„Ich verwarne Ihnen“ – „Ich danke Sie!

Willi Lippens heute vor seinem Restaurant in Bottrop.
Willi Lippens heute vor seinem Restaurant in Bottrop.
Foto: WAZ FotoPool
Willi „Ente“ Lippens kommt als Talkgast zum 85-jährigen Jubiläum von Nordwacht Keeken. Der Ex-Nationalkicker ist immer für einen lustigen Spruch gut.

Kleve..  „Ich danke Sie“, heißt der Fußball-Talk, zu dem der Sportverein Nordwacht Keeken anlässlich seines 85-jähriges Bestehens am kommenden Samstag, 6. Juli, ab 18 Uhr ins Keekener Schützenhaus einlädt.

Stargast des Abends ist der aus Kleve stammende ehemalige Fußballprofi Willi Lippens, der diese drei berühmt gewordenen Worte schon vor über 40 Jahren gesprochen hat: Als er mit seinem Club Rot-Weiss Essen im Jahr 1965 im Regionalliga-Spiel bei Westfalia Herne spielte, verwarnte ihn der Schiedsrichters mit den Worten: „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen“. Der Verwarnte entgegnete schlagfertig: „Herr Schiedsrichter, ich danke Sie!“ Prompt wurde er des Feldes verwiesen und erhielt anschließend eine 14-tägige Sperre wegen respektlosen Verhaltens.

Nach seiner Karriere als Fußballer eröffnete Willi Lippens in Bottrop ein Restaurant und nannte dieses in Anlehnung an sein Zitat, das schon Kultstatus erlangt hat „Ich danke Sie!“.

Auch Dietmar Schott kommt

So lautet auch der Titel des Buches, das Lippens gemeinsam mit dem früheren WDR-Sportchef Dietmar Schott herausgebracht hat. Beide kommen am Samstag nach Keeken und „philosophieren“ über Fußball. Ab seinem zehnten Lebensjahr kickte der heute 67-Jährige für den VfB Kleve und erinnert sich sogar noch an Spiele gegen Nordwacht Keeken: „Die waren ja nicht so gut wie wir und haben meistens den Hintern voll gekriegt...“

Lippens gilt als „Original“, das nie um einen Spruch verlegen ist. Er trägt den Spitznamen „Ente“, den er seinem charakteristischen Laufstil verdankt, der etwas an den Watschelgang einer Ente erinnerte. Er selber springt gerne auf diesen Zug auf: „Ich habe in Holland mit meinen Füßen alle Berge platt getreten.“

Vor einem Gastspiel von Bayern München in Essen machte die Ulknudel, wie der Münchner Torwart Sepp Maier einmal berichtete, den Vorschlag, bei einem Abschlag der Bayern solle Maier zur Belustigung der Zuschauer den Ball auf Lippens spielen, er spiele diesen dann auch wieder zurück, worauf sich Maier jedoch nicht einließ...

Geboren in Hau

Geboren wurde Willi Lippens 1945 in Hau, in Kleve wuchs er auf. Seine Mutter war Deutsche, sein Vater Niederländer – er selber hatte einen niederländischem Pass.

Aus seiner Klever Jugendzeit stammt auch die Überlieferung, dass er in einem Jugendspiel, um endlich einmal ein Kopfballtor zu machen, den Ball im Handstand mit der Stirn über die Linie beförderte. Lippens selber bestätigte dies gestern der NRZ und ergänzte: „Das war beim SuS Kalkar. Schiedsrichter war übrigens der FDP-Politiker Jürgen Möllemann, der mir später mal sagte, er hätte das Tor eigentlich zurücknehmen müssen, weil sich so etwas nicht gehört.“

Im Jahr 1971 absolvierte Lippens ein Länderspiel für die Niederländische Fußballnationalmannschaft, bei dem er das erste Tor zum 6:0-Sieg gegen Luxemburg erzielte. Er fühlte sich aber offensichtlich als Deutscher: Seiner Nichtnominierung in den niederländischen Kader zur WM 1974 kommentiert der 67-Jährige so: „Mit mir wäre 1974 Holland und damit nur ein Deutscher Weltmeister geworden!“

Und auch der damalige Bundertrainer Helmut Schön war von seinen Qualitäten überzeugt: „Lippens hat alles – nur nicht den richtigen Pass.“

Er war ein klassischer linker Flügelstürmer mit herausragender Dribblingqualität. Als 19-Jähriger wechselte er von Kleve zu Rot-Weiss Essen, wo er von 1965 bis 1976 sowie von 1979 bis 1981 spielte.

Geschummelt bei seinem Debüt

Legendär ist auch, wie das Schlitzohr in die RWE-Stammelf kam: „Irgendwann in der Vorbereitungsphase war der Linksaußen krank. Darum durfte ich spielen – in der Spitze. Wir gewannen 7:1, ich schoss fünf Tore. Der Trainer fragte nach, auf welcher Position ich in Kleve gespielt hätte. Linksaußen, sagte ich. Das war nicht so, ich war Rechtsaußen, manchmal offensiver Mittelfeldspieler. Aber weil der Linksaußen krank war, glaubte ich auf diese Art eine Chance zu bekommen. So wurde ich Linksaußen.“

Auch für Borussia Dortmund ging der Stürmer auf Torejagd und wagte danach einem kurzen Abstecher zum US-amerikanischen Club Dallas Tornado. Insgesamt kommt Lippens auf 242 Bundesliga-Spiele, in denen er 92 Treffer erzielte. Und es hätten noch mehr sein können: Lippens: „Ich habe nie eine Torchance überhastet vergeben. Lieber habe ich sie vertändelt.“

Ehrungen und eine Rot-Weiße Nacht

Nordwacht-Vorsitzender Reiner Albers wird nach dem Talk mit Willi Lippens zahlreiche Vereinsehrungen vornehmen. Anschließend startet die Nordwacht-Party mit Unterstützung des „GeNet-Teams“ in die große Rot-Weiße Nacht. Eine Tombola mit einem Strandkorb als Hauptpreis rundet das Programm ab. Für Verpflegung ist gesorgt.

 
 

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