„Ich bin mehr als zufrieden“

Wolfgang „Kröller" Dedic kickte unter anderem für den MSV Duisburg und den VfB Kleve.
Wolfgang „Kröller" Dedic kickte unter anderem für den MSV Duisburg und den VfB Kleve.
Foto: Kleve
Wolfgang „Kröller“ Dedic feiert am Mittwoch, 17. Dezember, seinen 50. Geburtstag. Im Rückblick auf seine Karriere erzählt er von Verpasstem, Autogrammwünschen und seinem unglaublichen Traumtor gegen Nationalkeeper Oliver Kahn

Kleve..  Wenn am 21. Dezember, vier Tage nach seinem 50. Geburtstag, ihm seine alten Weggefährten möglicherweise ein Ständchen bringen, denkt er vielleicht über sein bewegtes, aber auch verpasstes Fußballer-Leben nach.

Denn, „es war mein größter Fehler, 1982 wieder zum VfB Kleve zurückzukehren. Trotzdem bin ich mit meiner Karriere mehr als zufrieden, da ich in der Bundesliga spielen konnte“, gibt der Jubilar unumwunden zu. Aber der Reihe nach.

Als ein Spross von sieben Geschwistern einer jugoslawischen-deutschen Familie, geboren und aufgewachsen in Kleve, begann er bei den E-Knaben des VfB unter der Leitung des Trainers Willi Wennekers, wo er bis zur B-Jugend blieb. In dieser Jugendzeit erhielt Wolfgang Dedic seinen Spitznamen „Kröller“ wegen seiner gelockten Haarpracht, eben auf bestem Klever Deutsch (Platt): „kröllig“.

Entdecker „Pille“ Gecks

Seine Schnelligkeit und sein ausgeprägter Torinstinkt blieb nicht im Verborgenen. Der Ex-Profi des MSV Duisburg, Horst „Pille“ Gecks, selbst ein ausgewiesener Trainerfuchs, entdeckte Dedic und gab seinen alten MSV-Kumpels den entscheidenden Hinweis. So heuerte Dedic als B-Jugendlicher beim MSV an. „NEC Nimwegen unterbreitete mir auch ein lukratives Angebot, ich wollte aber in den Auswahlmannschaften weiter spielen, dafür musste man damals in Deutschland bleiben“, erklärt „Kröller“ seinen Entschluss nachträglich.

Bei den „Zebras“ wurde er Stammspieler in der A-Jugend und ging in der Niederrheinliga auf Torejagd. In der Niederrhein-Auswahl – beziehungsweise der Westdeutschen Auswahl – spielte er immer rechter Verteidiger, seltsamerweise nie Stürmer. Er nahm auch an Lehrgängen zur Jugendnationalmannschaft teil. Ein Nebeneffekt der Auswahlmannschaften war, dass er Spiele in Finnland, Norwegen oder in anderen europäischen Staaten absolvierte. „Unvergessene wunderbare Erlebnisse waren dabei“, von denen er heute noch schwärmt.

Dann war es soweit, wovon viele Jugendliche träumen: Ein Einsatz in der Ersten Bundesliga. Es war der 6. März 1982, als Dedic vom damaligen MSV-Trainer Kuno Klötzer zum Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt beordert wurde, weil ein Spieler kurzfristig ausfiel. Der 18-jährige „Kröller“ fuhr mit seinen Geschwistern zur Mainmetropole. Zuerst saß er auf der Bank, um dann in der 71. Minute für Roland Wohlfahrt, dem späteren Bayern-Spieler, eingewechselt zu werden. „Ich vergab zwei Torchancen“, erinnert sich Dedic. Der MSV verlor 1:4, aber in der ARD-Sportschau konnte er sich zum ersten Mal im Fernsehen sehen.

Zwei Monate später durfte er noch mal für 18 Minuten im Wedaustadion gegen Darmstadt 98 ran. „Da war der Abstieg des MSV schon besiegelt, und darum haben ich und weitere Spieler keine neuen Verträge bekommen“, berichtet der Stürmer.

Trotzdem flatterten gute Angebote ins Haus, denn Zweitligist Rot-Weiß Essen oder der VfB Homberg wollten ihn verpflichten. Aber - Kröller“ Dedic ging zum VfB Kleve zurück – in die Bezirksliga. Wie schon oben erwähnt, bezeichnet der Stürmer dies als seinen „größten Fehler“. Doch er wollte wieder mit seinen alten Kumpels kicken. Er verzichtete auf gute Verträge und machte sich am Niederrhein einen guten Namen.

Jeweils für ein einjähriges Gastspiel verabschiedete er sich in Richtung 1. FC Bocholt (Oberliga), Eintracht Emmerich (Kreisliga A), wegen seines Freundes Detlev Vervoortz, und zum Lokalrivalen SC Kleve. Zum SC wechselte er wegen seines Bruders Wilfried „Tito“. „Ich wollte ein Jahr mal mit meinen Bruder zusammen spielen“. So verbrachte Dedic eine Saison bei den „Blauen“, die ihn eigentlich danach nicht wieder ziehen lassen wollten, weil er auch dort seine Torjägerqualitäten unter Beweis stellte.

An einem heißen Sommertag im Juli 1994 war der große FC Bayern München, Lieblingsverein von „Kröller“ Dedic, zu Gast im Klever Gustav-Hoffmann-Stadion. Oliver Kahn, damals Neuzugang vom Karlsruher SC, stand im Tor, als ihm Dedic nach einem unwiderstehlichen Flügellauf über rechts den Ball mit einem Traumtor genau in den Winkel hämmerte. Das war der Treffer zum 1:3 und „Kröller“ wollte sich danach demonstrativ auswechseln lassen, um „Standing Ovations“ des Publikums zu erhalten.

Auf „You tube“ sind noch Szenen dieser Partie zu sehen, kommentiert von René Hiepen. „Das Spiel gegen die Bayern war ein Highlight meiner Laufbahn, besonders wegen des Tores, das ich schon im Training vorausgesagt habe“, erklärt er mit einem Lächeln. Nach dem Spiel gab es im Hotel Kleve ein Bankett, wo jedoch die Münchener ohne Kontakt zu den Klevern für sich alleine saßen und speisten.

Heute ist Dedic bei der Firma Prowerb beschäftigt, wo er kürzlich sein 25-jähriges Jubiläum feierte. Er, der von schweren Verletzungen verschont blieb und in seiner besten aktiven Zeit keine Rote Karte erhielt, ist häufiger Gast der Heimspiele des 1. FC Kleve auf dem Bresserberg. Kritisch betrachtet er die Partien. „Das Niveau ist stark gesunken“, hält er sich nicht zurück. Dedic ist nur noch ganz selten in der Altherren-Mannschaft aktiv, da er Rückenprobleme hat und den nötigen Ehrgeiz seiner Mitspieler vermisst.

Noch immer Autogrammwünsche

Und es gibt immer noch Sammler von Autogrammen, die ihn anschreiben, um von ihm ein Konterfei im MSV-Dress nebst Unterschrift zu bekommen. „Viele, denen ich das erzähle, halten mich für verrückt“, erzählt er schmunzelnd.

Zum Schluss des Gesprächs machte Wolfgang „Kröller“ Dedic seiner Ehefrau Ulla eine Liebeserklärung: „Die beste Entscheidung meines Lebens war, im Jahr 2002 meine Frau, die alles mit mir teilt, zu heiraten“. Dem ist nichts hinzu zu fügen.

 
 

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