Ein Instinkttorhüter mit der speziellen Hose

Die Hosentaschen sind ein Markenzeichen bei Patrick Huhn.
Die Hosentaschen sind ein Markenzeichen bei Patrick Huhn.
Foto: Michael May
Ex-Gevelsberger Patrick Huhn ist bei den HTV-Handballern schnell zu einer festen Größe geworden.

Hemer..  Ein Handballtorhüter kommt eher selten auf die Idee, die Hände in die Hosentaschen zu stecken. Patrick Huhn könnte es bei seiner Arbeitskleidung nicht einmal, denn das Innenleben der Taschen ist nach außen gekehrt und mittlerweile sogar festgenäht. „Das ist ein Spezialmodell“, sagt der Keeper des Handball-Oberligisten HTV Sundwig/Westig mit einem Schmunzeln. Dass er auf diese Weise seine Körperoberfläche ein wenig vergrößert, ist aber nicht der Grund, dass er seit Wochen so gut hält.

Der 33-Jährige räumt ein, dass er eine gewisse Anlaufzeit in Hemer brauchte. „Der HTV spielt anders als mein Ex-Verein Gevelsberg, wir haben drei Torhüter, so dass es in der Vorbereitung auch nur begrenzte Einsatzzeiten für jeden gab“, sagt Patrick Huhn. „Und als neuer Mann brauchst du eben etwas Zeit.“ Mittlerweile ist er komplett angekommen und war auch beim jüngsten 28:20 gegen den OSC Dortmund der große Rückhalt. Dass er mit Matthias Kohl und Christopher Schumacher um den Platz zwischen den Pfosten kämpfen muss, ist für ihn kein Problem. „Das sind richtig gute Typen, es gibt keine Eifersüchteleien.“ Bei Youngster Schumacher bewundert er die Ruhe („die täte mir manchmal auch gut“), bei Routinier Kohl die Beweglichkeit. „Der Matze legt auch mit 42 noch das Bein auf die Latte. So gelenkig wie der wäre ich gerne.“ Aber dazu, da ist der Gevelsberger sicher, hätte er früher anfangen müssen. „Man muss das von der Pike auf lernen, und weil ich erst als B-Jugendlicher ins Tor gegangen bin, ist aus mir nie der Techniker geworden.“ Die Umschulung lief damals reibungslos, und weil sich die Erfolgserlebnisse schnell einstellten, wollte er auch nie zurück aufs Feld.

Fast zehn Jahre als Feldspieler zahlen sich auch im Tor aus

Huhn beschreibt sich als Instinkttorhüter, der sich seinen Status mit großem Einsatz erarbeitet hat. Er glaubt, seine Defizite in den Bereichen Gelenkigkeit und Explosivität zu haben, sieht aber seinen großen Vorteil darin, dass er sich in den Schützen hineindenken kann. „Wenn man fast zehn Jahre Feldspieler war, zahlt sich das schon aus.“ Und dass er seit Jahren eine feste Größe in der Oberliga ist, führt er auch auf seine Willenskraft zurück. „Ich kann es ausblenden, dass man auch heftig getroffen werden kann. Ich denke einfach nicht darüber nach“. Den furchtlosen Auftritt hat er bislang nicht mit größeren Verletzungen bezahlen müssen, von einem Handbruch abgesehen. „Länger als fünf, sechs Wochen habe ich nie pausieren müssen. Hoffentlich bleibt das so.“

Patrick Huhn bezeichnet sich als bodenständigen Typen, der mit häufigen Vereinswechseln wenig am Hut hat. Aber die letzten Gevelsberger Jahre, das räumt er ein, setzten seiner Psyche zu. „Es ging immer gegen den Abstieg. Ich konnte die Situation nicht komplett ausblenden und habe viel mit nach Hause genommen.“ Seine Verlobte Ann-Christin, die er im nächsten August heiraten wird, mochte er mit solchen Problemen nicht behelligen. „Sie macht wegen des Handballs schon genug Zugeständnisse.“

Weil er den Abstiegskampf mit Gevelsberg allmählich leid war, reifte der Entschluss zum Wechsel - um sorgenfreier den Job zwischen den Pfosten zu erledigen. Das zumindest dürfte beim HTV und seinem derzeit ausgeglichenen Punktekonto gelingen. „Unser Ziel ist ein Platz in der oberen Tabellenhälfte, und das ist auf jeden Fall machbar.“

Die Arbeit in Hemer bewertet er als deutlich professioneller als in Gevelsberg. „Da musste doch ziemlich viel improvisiert werden.“ In der Mannschaft sieht er eine ganz andere Qualität, hier könne ohne Niveauverlust gewechselt werden Und weil er gewiss kein Wandervogel werden will, hätte er auch nichts gegen ein Engagement über die Saison hinaus einzuwenden.

Vorfreude auf das brisante Derby am Freitag in Menden

Beim HTV richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf das Derby am Freitag in Menden. „Das ist für viele meiner Kollegen kein normales Spiel, und ich kann das gut nachvollziehen“, verweist er auf seinen Einsatz bei seinem Ex-Klub Gevelsberg vor einigen Wochen. Der HTV spielte schlecht und verlor, und Patrick Huhn hatte nach dem Spiel wenig Spaß. „Aber wenn wir gewonnen hätten, wäre das nicht anders gewesen, dazu kenne ich viele Leute zu gut.“ In Menden will er dazu beitragen, dass der HTV nach dem Spiel viel Freude hat. „Vorausgesetzt, ich spiele.“ Aber die Chancen dürften nach seinen letzten Leistungen wohl ganz gut sein.

 
 

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