Manni macht Schluss

Beim letzten Heimspiel gegen Herongen übergab Appeldorns Coach Manni Priewe den Staffelstab an seiner Nachfolger, den bisherigen Co-Trainer Jens Hoffmann.
Beim letzten Heimspiel gegen Herongen übergab Appeldorns Coach Manni Priewe den Staffelstab an seiner Nachfolger, den bisherigen Co-Trainer Jens Hoffmann.
Foto: Kleve
Nach 43 Jahren als Spieler, Spielertrainer und Trainer hört DJK Appeldorns Coach Manni Priewe endgültig mit den Fußball auf. Ein Rückblick auf eine bewegte Laufbahn.

Appeldorn..  An einem Sommertag vor drei Jahren saßen Manni Priewe und seine Frau Ingrid in ihrem Garten in Materborn und genossen das schöne Wetter. Priewe hatte ein paar Wochen zuvor seine Trainerlaufbahn beim SV Rindern beendet. Der Klever, damals 57, war 40 Jahre lang für sein Hobby Fußball unterwegs gewesen, 29 Jahre davon als Trainer. Damit sollte jetzt also Schluss sein.

Da kommen plötzlich Sven Wolff, der Vorsitzende der DJK Appeldorn, und sein Stellvertreter Thomas van Wickeren, einst Priewes Spieler bei Concordia Goch, um die Ecke. Sie wollen Priewe überreden, den B-Ligisten Appeldorn zu übernehmen. Und weil sie wissen, dass es dazu auch den Segen seiner Frau Ingrid braucht, haben sie einen großen Blumenstrauß mitgebracht.

Manni und – was vielleicht noch viel wichtiger war – auch Ingrid Priewe haben damals nach etwas Bedenkzeit Ja gesagt. Und so musste der fußballerische Ruhestand dann doch noch ein wenig auf sich warten lassen. Aber jetzt, nach einem DJK-Aufstieg und einer starken Premierensaison in der A-Liga, ist nun wirklich Schluss für Priewe. Am Sonntag, bei Appeldorns Saisonkehraus in Labbeck, wird der heute 60-Jährige zum letzten Mal in verantwortlicher Position an der Seitenlinie stehen.

An einem Frühsommertag in dieser Woche sitzen Priewe und seine Spieler nach dem Training noch bei einer Flasche Bier zusammen. „Kameradschaft ist das A und O im Fußball“, sagt Priewe. Deswegen freut er sich auch auf die blau-weiße Nacht, bei der er am Samstag in einer Woche mit den alten Mitspielern vom Sportclub Kleve 1863 zusammensitzen und sich an die alten Zeiten erinnern wird.

Bei den Blauen begann Priewe seine Laufbahn. Mit 17 Jahren kam er zu den Senioren und machte die letzten Spiele in der Verbandsliga mit. Den Abstieg konnte er zwar nicht verhindern, aber in der folgenden Landesliga-Saison schoss er 33 Tore. Eine solche Quote blieb auch damals nicht lange verborgen. Ein Probetraining in Uerdingen, ein Probetraining bei Fortuna Düsseldorf. Schließlich wechselte Priewe zum niederländischen Erstligisten NEC Nimwegen.

Im ersten Spiel für Nimwegen hieß der Gegner: Ajax Amsterdam. Obwohl Johann Cruyff gerade nach Barcelona gegangen war, hatte Ajax damals eine absolute Startruppe beisammen. Priewes Gegenspieler war Hollands Nationalverteidiger Barry Hulshoff. „Ich glaube, ich hatte drei Ballkontakte“, lacht der Schnauzbartträger. Das Spiel endete 1:1 und „war sicherlich das schönste Spiel meines Lebens.“

Wobei das Derby gegen den VfB Kleve in der Saison 1972/73, als Priewe nach seiner Rückkehr in die Schwanenstadt fünf Tore zum 6:5-Sieg seines SC beisteuerte, auch nicht weit dahinter rangiert. Überhaupt die Derbys: „Das waren immer ganz besondere Spiele.“

Priewe hat viele ausverkaufte Stadien und eine Menge von der Fußballwelt gesehen: Ob in der Zweiten Liga mit Schwarz-Weiß Essen oder in der Oberliga – damals noch die dritthöchste deutsche Spielklasse – mit Olympia Bocholt, wo er Torschützenkönig wurde („Das war meine schönste Zeit als Spieler“). Trotzdem hat er seine Heimatstadt Kleve nie verlassen. „Natürlich gibt es einige, die sagen: ,Manni, Du hättest viel höher spielen können’“, sagt Priewe. „Und vielleicht stimmt das auch, aber ob ich dann glücklicher wäre? Das weiß ich nicht.“

Eine Rückkehr? „Ausgeschlossen“

Einmal hatte er ein Angebot aus den USA, ein andermal eines aus Belgien. „Da hatte ich mir schon ein Häuschen angeguckt, aber schon auf der Rückfahrt kam ich ins Grübeln.“ Priewe, der als Hausmeister für die Stadt Kleve arbeitet, hat das Angebot abgelehnt.

Wer mit Priewe nach dem Training im Vereinsheim sitzt, der lernt einen Menschen kennen, der wunderbar über den Fußball reden kann. Wie er mal war und wie er heute ist. Der größte Unterschied? „Früher gab es nur den Fußball. Heute ist das Freizeitangebot viel größer. Als Trainer musst du dich heute viel mehr mit den Spielern beschäftigen, als früher.“

Priewe ist zufrieden mit sich und seinem Leben. Das merkt man schnell, wenn man mit ihm spricht. Hat er denn gar keine Angst, in ein Loch zu fallen, wenn er nicht mehr drei Tage die Woche auf dem Fußballplatz steht? „Nein, ich habe mir das lange überlegt und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, zu gehen.“ Er hinterlässt eine funktionierende Mannschaft, Co-Trainer Jens Hoffmann, der sein Nachfolger wird, sei „genau der richtige Mann“. Im August wird er ihn bei ein paar Trainingseinheiten vertreten. Aber eine Rückkehr ins Trainergeschäft sei „ausgeschlossen“.

Seine Frau Ingrid, die drei Töchter und drei Enkelkinder wird das freuen. Viele andere werden den Trainer Manni Priewe vermissen.

 
 

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