Auf Entdeckungstour mit Pfeil und Bogen

An der Scheibe
An der Scheibe
Foto: Evers, Gottfried (eve)
Der Schützenverein Frasselt suchte ein weiteres Standbein. Er entdeckte das Bogenschießen. Trainiert wird an jedem Mittwoch auf dem alten Sportplatz in Frasselt.

Kreis Kleve..  Auf geradezu majestätische Weise verlässt der Pfeil die Sehne und fliegt in einer flachen Parabel Richtung Zielscheibe, bis er sich in das dahinter liegende komprimierte Stroh bohrt. Die Sehne schwingt noch leicht, während bereits der nächste Pfeil aufgelegt und unterhalb des sogenannten Nockpunktes einrastet. Muskelkraft ist jetzt gefragt. Die Sehne wird erneut nach hinten gezogen, bevor auch dieser Pfeil durch die Luft surrt und ganz außen in die Reihe der schwarzen Kreise trifft. „Gar nicht schlecht für den Anfang“, applaudiert Cor Hafner. Es sei schon ein Erfolg, überhaupt die Zielscheibe getroffen zu haben.

Auf dem alten Sportplatz in Frasselt schwirren an jedem Mittwochabend Pfeile durch die Luft. Dort, wo früher Fußballer sich die Seele aus dem Leib rannten, sind nun sieben Zielscheiben aufgebockt. Hier versuchen sich jetzt Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren im Bogenschießen. In idyllischer Umgebung zwischen Feldern und einem Waldstück im entlegenen Frasselt scheint der Alltagsstress weit weg zu sein.

Seit April bietet der Schützenverein Frasselt einmal in der Woche ein Training mit Pfeil und Bogen an. Die Idee, dem Verein ein weiteres Standbein zu geben, reifte im Winter heran, wie der Vorsitzende erklärt. „.“ So überlegte man, wie die Attraktivität des Vereins gesteigert werden könnte und kam auf das für einen Schützenverein naheliegende Bogenschießen. Erstmals auf dem „Stüppkesmarkt“ in Kranenburg warben die Frasselter mit ihrer neuen Abteilung. „Die Resonanz darauf war riesig“, sagt Jansen. Mittlerweile sind 30 Bogensportler dem Verein beigetreten.

Eine Folge dessen ist, dass der Verein nun aktiv nach Trainern sucht. „Wer wirklich Bogenschießen kann und bereit ist, sein Wissen und seine Erfahrungen mit Gleichgesinnten zu teilen, der ist bei uns willkommen“, erklärt Jansen.

Neue Bahnen in Planung

Eine Folge des Ansturms und gleichzeitig Anreiz für neue Trainer ist, dass die Vereinsführung die Bogenschützen im Verein finanziell unterstützen will. So soll noch in diesem Jahr eine neue Kreidemaschine angeschafft werden, um eine Skalierung der Bahnen vornehmen zu können, so dass jeder präzise seine Distanz finden kann. Darüber hinaus sind noch zusätzliche Bahnen in Planung. Zur Zeit wird über zehn bis 18 Meter geschossen. Auf den neuen Bahnen sollen dann auch Distanzen von 50 Metern und mehr möglich sein. Weiterhin will der Verein in neue Bögen investieren. Zur Zeit stehen denjenigen, die das Bogenschießen einfach mal probieren und in das Training „hineinschnuppern“ wollen, vier Bögen mit Standardmaßen zur Verfügung.

Wer nach einigen Wochen des Ausprobierens dem Verein beitreten möchte, sollte sich ohnehin einen eigenen Bogen zulegen. Denn nur mit einem individuell angepassten Bogen können optimale Ergebnisse erzielt werden. Größe, Zugkraft und Gewicht des Bogens können dann auf den Schützen eingestellt werden. Aus diesem Grund sind auch keine besonderen körperlichen Voraussetzungen für das Bogenschießen nötig. Ist man zum Beispiel nicht so kräftig, kauft man sich schlichtweg einen Bogen mit geringerer. Die durchschnittlichen Zugkraft eines Bogens beträgt 26 Ibs, was der Gewichtskraft von etwa zwölf Kilogramm entspricht.

Beim Training in Frasselt geht es nicht bierernst zu, die Lockerheit, die auf der Trainingswiese herrscht, macht sich unter den Schützen auf angenehme Art bemerkbar: Sind die Muskeln müde, legt man einfach in geselliger Runde eine Pause ein.

Der Fokus des Vereins liegt auch nicht auf dem Wettkampfschießen, wozu intensives Training und eine teure Ausrüstung nötig wären, sondern mehr auf dem breitensportlichen Schießen mit traditionellen Bögen. „Wir kommen hier erst zum Spaß zusammen“, betont Jansen. Das hieße aber nicht, dass darüber die Sicherheit vernachlässigt werde. „Die steht an allererster Stelle.“

Die Kosten für den Aktiven bewegen sich in einem durchaus erträglichen Rahmen. Die für den Start ins Bogenschießen benötigte Grundausstattung setzt sich aus einem einfachen Bogen und einigen Pfeilen zusammen und ist für weniger als 100 Euro zu bekommen. Darüber hinaus sind die Mitgliedsgebühren in Frasselt im Vergleich zu anderen Schützenvereinen im Kreis, die das Bogenschießen anbieten, die mit Abstand günstigsten, wie Jansen erläutert.

In Frasselt zahlen die Erwachsenen pro Jahr 45 Euro, für Jugendliche gibt es nach dem Alter gestaffelt besondere Konditionen. Dafür kann man dann aber auch jeden Tag und zu jeder Tages- und Nachtzeit die Schießanlage auf dem alten Sportplatz benutzen.

„Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, ist gerne eingeladen, bei uns unverbindlich mal vorbeizuschauen“, sagt Jansen. Das Training findet jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr am Treppkesweg 3 in Frasselt statt. Doch schon jetzt ist festzuhalten: Mit der Gründung einer neuen Abteilung hat der Schützenverein Frasselt wohl ganz offensichtlich den Nerv eines breiteren Publikums getroffen.

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