahn“ genannt, dem Initiator der deutschen Turnbewegung, ist der Turnverein Jahn Emmerich-Vrasselt benannt.

Der Badminton-Verein Nöllekes Badmäns 11 hat auch eine hochinteressante Herkunft: Nöllekes stellt den Bezug zur Gocher Kirchengemeinde Arnold (genannt: Nöll) Janssen her, Badmäns nennen sich die Federballspieler, die ihrem Namen zudem das Gründungsjahr (2011) angehängt haben.

Umgangssprachlich sagt man, wenn man Glück hatte, man habe „Massel“ gehabt (Massel ist hebräisch und bedeutet Glück) – deshalb heißt ein Issumer Dartclub Massel Tops Issum. Der benachbarte Dartverein nennt sich Triple Inn Issum, wobei Triple (wie auch Tops) einen Bereich auf der Dartscheibe bezeichnet. Das „Inn“ ist zusammengezogen aus zweimal dem Wort „in“, denn zunächst lautete der Name Tripel In in Issum.

Vorbild Glasgow Rangers

Völlig anderer Herkunft ist der Name des Gocher Sportvereins FC Georgius 2000: Hobbyfußballspieler der Georgiusstraße gaben sich im Jahr 2000 diesen Namen und gründeten einen offiziellen Verein.

Vor über 20 Jahren gründeten sich die Goch Park Rangers – Fußballer aus Goch, die früher in Parks der Weberstadt kickten und den schottischen Verein Glasgow Rangers als Namensquelle nahmen.

Und sogar eine Fernsehserie aus den 80er Jahren hatte offensichtlich großen Einfluss auf einen Sportverein im Kreis Kleve: Seitdem gibt es die Dart Simpsons Straelen.

Einen fast schon romantischen Namen trägt der Gocher Sportverein Sonnengruß. Die Vorsitzende Birgit Thielen klärt auf: „Unser Verein bietet eine Mischung aus Yoga und Pilates. Der Sonnengruß ist die klassische Eröffnung des Yoga. Und da wir im Gocher Kindergarten Pusteblume trainieren, passt der Name Sonnengruß doch auch ganz gut.“